Kommentar

TuP-Streit: Dauerkonflikt verstellt die Zukunftsperspektiven

Foto von Martina Schürmann für Online-Kommentare (Artikelhauptbild).

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Foto: WAZ

Essen.  Geschäftsführer contra Betriebsrats-Chef: Turbulenzen bei der Theater und Philharmonie fordern von Politik und Aufsichtsrat klare Stellungnahme.

Opernhaus des Jahres, Orchester des Jahres: In den vergangenen Jahres hat man nicht nur im Essener Musiktheater so manchen Titel feiern können. Nun belegt die Theater und Philharmonie einen anderen, traurigen Spitzenplatz: Kaum ein anderes Theater in der Republik beschäftigt die Arbeitsgerichte so häufig wie das Essener Haus!

Die schrillen Töne übertönen die guten Nachrichten der Theater und Philharmonie

Die schrillen Töne hinter den Kulissen übertönen alles, was derzeit an Gutem aus dem Hause dringt: Steigende Auslastungszahlen, künstlerische Erfolge. Und nicht zuletzt schaut man in der Nachbarschaft fast neidisch auf einen Theaterapparat, der nahezu störungsfrei funktioniert, während sich andere Städte mit Sanierungsstaus und rückläufigen Publikumszahlen quälen. Von außen betrachtet scheint es bei der Essener Theater und Philharmonie rund zu laufen – technisch und künstlerisch. Doch der Berg an Unzufriedenheit hat bei einem Großteil der rund 700 Theater-Beschäftigten offenbar Himalaya-Dimensionen erreicht.

Die Verantwortlichen müssen die Klagen ernst nehmen

Politik und Aufsichtsrat haben die Misstöne lange, vielleicht zu lange nicht hören wollen. Schon bei der Vertragsverlängerung von Geschäftsführer Berger Bergmann 2018 gab es Proteste. Wollen die Verantwortlichen nicht einen absoluten Scherbenhaufen riskieren, müssen sie jetzt beweisen, dass sie die Klagen ernst nehmen.

Mag die Debatte für viele aus diesem Kreise auch zur Unzeit kommen, müssen sie in der Frage Position beziehen, wie es nun weitergeht mit einem Geschäftsführer, der den mächtigen Tanker TuP auch in größten finanziellen Turbulenzen auf Kurs gehalten hat; der die Störfeuer innerhalb des Betriebes aber manchmal eher noch anfacht statt sie auszutreten.

Arbeitskreis-Absage der Arbeitnehmer ist eine besorgniserregende Zuspitzung

Aber auch die Beschäftigen müssen nach endlosen Streitjahren klären, ob sie mit einem Betriebsrats-Vorsitzenden gut beraten sind, dessen Konfrontationslust nicht minder ausgeprägt ist. Dass sich die Arbeitnehmer nach nur einer Runde aus dem Arbeitskreis, der schlichten sollte, zurückgezogen haben und von Parteilichkeit reden, ist ein enormer Affront gegen den Aufsichtsrat und eine besorgniserregende Zuspitzung der Lage.

Etliche Konflikte landen vor dem Arbeitsgericht

Eines wird so deutlich: Mit den verfeindeten Hardlinern, Geschäftsführer Berger Bergmann und Betriebsratschef Adil Laraki, dürfte die TuP so schnell keinen Betriebsfrieden finden. Der Dauerstreit über Bergmanns Sparkurs und seine künstlerischen Folgen verstellt aber die Zukunftsperspektiven. Wie sollen künftig Strukturen verändert und Neues gewagt werden, wenn jede Mitarbeiter-Umbesetzung von der halben Belegschaft als existenzielle Bedrohung gewertet wird? Wie soll eine neue Kommunikationskultur einziehen, wenn auch der vergleichsweise kleinste Konflikt nicht zwischen Kaffeemaschine und Kopierer, sondern vor dem Arbeitsgericht entschieden werden muss?

Dass in einem Theaterbetrieb, in dem demokratische Prozesse doch eigentlich verhandelt und angestoßen werden sollen, Konflikte nicht mehr untereinander und miteinander ausgetragen werden können, ist ein Alarmsignal. Es muss gehandelt werden.

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