Wandern

Rundwanderweg am Essener Baldeneysee geht an den Start

Der Baldeneysteig führt hoch über dem See zu schönen Aussichtspunkten, wie hier am Rand des Heissiwalds.

Der Baldeneysteig führt hoch über dem See zu schönen Aussichtspunkten, wie hier am Rand des Heissiwalds.

Foto: Jochen Tack

Essen.  27 Kilometer langer Wanderweg rund um den Baldeneysee geht an den Start. Welche Naturerlebnisse es gibt und wo Wanderer den besten Blick haben.

Es hat länger gedauert als zunächst gedacht, aber rechtzeitig für die Wandersaison im Herbst ist es dann doch gelungen: Der neue Baldeneysteig, ein zusammenhängender Höhenweg rund um den Baldeneysee, wird am kommenden Samstag offiziell eingeweiht und soll bis dahin auch fertig markiert sein.

Ursprünglich eine Idee dieser Redaktion, erkannten die Mitarbeiter des Grüne-Hauptstadt-Büros erfreulich rasch das Potenzial, das sich auf zwei Ebenen bewegt: Erstens als Angebot für die Essener Bürger, von denen viele gerne wandern und die Landschaft um den See lieben – es gab viele begeisterte Stimmen zu dem Projekt. Zweitens passt der Baldeneysteig mit immerhin 27 Kilometern Länge gut in das Hauptstadt-Jahr und kann für Essens Image nur nützlich sein. Dass eine Stadt im Ruhrgebiet selbst ambitionierten Wanderern eine fordernde Ein- bis Zweitagestour auf teils eindrucksvollen und aussichtsreichen Wegen bieten kann, dürfte auch in Fachkreisen noch weitgehend unbekannt sein.

Uferweg am Baldeneysee sollte bei der Streckenführung gemieden werden

Zwar gab es immer schon schöne Wege rund um den Baldeneysee. Sie waren aber nicht immer leicht zu entdecken und nur mit Findigkeit und Kartenstudium sinnvoll für eine große Runde zu kombinieren. „Ohne eine gute Beschilderung, braucht man mit einem Baldeneysteig gar nicht erst anzufangen“, riet der Natursoziologe und „Wanderpapst“ Rainer Brämer vor einem Jahr in dieser Zeitung. Wanderer wollen nicht an jedem zweiten Abzweig rätseln, wo es denn wohl langgehen mag.

Brämer, der unter anderem den Wander-Trendsetter „Rothaarsteig“ im Sauerland mitkonzipierte, nannte eine wichtige weitere Bedingung: Der Uferweg sollte für die Streckenführung so weit wie möglich gemieden werden, denn Asphalt, Massenrummel und wenig topografische Abwechslung sind für Wanderer klare Minus-Faktoren.

Naturnahe Abschnitte in die Wanderroute eingebaut

Die Grüne Hauptstadt nahm sich all das zu Herzen, entwickelte ein einprägsames, durchgehendes Logo, so dass niemand Sorge haben muss, sich zu verlaufen. Und wo immer möglich wurde versucht, naturnahe Abschnitte in den Steig einzubauen. „Wir haben bis zuletzt an der Route gearbeitet, etwa im Heissiwald überwucherte Pfade freigeschnitten“, sagt Grüne-Hauptstadt-Chef Ralph Kindel. Trotz des Engagements vieler Beteiligter ist der Steig mit einem Budget von gerade mal 50 000 Euro gemessen an seiner Größe und potenziellen Breitenwirkung eine preiswerte Sache geblieben.

Für Abwechslung sorgt die Landschaft selbst. Während nördlich des Sees in Bredeney und Heisingen steile Wälder, schmale Wege und Aussichten dominieren, wird die Südseite von weiten Feldern und Spuren der Bergbaugeschichte geprägt. Hin und wieder wandert man an Häusern und Siedlungen vorbei, insgesamt aber ist die Strecke für einen Ballungsraum erstaunlich naturnah.

Ähnlich wie die Badestelle am Baldeneysee ist der Steig keine Eintagsfliege für das Hauptstadt-Jahr, sondern kann bei Pflege und Weiterentwicklung nachhaltigen Nutzen stiften. Kindel träumt bereits davon, den Weg an der nördlichen Ruhrseite Richtung Kettwig zu verlängern. Eine reizvolle Perspektive.

Baldeneysteig: Ein Jahr von der Idee bis zur Realisierung

Von der Baldeneysteig-Idee bis zur endgültigen Realisierung verging nicht ganz ein Jahr. Das klingt nach viel Zeit, war tatsächlich aber äußerst knapp und eine wirkliche Energieleistung. „Bei einem solchen Projekt müssen Sie sehr viele Institutionen beteiligen“, sagt Ralph Kindel, Leiter des Grüne-Hauptstadt-Büros. Das dauert.

So galt es, die Interessen des Naturschutzes und der Forstbehörden zu berücksichtigen, ferner mussten rund 30 private Grundeigentümer Gelegenheit haben, Bedenken zu äußern; auf Anhieb begeistert waren nicht alle. Auch der Sauerländische Gebirgsverein (SGV) musste mit ins Boot, denn er besitzt das exklusive Recht, Wege zu markieren.

Tipp für die Wanderung: Weg durch den Haldenwald wählen

Das Projekt fand dort aber rasch Anklang und Unterstützung. Das NRW-Umweltministerium musste das markante Sonderzeichen genehmigen, was viel Zeit in Anspruch nahm. Schließlich waren auch juristische Feinheiten zu beachten. So ist es Fußgängern streng genommen nicht erlaubt, Reitwege zu benutzen. Viele machen es dennoch, die Stadt darf einen solchen Weg aber selbstredend nicht offiziell für Wanderer markieren.

