Stadtgeschichte

Taucher findet Kanonenkugel aus dem Dreißigjährigen Krieg

Essens Stadtarchäologe Detlef Hopp mit der Kanonenkugel aus der Ruhr.

Essens Stadtarchäologe Detlef Hopp mit der Kanonenkugel aus der Ruhr.

Foto: Foto: STEFAN AREND

Essen.  Die acht Kilogramm schwere Kanonenkugel wurde nahe der Ruhrbrücke in Essen-Burgaltendorf entdeckt. Wer hat sie einst abgefeuert?

Niemand weiß, wer sie abgefeuert hat. Und auch nicht, wen der unbekannte Kanonier ins Visier nahm, bevor er die brennende Lunte ans Rohr legte. Aber dass es sich um eine Kanonenkugel handelt, dessen ist sich Essens Stadtarchäologe Detlef Hopp sehr sicher.

Taucher Thomas Grey hatte sie in der Nähe der Ruhrbrücke in Burgaltendorf entdeckt und dem Archäologen übergeben. Das Geschoss wurde einst aus Eisen gegossen und ist acht Kilogramm schwer. Der sogenannte 16-Pfünder könnte aus dem 15. Jahrhundert stammen, meint Detlef Hopp nach ersten Recherchen.

Genutzt wurden Kanonenkugeln aus Eisen bis in das 19. Jahrhundert

Seinerzeit ersetzten gegossene Eisenkugeln die bis dahin üblichen Geschosse, die oft aus Stein hergestellt waren. Genutzt wurden Eisenkugeln dann bis ins 19. Jahrhundert, so Hopp.

Im 16. Jahrhundert waren Essen und Umgebung Schauplatz von Kämpfen und Scharmützeln im niederländisch-spanischen Krieg (1568 - 1648). Damals zogen spanische Truppen plündernd durch die Gegend. Detlef Hopp erinnert daran, dass schon vor wenigen Jahren bei Kettwig zwei Kanonenkugeln aus dieser Zeit gefunden wurden. Bauarbeiter hatten die Geschosse auf einer Baustelle am Ruhrufer ausgegraben. „Die Spanier haben Kettwig mehrmals überrannt“, so der Archäologe. Und waren dabei augenscheinlich nicht zimperlich.

Haus Horst war in den 1580er Jahren Schauplatz von Plünderungen

Auch das nahe der Fundstelle in der Ruhr gelegene Haus Horst in Essen-Horst war in den 1580er Jahren und im Dreißigjährigen Krieg Ziel (1618 - 1648) Schauplatz von Plünderungen. In diesen schweren Zeiten des 17. Jahrhunderts wechselte das Haus mehrfach den Besitzer und verfiel.

Bemerkenswert sei, so Hopp, dass noch in einem Verkaufsdokument aus dem Jahr 1674 erwähnt wird, dass auf dem Grundstück von Haus Horst eine Kanone stand. Es liege nahe, dass die Kanonenkugel aus der Ruhr in Burgaltendorf mit den kriegerischen Ereignissen des 16. und 17. Jahrhunderts in Zusammenhang stehen könnte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben