Salafismus

Schonnebecker Moschee wirbt mit Salafisten als "Überraschung"

Das Internet ist voll mit Video-Botschaften des umstrittenen Salafisten und Konvertiten Marcel Krass. Die Schonnebecker Moschee, die ihn eingeladen hat, gilt als Treffpunkt religiöser Eiferer.

Das Internet ist voll mit Video-Botschaften des umstrittenen Salafisten und Konvertiten Marcel Krass. Die Schonnebecker Moschee, die ihn eingeladen hat, gilt als Treffpunkt religiöser Eiferer.

Foto: Klaus Micke

Essen.   Die Schonnebecker Islam-Gemeinde hat den Konvertiten Marcel Krass als „Überraschung“ angekündigt. Als Berufsschullehrer wurde er 2012 gefeuert.

Der Schonnebecker Vidam-Moschee, die sich neuerdings „Moschee Cordoba“ nennt, eilt ein zweifelhafter Ruf voraus. Ihr Imam Yalcin Icyer gilt in Sicherheitskreisen als Anhänger des Kölner Kalifen Metin Kaplan. Außerdem sagen sie ihm gute Kontakte zur Dschihadisten-Szene nach. Kürzlich sorgte die Moschee erneut für Aufsehen. „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“ wurde im sozialen Netzwerk mehrfach und als „Überraschung“ der Vortrag des Salafistenpredigers Marcel Krass am 28. Juli um 18 Uhr angekündigt.

Der deutsche Konvertit ist Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik und fanatischer Islamist. Bilder zeigen ihn zusammen mit den bekanntesten deutschen Salafistenpredigern Pierre Vogel und Sven Lau. Letzterer ist kürzlich vom Landgericht Düsseldorf wegen Unterstützung der Terrormiliz IS zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Im Visier des Verfassungsschutzes

Sicherheitskreise haben Krass schon seit bald 20 Jahren im Visier. Nach einem Bericht der Rheinischen Post von 2012 hatten Ermittler im Nachlass von Ziad Jarrah, einem der drei Todespiloten vom 11. September 2001 in New York, die Telefonnummer des deutschen Konvertiten gefunden.

Als Krass’ enge Verbindungen zur Salafistenszene später bekannt wurden, verlor er prompt seine Anstellung als Berufsschullehrer am Bertolt-Brecht-Berufskolleg in Duisburg. Die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf hat den Lehrer 2012 fristlos gekündigt.

Während Pierre Vogel, der Popstar der Salafistenszene, eher ein schlichter gestricktes Publikum anspricht, versucht der Akademiker Krass gebildetere Kreise für seine Sache zu gewinnen. Was sich in Wirklichkeit hinter Krass’ Kampagne-Netzwerk „Jesus im Islam“ verbirgt, enthüllte der Bayerische Verfassungsschutzbericht 2015 jedoch in schonungsloser Offenheit: „Bei ‘Jesus im Islam’ handelt es sich um ein salafistisches Missionierungsprojekt des Predigers Marcel Krass mit Schwerpunkt im Raum Duisburg. Über den Anknüpfungspunkt ‘Jesus’ sollen vor allem Christen zur Kontaktaufnahme verleitet werden.“

Moschee Cordoba gehört dem Dachverband nicht an

Umso bemerkenswerter ist, dass die Moschee Cordoba (Auf der Reihe 6) und die ihr angeschlossene „Islamische Jugend Essen“ ungeniert und völlig widerspruchslos für den Auftritt des Salafisten Marcel Krass warb.

Muhammat Balaban, Vorsitzender der Kommission Islam und Moscheen in Essen (KIM-E), distanziert sich von der Moschee Cordoba – ähnlich wie im Fall der obskuren Assalam-Moschee im Elting-Viertel – auf bekannt zurückhaltende Weise. „Ich kenne dort niemanden und war nie dort“, sagt Balaban dieser Zeitung.

Wie so viele Moschee-Gemeinden in dieser Stadt gehört auch die fundamentalistische und von Türken dominierte Schonnebecker Moschee dem eher gemäßigten Dachverband KIM-E gar nicht an.

Azzadine Karioh, Essener Rechtsanwalt und Muslim, sagt über die Salafistenszene im Allgemeinen: „Das sind Typen, die für den Rechtsstaat nicht viel übrig haben. Der Angriff auf den Rechtsstaat beginnt aber nicht erst mit Gewalt. Der beginnt, wenn Extremisten wie die Salafisten versuchen, Gegenwelten aufzubauen.“

Die Moschee Cordoba sah sich am Dienstag nicht in der Lage, zur Causa Marcel Krass Stellung zu nehmen.

>>>MOSCHEE TRÄGT NUN DEN NAMEN CORDOBA

Mit dem neuen Namen will die Schonnebecker Moschee an die von Abd ar-Rahman I. im Jahre 785 gegründete andalusische Stadt Cordoba erinnern, in der damals eine der bedeutendsten Moscheen der islamischen Welt errichtet wurde. Längst ist sie Kathedrale der katholischen Kirche.

Hinter dem Namen Cordoba steht also der Anspruch, das Gotteshaus zusätzlich wieder als Moschee einzustufen. Auf der Moschee-Webseite heißt es daher vollmundig: „Die Sicherheit aller Gebetshäuser und Zivilisationen war und ist die Aufgabe von uns Muslimen.“

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