Kommentar

Stillstand beim Wohnungsbau kann sich Essen nicht leisten

WAZ-Redakteur Marcus Schymiczek.

WAZ-Redakteur Marcus Schymiczek.

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Essen.  Die Stadt wird nicht umhinkommen, Flächen für den Wohnungsbau auszuweisen, sollen Mieten und Grundstückspreise nicht weiter steigen.

Grün macht eine Stadt Lebenswert. Dass Bürger gegen die Bebauung schützenswerter Freiflächen protestieren, ist deshalb keine Überraschung. So gesehen, hat das Bürgerforum „Wo wollen wir wohnen“ seinen Zweck verfehlt. 420 zufällig ausgewählte Bürger haben eine Vorauswahl getroffen. Alle anderen fühlen sich übergangen. Zurecht. Und die Erfahrung zeigt: Mit der Nähe zum Objekt steigt der Grad der Betroffenheit. So ist es auch diesmal. Wer selbst im Grünen wohnt, möchte sich das nicht verbauen lassen.

Die Politik ist gut beraten ganz genau hinzusehen, um welche Freiflächen es geht

Aber es geht um mehr als um die persönliche Befindlichkeit oder ein Lebensgefühl. Ja, es geht auch um Natur- und Klimaschutz. Die Politik ist deshalb gut beraten ganz genau hinzuschauen, welche Flächen als Bauland ausgewiesen werden könnten. Landschaftsschutzgebiete sollten tabu sein. Gibt es Alternativen? Ja, die gibt es: Brachflächen bebauen, Baulücken schließen, Gebäude aufstocken, alte Butzen abreißen und neu bauen. Der Haken: Die Eigentümer müssen mitspielen.

In Essen fehlen tausende Wohnungen, insbesondere für Menschen mit schmalem Portemonnaie. Aber auch jene, die sich ein schickes Haus leisten können, sollten als Neubürger willkommen sein. Ohne Flächen wird der Bedarf nicht zu befriedigen sein. Stillstand beim Wohnungsbau bedeutet hingegen: Grundstückspreise und Mieten steigen, die Zahl der Pendler nimmt nicht ab und auch nicht der Verkehr auf den Straßen, unter dem Menschen und Umwelt leiden. Kann Essen sich das leisten?

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