Aggressionen

Stadt-Mitarbeiter in Essen werden immer häufiger beleidigt

Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes und ein Polizist gehen in der Essener Innenstadt Streife. Respektlosigkeiten, Beleidigungen und Bedrohungen gehören immer häufiger zu ihrem Berufsalltag.

Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes und ein Polizist gehen in der Essener Innenstadt Streife. Respektlosigkeiten, Beleidigungen und Bedrohungen gehören immer häufiger zu ihrem Berufsalltag.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Respektlosigkeiten, Bedrohungen und Beleidigungen gegenüber Mitarbeitern des Essener Rathauses haben zugenommen. Nicht alle erstatten Anzeige.

Respektlosigkeiten, Bedrohungen und Beleidigungen gegenüber Beamten und Angestellten der Essener Stadtverwaltung haben deutlich zugenommen. Das berichtet Essens Ordnungsdezernent Christian Kromberg. Leute würden laut die Türen zuschlagen, ausrasten und Beschäftigte anbrüllen. Die Missetäter seien keinesfalls nur in den Reihen libanesisch-arabischer Großfamilien zu suchen. „Es ist ein gesellschaftliches Problem, auch Deutsche benehmen sich daneben“, fügt Kromberg hinzu.

Zielscheibe von Beleidigungen seien am häufigsten Beschäftigte von Ordnungsamt, Ausländerbehörde, Jobcenter und Straßenverkehrsamt. Es sei in einem Fall vorgekommen, dass einem Beamter ein Schlag ins Gesicht verpasst und in einem anderen die Heckscheibe eines Dienstfahrzeugs eingeschlagen wurde. Insgesamt spiele körperliche Gewalt in diesem Zusammenhang jedoch eine eher untergeordnete Rolle.

Die Verwaltung reagiere auf Bedrohungen und Einschüchterungen zunehmend mit Hausverboten und Strafanzeigen, die von der Staatsanwaltschaft auch geahndet würden. „Das ist ein deutliches Signal an die Mitarbeiter, dass wir sie nicht im Stich lassen“, betont Kromberg. Der Mut derer, die Anzeige erstatteten, sei hoch.

Essener Ordnungsdezernent registriert auch einen gewissen Gewöhnungseffekt

Allerdings beobachtet der Ordnungsdezernent auch, dass sich ein gewisser Gewöhnungseffekt einschleiche. „Viele Mitarbeiter schlucken das runter, es wird längst nicht alles gemeldet.“ Der Grund sei naheliegend. Oft würden städtische Mitarbeiter im selben Quartier leben wie jene, mit denen sie im Dienst aneinandergerieten. Um eventuellen Reibereien nach Feierabend aus dem Weg zu gehen, seien viele zurückhaltend. In vertraulichen Gespräch hätten ihm Mitarbeiter gesagt, dass sie zwar keine Angst hätten, aber eben auch keine Lust beim Einkaufen angepöbelt zu werden. „Die Dunkelziffer dürfte groß sein, diese Realitäten muss ich zur Kenntnis nehmen“, schätzt Kromberg.

Die Ermittlungsgruppe Clan-Kriminalität der Essener Polizei hat mehrere Fälle registriert, in denen mutmaßliche Mitglieder libanesisch-arabischer Clans Polizisten und anderen Staatsbedienstete eingeschüchtert haben. Mehrere Beamte der Essener Polizei hatten kürzlich über ihren Arbeitsalltag berichtet. Beleidigungen, Bedrohungen und Widerstand durch Angehörige solcher Großfamilien, so gab ein erfahrener Polizist der Essener Innenstadt-Wache zu Protokoll, seien mittlerweile an der Tagesordnung.

Polizisten werden direkt bedroht: „Ich kenne dich, ich mach’ dich fertig“

Bei Kontrollen, etwa bei illegalen Autorennen, schallten den Beamten aus den PS-starken Karossen Sätze wie „Wir sind fünf“ oder „Ich kenne dich, ich mach’ dich fertig“ entgegen. Neuerdings träten selbst junge Clan-Frauen immer häufiger aggressiv gegenüber Polizeibeamten auf.

Das Amtsgericht Essen hat im Frühjahr das Mitglied eines arabischen Familienclans zur Zahlung einer Geldstrafe wegen Nötigung verurteilt. Der Mann hatte eine Essener Polizistin auf dem Nachhauseweg von der Arbeit mit seinem Pkw verfolgt und sie durch dichtes Auffahren bedrängt – für das Amtsgericht ein klarer Einschüchterungsversuch.

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