Schädlinge

Stadt Essen fällt rund 600 kranke Bäume an Straßen

Der städtische Baumsachverständige Arne Thun untersucht die Holzdichte einer Platane an der Fürstinstraße in Kray.

Der städtische Baumsachverständige Arne Thun untersucht die Holzdichte einer Platane an der Fürstinstraße in Kray.

Foto: Ulrich von Born

Essen.   Die Stadt Essen muss Bäume fällen, weil sie von Schädlingen befallen sind. Holz zersetzt sich so schnell, dass Stadt im Sommer zur Säge greift.

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Über die Sommermonate wird Grün und Gruga stadtweit rund 600 Straßenbäume fällen. Die betroffenen Stämme sind von Schädlingen befallen und nicht mehr standsicher. Die äußeren Bedingungen und die sehr schnell wirkende Zerstörung des Holzes erlaubten es nicht mehr, Straßenbäume ausschließlich im Winterhalbjahr zu fällen, heißt es. Das Problem: Für Laien ist die Erkrankung oft kaum zu erkennen. Im Gegenteil, die Bäume wirken vital.

An der Fürstinstraße in Kray macht Arne Thun die Probe aufs Exempel. Auf 80 bis 90 Jahre schätzt der Baumsachverständige das Alter der mit einem grünen Punkt markierten Platane. Kontrolleure haben den Baum zuvor in Augenschein genommen. Ein wuchernder Pilz am Stamm ist ein klares Indiz für einen Schädlingsbefall. Es handelt sich um einen Lacksporling. Der gefräßige Geselle zersetzt das Holz. Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse darüber, wie lange es dauert, bis der Baum seine Stabilität verliert, gibt es nicht. Fest steht: Aufhalten lässt sich dieser Prozess nicht.

Der Zersetzungsprozess lässt sich nicht aufhalten

Um sich ein Bild vom Befall zu machen, bedient Thun sich eines Resistographen. Das mit einer zwei Millimeter dünnen Nadel versehene Gerät liefert Aufschluss über die Dichte des Holzes, ablesbar durch eine Linie, die der Apparat auf einen Papierstreifen zeichnet. Thun sticht die Nadel ins Holz. Das Ergebnis: Das Wurzelwerk ist bis zu einer Tiefe von 15 Zentimetern intakt, dann aber reißen die Ausschläge ab, die Zickzack-Linie wird zu einem schmalen Strich. „Wir haben hier erhebliche Verwerfungen“, konstatiert Thun. Der Zersetzungsprozess sei bereits weit fortgeschritten. Eine Messung in etwa einem Meter Höhe ergibt folgendes Bild: „Das Holz ist völlig in Ordnung. Der Knackpunkt liegt unter der Erde“, betont Thun.

Grün und Gruga will kein Risiko eingehen. Die Platane steht unmittelbar neben einem Spielplatz. Das Blätterdach wirkt wie ein Segel, bei Sturm könnte der mehrere Tonnen schwere Baum umstürzen. Er muss gefällt werden.

So ergeht es in den kommenden Wochen zahlreichen Bäumen. Betroffen sind nicht nur Platanen, sondern auch Ahorn und Linde. Die feuchte Witterung begünstigt das Wachstum von Schädlingen wie dem Lacksporling. Auch andere Baumkrankheiten breiten sich aus. Platanen leiden unter Massaria, Kastanien unter Pseudomonas, so dass Rosskastanien gar nicht mehr nachgepflanzt werden.

Rosskastanien werden gar nicht mehr nachgepflanzt

Bei Grün und Gruga sind sie sich im Klaren darüber, dass sie sich mit dem Fällen nicht unbedingt Freunde machen. In Kray sorgt sich Anwohner Jürgen Kronshage um die erkrankte Platane. Seit Kindertagen schlägt der Baum hier Wurzeln, berichtet der 69-Jährige. „Ich wäre sehr beleidigt, wenn der Baum gefällt wird.“ Daran wird kein Weg vorbei gehen. Dass für jeden gefällten Straßenbaum Ersatz gepflanzt wird, mag ein Trost sein.

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