Polizeipräsidium

Tatort Polizeipräsidium Essen: Fast 10.000 Euro verschwunden

Tatort Polizeipräsidium Essen: Aus der Asservatenkammer, der Verwahrstelle für beschlagnahmte Gegenstände wie Bargeld, Waffen, Drogen und Schmuck, sind fast 10.000 Euro sichergestelltes Geld spurlos verschwunden.

Tatort Polizeipräsidium Essen: Aus der Asservatenkammer, der Verwahrstelle für beschlagnahmte Gegenstände wie Bargeld, Waffen, Drogen und Schmuck, sind fast 10.000 Euro sichergestelltes Geld spurlos verschwunden.

Foto: Foto: Susanne Kollmann

Essen.   Polizei Essen bestätigt: Aus der Verwahrstelle des Präsidiums sind 9475 Euro auf rätselhafte Weise verschwunden. Geld war sichergestellt worden.

Die Führung des Essener Polizeipräsidiums steht vor einem Rätsel: Aus einem Panzerschrank der Asservatenkammer, in dem sichergestelltes Bargeld, Schmuck und Wertgegenstände aufbewahrt werden, ist ein fast fünfstelliger Geldbetrag schon seit geraumer Zeit spurlos verschwunden. Exakt handelt es sich um 9475 Euro. Dies geht aus einer so genannten „WE-Meldung“ (Wichtige Ereignisse) hervor, die dieser Zeitung vorliegt.

Ein Polizeisprecher hat den darin geschilderten Sachverhalt am Montag auf Anfrage bestätigt: „Tatsächlich sind im Polizeipräsidium 9475 Euro abhandengekommen.“

Innerhalb der Behörde ist der brisante Vorgang schon seit dem 7. Dezember 2018 bekannt, die Verlustmeldung mit Datum 13. Dezember 2018 ist unterzeichnet von Polizeipräsident Frank Richter. Darin heißt es unter Punkt 1 (Anlass) in schlichtem Behördendeutsch: „Verlust eines Verwahrstücks“.

„Der Betrag war in einem geeigneten Panzerschrank eingelagert worden“

Unter Punkt 4 (Sachverhalt) gibt der Polizeipräsident den für seine Behörde peinlichen Vorgang folgendermaßen zu Protokoll: „Am 7. Dezember 2018 stellte der Verwahrstellenleiter der zentralen Verwahrstelle meiner Direktion K den Verlust eines Verwahrstücks (Bargeld i. H. v. 9.475 €) fest. Der Betrag war bei einem Strafverfahren (Sozialleistungsbetrug) als Beweismittel sichergestellt, am 8. 11.2017 in Verwahrung genommen und gemäß Verwahrstellenverzeichnis in einem geeigneten Panzerschrank eingelagert worden.“ Direktion K bedeutet Direktion Kriminalität – eine Abteilung, die der Leitenden Kriminaldirektorin Martina Thon untersteht.

Der Verlust der knapp 10.000 Euro fiel erst durch eine vom 15. November 2018 datierte Anordnung der Essener Staatsanwaltschaft auf. Die Justizbehörde forderte die Polizei darin auf, „das Bargeld der Zahlstelle des Amtsgerichts Essen zuzuführen“. Dazu der Polizeipräsident: „Als die Anordnung umgesetzt werden sollte, konnte das Verwahrstück nicht aufgefunden werden.“ Die „Absuche des Verwahrraums und des Panzerschranks“, so fügt er hinzu, sei „bislang negativ“ verlaufen. Eine Übergabe an „Sachbearbeiter/Berechtige“ sei nicht dokumentiert.

Der Vorgang in Essen wirft Fragen auf. Im Fall des tausendfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde ist der Leiter der Direktion Kriminalität letzten Freitag von seinen Aufgaben entbunden worden, nachdem bekannt wurde, dass ein Alukoffer mit 155 CDs und DVDs seit Wochen verschwunden ist. Das Beweismaterial war im Dezember im Campingwagen des Tatverdächtigen von der Polizei sichergestellt worden.

„Das Betreten der Verwahrstelle durch Unbefugte ist grundsätzlich auszuschließen“

Eigentlich sollten Beweisstücke oder beschlagnahmtes Bargeld gerade in den Verwahrstellen der Polizei besonders gut gesichert sein. Auch Polizeipräsident Frank Richter betont in der „WE-Meldung“, die dem Innenministerium in Düsseldorf vorliegt, wie gut gesichert die Asservatenkammer in Essen ist. Der Behördenchef schreibt: „Das Betreten der Verwahrstelle durch Unbefugte ist grundsätzlich auszuschließen. Die Schlüsselgewalt über den Panzerschrank hat ausschließlich der Verwahrstellenleiter oder sein Vertreter. Der Zugang zum Verwahrgelass ist streng limitiert.“

Hat sich ein Beamter des Polizeipräsidiums die verschwundenen 9475 Euro trotz alledem heimlich in die Tasche gesteckt? Das schließt die Behörde definitiv aus. In der WE-Meldung heißt es: „Verdachtsmomente für eine Straftat bestehen nicht.“ Weiter schreibt Richter: „Nach derzeitigem Stand gehe ich davon aus, dass sich das Verwahrstück noch in Verwahrung des Polizeipräsidiums Essen befindet, irrtümlich mit einem anderen Asservat verwahrt und bei der Generalinventur gefunden wird.“

„Wir hoffen, dass das Geld wieder auftaucht“

Diese Generalinventur hat nach Angaben des Polizeisprechers schon vor dem 8. Dezember 2018 begonnen: dem Tag, als das spurlose Verschwinden des sichergestellten Bargeldes im Präsidium bemerkt wurde. „Diese Überprüfung dauert immer noch an“, fügt der Sprecher hinzu. Er weist darauf hin, dass es nicht nur die Asservatenkammer im Keller des Polizeipräsidiums gebe, sondern weitere dezentrale Asservatenkammern in Essen und Mülheim. „Darin sind Tausende Gegenstände gelagert - von der Patronenhülse über Gold, Schmuck und Drogen bis hin zu Autos und Straßenbahnen.“ Trotz der vielen Verwahrstücke bzw. Asservate sei „in letzter Zeit nie etwas weggekommen“.

Der Sprecher weiter: „Wir hoffen, dass wir den Umschlag wiederfinden und dass das Geld wieder auftaucht“. Der Vorfall sei zum Anlass genommen worden, „zu prüfen, wie das Asservaten-Management verbessert werden kann“.

Unabhängig vom Ausgang der Suche werde der angeforderte Geldbetrag über 9475 Euro an die Justiz überwiesen. „Die Polizei hat Schuld und steht dafür gerade, das Geld wird der Staatsanwaltschaft erstattet.“

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