Konjunktur

Unternehmensverband Essen: Einbruch in der Wirtschaft droht

Vor allem die Metall- und Elektroindustrie in Essen sieht skeptisch in die Zukunft.

Vor allem die Metall- und Elektroindustrie in Essen sieht skeptisch in die Zukunft.

Foto: Nadine Przystow / FUNKE Foto Serivces

Essen.  Die jüngsten Umfrageergebnisse zeigen: Die Stimmung in den Essener Unternehmen hat einen deutlichen Dämpfer bekommen.

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Die jüngsten Ergebnisse einer Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen haben den Essener Unternehmensverband (EUV) aufgeschreckt: Die Konjunktur in Essen könnte dieses Jahr einen deutlichen Dämpfer bekommen. „Einem durchwachsenen Jahr 2019 könnte ein echtes Krisenjahr 2020 folgen“, erklärte am Dienstag der Vorstandsvorsitzende Henner Puppel. Vor allem die Metall- und Elektroindustrie bereitet dem Verband Sorgen. In der Branche ist die Stimmung der Unternehmen regelrecht abgesackt.

Der EUV hatte seine rund 400 Mitgliedsunternehmen vor Weihnachten nach ihren Geschäftsaussichten für die kommenden Monate befragt. „Fast 60 Prozent der befragten Firmen malen ein düsteres Konjunkturbild“, so Puppel. 27 Prozent von ihnen stellen sich auf rückläufige Umsätze ein. Die anderen sagen: Unsere Geschäftslage bleibt schlecht. Dagegen gehen nur noch zwölf Prozent der Unternehmen in 2020 von besseren Geschäften aus.

Metall- und Elektroindustrie in Essen ist besonders zurückhaltend

Die getrübte Stimmung schlägt sich auch auf die Personalpolitik der befragten Unternehmen nieder. Puppel dazu: „Alle Parameter gehen nach unten. Selbst die Beschäftigungssituation, die in den Vorjahren immer stabil positiv war, ist nun rückläufig. Unternehmen agieren zurückhaltender mit Personalaufstockung.“

Besonders verhalten äußern sich die Unternehmer der Metall- und Elektroindustrie in der Umfrage: Nur noch fünf Prozent gehen in den nächsten Monaten davon aus, dass ihre Geschäfte besser laufen werden. 30 Prozent hingegen befürchten eine schlechtere wirtschaftliche Situation. „In der M+E-Branche geht es unruhig zu“, liest Puppel daraus.

Einer der Unternehmer, die an der Umfrage teilgenommen haben, ist Hans-Willi Fette. Sein Unternehmen, die Siegfried GmbH & Co. Metall KG (SFM), ist mit 25 Mitarbeitern im Maschinen- und Anlagenbau tätig und fertigt zu 80 Prozent für den Export. „Die breite Unsicherheit in vielen Bereichen führt im Moment dazu, dass die Stimmung in den Unternehmen wohl schlechter ist, als die tatsächliche Lage“, sagt Hans-Willi Fette, der seit 45 Jahren in der Branche tätig ist. Er nennt als Beispiele unter anderem die Konflikte zwischen den USA und China, die derzeit wachsenden Spannungen der USA mit dem Iran und den bevorstehenden Brexit. „All das führt dazu, dass sich Investoren weltweit zurückhalten“, sagt Fette. Die SFM spüre das seit etwa einem halben Jahr bei den Auftragseingängen, auch wenn die Auftragslage selbst mit einem Vorlauf von drei, vier Monaten noch längst nicht kritisch ist. „Aber so etwas lässt einen auch als Unternehmer selbst bei den Investitionen vorsichtiger werden“, meint Hans-Willi Fette. Schließlich wolle man gerüstet sein, falls der Abschwung länger dauert.

IHK Essen registriert in Umfrage ebenfalls Stimmungsdämpfer

Auch die Essener Industrie- und Handelskammer (IHK) beobachtet eine gedämpfte Stimmung in der hiesigen Wirtschaft. Die Kammer hat aktuell ebenfalls die Unternehmen gebeten, an ihrer Konjunkturumfrage teilzunehmen. Die ersten Rückläufe zeigen: „Die Lage ist immer noch recht gut, aber die Aussichten sind eingetrübt“, sagte Konjunkturexperte Jan Borkenstein. Vor allem aus der Industrie kämen negative Signale. „Beim allem aber muss man bedenken, dass wir von einem hohen Niveau kommen“, sagte Borkenstein.

Arbeitgeberverband warnt IG Metall vor nächster Tarifrunde

Der EUV nutzte die Umfrageergebnisse in der Metall- und Elektroindustrie derweil für einen Appell Richtung IG Metall. Im Frühjahr 2020 stehen in der Branche Tarifverhandlungen an. „Der nächste Tarifabschluss darf die Unternehmen nicht überfordern – weder in der Höhe noch was die Komplexität der gefundenen Regeln angeht. Wir brauchen ein Tarifwerk, das den Unternehmen flexible Handlungsspielräume lässt. Nach Jahren teurer und zu komplexer Tarifvereinbarungen brauchen wir jetzt auch endlich ein mittelstandsverträgliches Ergebnis“, betonte Puppel.

Die IG Metall in Essen reagierte eher überrascht auf die schlechte Stimmungslage in ihrer Branche. „Wir haben im Moment keine solche Meldungen aus den Betrieben. Ich sehe daher die Aussichten auch nicht so düster“, sagte Gewerkschaftssekretär Markus Ernst.

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