Straßenbau

Schaulustige verfolgen spektakulären Brückenschlag

Auf Rollen wurde die Stahlbrücke in Position gebracht.   

Auf Rollen wurde die Stahlbrücke in Position gebracht.  

Foto: Peter Wieler

Essen.   In Essen-Frillendorf brachten gewaltige Kräne eine Stahlbrücke über die DB-Strecke in Position. Das nächtliche Schauspiel war eine Attraktion.

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Wer zieht schon freiwillig in einer frostigen Nacht die nackte Straße der warmen Bettdecke vor? Nun, rund 100 Schaulustige machten sich am späten Dienstagabend auf den Weg zur Nünningstraße in Frillendorf, wo ihnen etwas geboten wurde, was es nicht alle Tage zu sehen gibt. Wer sich leidenschaftlich für Technik interessiert, kam auf seine Kosten. Alle anderen auch.

Scheinwerfer machten die Nacht zu beiden Seiten der DB-Gleise zum Tage: eine Szenerie wie für einen Filmdreh, in der drei mächtige Kranwagen im wahrsten Sinne des Wortes die tragende Rolle spielten. Der Hauptdarsteller: Ein Koloss aus Stahl, fast 50 Meter lang, 9,5 Meter hoch und mehrere hundert Tonnen schwer. Es sind die Ausmaße der Nünningbrücke. Flatschneu und dennoch ein Klassiker, unschwer zu erkennen an ihren wohlgeformten Bögen.

Es ist Präzisionsarbeit im Zeitlupentempo

Etwas abseits gelegen von ihrem Bestimmungsort, wartete sie in der Nacht zu Mittwoch auf ihren großen Auftritt. An Ort und Stelle war die Ganzstahlkonstruktion südlich der Gleise an der Straße Am Schacht Hubert zusammengesetzt worden. Nun wird sie auf Rollen Zentimeter für Zentimeter bewegt, bevor die drei Kräne, auch sie eine imposante Erscheinung, das Schwergewicht in Position hieven.

Es ist Präzisionsarbeit für Genießer. Aktion in Zeitlupentempo. Nur ruft, anders als beim Film, niemand „Klappe“ und alles beginnt von vorne. Jeder Handgriff muss sitzen.

Die Brücke zwischen der Nünningstraße nördlich der Gleise und der Hubertstraße südlich davon ist Teil der innerstädtischen Erschließungsstraße zur neuen Autobahnanschlussstelle „Frillendorf Nord“ an der A 40. Rund 27 Millionen Euro investieren Stadt und Land in das Projekt. Für die Stadt Essen ist es das größte Straßenbauvorhaben seit dem Bau des Berthold-Beitz-Boulevards.

Das Bauwerk kostet 3,2 Millionen Euro

Die Gewerbegebiete Ernestine, Hubert und Katherine sollen so besser an die Autobahn angebunden werden. Die Stahlbogenbrücke an der Nünningstraße, wo bislang nur eine Fußgängerbrücke über die Bahnstrecke führt, auf denen in dieser Nacht kein Zug rollt, ist dafür ein unverzichtbares Scharnier. 3,2 Millionen Euro hat allein das Bauwerk gekostet. Mit rund drei Millionen hatte die Stadt kalkuliert.

Die Schau beginnt um Mitternacht. Viereinhalb Stunden später ist es vollbracht. „Es ist super gelaufen“, jubelt Hubertus Möllers am folgenden Tag, im Amt für Straßen und Verkehr zuständig für Brückenbauten.

In den kommenden Wochen wird die Nünningbrücke fertiggestellt, Geländer werden angebracht, Asphalt aufgetragen. Bis die ersten Autos drüber rollen, werden noch Monate vergehen. Vor Jahresende 2018 wird der neue Autobahnanschluss nicht fertig sein. Die Hubertstraße, die für das Brückenspektakel gesperrt worden war, wird laut Möllers Ende der Woche wieder freigegeben.

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