Stauder-Brauerei

Stauder zieht sich fast gänzlich als Gastro-Pächter zurück

Stauder ist in der Gastronomie in Essen stark vertreten. 40 Prozent ihres Absatzes macht sie in Gaststätten. Als deren Pächter tritt die Brauerei aber

Stauder ist in der Gastronomie in Essen stark vertreten. 40 Prozent ihres Absatzes macht sie in Gaststätten. Als deren Pächter tritt die Brauerei aber

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Früher hatte die Essener Stauder-Brauerei selbst über 200 Gaststätten gepachtet. Warum sie sich von dem Modell aber weitgehend verabschiedet hat.

Noch vor 25 Jahren hatte die Stauder-Brauerei selbst über 200 Gaststätten im Essener Stadtgebiet gepachtet. Doch aus diesem Mietmodell hat sich das Unternehmen mittlerweile fast vollständig zurückgezogen. „Das war historisch gewachsen, ist aber heute nicht mehr zeitgemäß“, sagte Brauerei-Chef Thomas Stauder. „Wir sind eine Bierbrauerei und kein Immobilienbesitzer.“ Heute hat Stauder gerade mal noch elf Gaststätten selbst gepachtet.

In den meisten Fällen passierte der Rückzug geräuschlos und ohne, dass der Gast etwas merkt, sagte Thomas Stauder. Gaststättenbetreiber und Vermieter schlossen dann direkt miteinander den Pachtvertrag ab. Zuletzt allerdings war Stauder damit unfreiwillig ins Rampenlicht geraten; wegen einer laufenden Rettungsaktion des Soul Hellcafés in Rüttenscheid. Hauseigentümer und Betreiber der Rockabilly-Kneipe fanden dort nach der Kündigung des Pachtvertrages durch Stauder nicht zueinander. Es wird kolportiert, der Immobilienbesitzer wolle dort lieber eine ruhigere Gastronomie betreiben. Das Soul Hellcafé steht deshalb vor dem Aus. Eine von Stammgästen gestartete Unterschriftensammlung zum Erhalt des Cafés soll den Eigentümer allerdings noch umstimmen.

Pacht-Modell sollte Absatz sichern

Dass eine Brauerei in der Vergangenheit als Gaststättenpächter auftrat, war nichts Ungewöhnliches und hatte einen einfachen Grund. Damit wollte sie ihren Bierabsatz sicher stellen. Stauder habe viele solcher Verträge 1990 mit der Übernahme der Marke „Stern“ von der Stern-Brauerei und aus deren Bierlieferverträgen geerbt, berichtet Thomas Stauder. „Damals kam eine ganze Reihe dieser Pachtverträge dazu.“ Seit einigen Jahren schon fahre Stauder die Zahl jedoch kontinuierlich zurück. „Das ist aber kein Dogma“, sagte Stauder mit Blick auf die letzten elf bestehenden.

Das früher praktizierte Pachtmodell hatte für den Gastronomen wie auch für die Brauerei durchaus Vorteile: Denn Hauseigentümer vermieteten sicher bereitwilliger ihre Räume an Gastronomen mit einer solventen Brauerei im Rücken, die im Zweifelsfall für Mietausfälle einspringen konnte. Dennoch waren damit für Stauder auch Risiken verbunden, die die Brauerei nun loswerden will. So sei es in der Vergangenheit durchaus vorgekommen, dass Stauder nach einer Geschäftsaufgabe auf dem Pachtvertrag sitzen blieb, wenn sich kein neuer Betreiber für die Gaststätte finden ließ. Das Kneipensterben in der jüngsten Vergangenheit steht sicher auch exemplarisch dafür.

Stauder will weiter in Gastronomie investieren

Thomas Stauder nennt jedoch noch einen weiteren Grund für den Rückzug aus den Pachtverträgen: „Für uns ist das ein beträchtlicher Aufwand.“ Stauder müsse sich als Pächter um Immobilienangelegenheiten wie Renovierungen kümmern, die für eine Brauerei nicht zum Kerngeschäft gehörten.

Als Vernachlässigung der Gastronomie will Stauder das alles freilich nicht verstanden wissen. Schließlich macht der Bierabsatz in der Gastronomie für Stauder fast 40 Prozent aus. Das liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt, der bei rund 20 Prozent liegt. Stauder hat diesen bewusst in den vergangenen Jahren ausgebaut, um sich als Marke fest in der Region zu etablieren. Auch in Zukunft werde Stauder weiter in Partnerschaften für Gastronomen investieren, heißt es deshalb. Heute ist es jedoch üblich, statt Pacht- Gastronomieverträge abzuschließen: In der Regel verpflichtet sich Stauder, dem Gastronomen Sach- oder Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug nimmt der Gaststättenbetreiber der Brauerei Bier in einem bestimmten Umfang ab.

>>>GESCHICHTE DER BRAUEREI<<<

  • Theodor Stauder, ein aus Bayern stammender Bierbrauergeselle und Fassbinder, pachtete 1867 die Hausbrauerei Schlicker in Essen. Er verlagerte ein Jahr später die Brauerei nach Altenessen und ließ die neue Brauerei unter seinem Namen in das Königlich Preußische Firmenregister eintragen.
  • Seit 2005 führt mit Thomas Stauder und Axel Stauder nunmehr die 6. Generation die Brauerei.

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