Protest

Synagogen-Leiter meidet Empfang des türkischen Konsulats

Uri Kaufmann, Historiker und Jude, ist seit 2011 Leiter der Alten Synagoge. Wegen der Verwerfungen in der Türkei bleibt der r 60-Jährige dem Empfang des Generalkonsuls am türkischen Nationalfeiertag aus Protest fern.

Foto: Sebastian Konopka

Uri Kaufmann, Historiker und Jude, ist seit 2011 Leiter der Alten Synagoge. Wegen der Verwerfungen in der Türkei bleibt der r 60-Jährige dem Empfang des Generalkonsuls am türkischen Nationalfeiertag aus Protest fern. Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Uri Kaufmann, Leiter des städtischen Kulturinstituts Alte Synagoge Essen, bleibt dem Empfang des türkischen Generalkonsuls aus Protest fern.

Rasanter Demokratieabbau in der Türkei, Menschenrechtler und Journalisten in Haft, Repressionen gegen Juden: Uri Kaufmann, Leiter der Alten Synagoge, hat jetzt Konsequenzen aus den schweren Verwerfungen in der Türkei gezogen. Der 60 Jahre alte promovierte Historiker wird demonstrativ dem Empfang fernbleiben, den der neue türkische Generalkonsul Sener Cebeci am 30. Oktober in Essen anlässlich des Jahrestages der Republikgründung vor 94 Jahren geben wird.

Uri Kaufmann, Jude und gebürtiger Schweizer, sagt dieser Zeitung, er habe sich zu der Absage entschlossen, „weil ich die Veränderungen in der Türkei für undemokratisch halte und auch der Druck auf die kleine jüdische Gemeinde in Istanbul enorm gewachsen ist“.

Die Empfänge des Generalkonsuls zum türkischen Nationalfeiertag haben in Essen eine lange Tradition. Eingeladen werden dazu seit jeher führende Repräsentanten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Religionsgemeinschaften. Uri Kaufmann steht als Leiter der Alten Synagoge an der Spitze eines städtischen Kulturinstituts („Haus jüdischer Kultur“), das unabhängig von der jüdischen Kultusgemeinde Essen geführt wird.

Kaufmann: „Da wäre es nicht angebracht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.“

Die dramatischen politischen Verwerfungen in der Türkei beobachtet Kaufmann seit langem mit zunehmender Empörung. „Da wäre es nicht angebracht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen“, begründet er sein Fernbleiben beim Konsulats-Empfang, und fügt spitz hinzu: „Man würde sich durch eine Präsenz missbrauchen lassen.“

In der Reihe „Donnerstagsgespräch“ hinterfragt die Alte Synagoge am 19. Oktober um 19 Uhr kritisch die Rolle des islamischen Dachverbandes Ditib. Referent ist der Berliner Journalist und Fernsehautor Kemal Hür. Ditib zählt rund 900 türkische Moscheevereine in Deutschland, untersteht direkt der türkischen Religionsbehörde und bestimmt die 970 Imame in Deutschland, die von den jeweiligen Konsulaten bezahlt und beaufsichtigt werden. Seit dem Putschversuch 2016 in der Türkei steht Ditib im Mittelpunkt einer Spitzelaffäre. Ditib-Imame sollen türkischen Behörden auf Drängen Ankaras Anhänger der oppositionellen Gülen-Bewegung melden.

OB fehlt wegen Dienstreise in China

Die Jüdische Gemeinde Mannheim hat die Beziehungen zu Ditib deshalb inzwischen abgebrochen. Der Beschluss lautet: „Keine Annahme von Einladungen der Ditib und keine Einladungen an die Ditib.“ Uri Kaufmann steht dem Abbruch der Beziehungen zu Ditib jedoch reserviert gegenüber. Er sagt: „Wenn Ditib-Funktionäre in der Türkei sich judenfeindlich äußern, muss dies ja nicht unbedingt bedeuten, dass man auf lokaler Ebene auch die Beziehungen abbricht.“

Dass auch Oberbürgermeister Thomas Kufen dem Empfang des türkischen Generalkonsuls fernbleibt, hat keine politischen Gründe. Der OB befinde sich am 30. Oktober auf einer Dienstreise in China und werde sich von einem Bürgermeister vertreten lassen, teilt Stadtsprecherin Silke Lenz mit.

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