Da der Neubau auch nur eines einzigen Wege-Meters wegen des dann nötigen Genehmigungsverfahrens zu viel Zeit gekostet hätte, kombiniert der Steig zu 100 Prozent vorhandene Wege. Das zwang zu schmerzlichen Kompromissen: An einigen Stellen musste statt der besten die am leichtesten realisierbare Route gewählt werden. Einmal half ein Trick: Um die alte Halde Pörtingsiepen in Fischlaken begehen zu können, wurde dieser Abschnitt als „nur für Geübte“ ausgewiesen, während der Normalweg dem Seeufer folgt. „Jeder Wanderer läuft hier auf eigene Gefahr“, so Kindel. Grund: Am Ende der Halde, die dem Regionalverband Ruhr gehört, gibt es einen steilen Abstieg, der mit einem einfachen Seil gesichert wird. Eigentlich war geplant, Stufen zu bauen, was sich aber als zu kompliziert erwies.

Ein Tipp: Jeder halbwegs Trittsichere sollte den Weg über die Halde wählen. So wild ist es nicht, und der verwunschene Haldenwald ist sehr sehenswert.

Alle wichtigen Informationen zum Rundwanderweg um den Baldeneysee

  • Gastronomie

Direkt am Baldeneysteig und in seiner unmittelbaren Nähe gibt es zahlreiche Einkehrmöglichkeiten, und zwar sowohl auf den Höhen als auch dort, wo der Steig am Ufer entlang führt. Auf der Nordseite berührt der Steig etwa die Traditionshäuser Jagdhaus Schellenberg, Schwarze Lene, Heimliche Liebe oder Villa Vue. Auch im Süden gibt es viele Einkehrmöglichkeiten, etwa am Haus Scheppen oder rund um die Kampmannbrücke in Kupferdreh.

  • Klusenkapelle

Die Klusenkapelle wurde vor 1300 errichtet, man vermutet auf Betreiben einer Lepra-Kranken, die in der Waldabgeschiedenheit ihr Dasein fristete. Viel später kam ein Fachwerkhaus dazu, das heute eine Gastronomie beherbergt.

  • Hespertalbahn

Die Museumsbahnstrecke verbindet den Bahnhof Kupferdreh mit der früheren Zeche Pörtingsiepen. Die einige Kilometer lange Trasse führt nah am Baldeneysee entlang.

  • Villa Hügel

Der frühere Wohnsitz der Familie Krupp ist umgeben von einem großen Park. Beides ist im Eigentum der Krupp-Stiftung und gegen Eintritt für jedermann zugänglich.

  • „Seitenblick“ Werden

Direkt vom Baldeneysteig aus erschließt der „Seitenblick“ nach Werden einen rund einstündigen, markierten Spaziergang durch den geschichtsträchtigen Essener Stadtteil. Werden hat eine schöne Altstadt und bedeutende Baudenkmäler. Die ehemalige Abteikirche St. Ludgerus wurde um 799 zusammen mit dem Kloster Werden erbaut, im Hochmittelalter zählte Werden zu den wichtigsten Klöstern der Christenheit. Heute ist die St. Ludgerus Pfarrkirche im Rang einer Basilika, die barocken Klostergebäude beherbergen die Folkwang Universität für Musik, Theater und Tanz. Auch dieser Einrichtung verdankt Werden sein besonderes Flair. Die Lucius-Kirche wurde ab 995 erbaut und gilt als älteste Pfarrkirche nördlich der Alpen.

  • „Seitenblick“ Korte-Klippe

Unter den vielen Aussichtspunkten am Baldeneysee und im Verlauf des Steigs gilt die Korte-Klippe vielen als der schönste. Sie liegt nah am Jagdhaus Schellenberg und ist nach dem früheren Essener Gartenbaudirektor Rudolf Korte benannt, der sich unter anderem als Leiter des Botanischen Gartens, dem Vorläufer des Grugaparks, Verdienste erwarb. Von der Korte-Klippe lässt sich der Baldeneysee in seiner gesamten Ausdehnung überblicken.

  • Ruine Neu-Isenburg

Graf Dietrich von Altena-Isenberg errichtete um 1240 an strategisch günstiger Stelle hoch über der Ruhr eine Burg, die zwecks Unterscheidung zur älteren Hattinger Isenburg als Neu-Isenburg in die Geschichte einging. Ein langes Leben war der stolzen Festung nicht beschieden, schon 48 Jahre nach ihrem Bau wurde die Neu-Isenburg im Zuge einer Fehde zerstört. Das Ruhrlandmuseum beförderte bei einer Grabung ab 1927 die bis heute sichtbaren Ruinen-Reste zutage.

  • Vogelschutzgebiet Heisingen

Beim Anlegen des Baldeneysees Ende der 1920er Jahre entstand das Vogelschutzgebiet an der Südspitze der Heisinger Halbinsel. Die Fläche mit Auwaldresten ist Heimat seltener Vogelarten und hat Bedeutung als Rastplatz für Zugvögel.

  • Siedlung Brandenbusch

Unter den vielen Krupp-Siedlungen nimmt der Brandenbusch eine Sonderstellung ein. In schöner Lage oberhalb des Hügelparks lebten hier die Angestellten der Villa Hügel ganz in der Nähe ihres Arbeitsplatzes, wo sie als Diener oder Gärtner, Köchin oder Waschfrau Dienst taten. Erbaut wurde die Siedlung in einem für Krupp sehr typischen Cottage-Stil. Kennzeichen ist sichtbares Fachwerk und das malerische Gesamtbild einer kleinen Gartenstadt.

  • Stauwehr Werden

Das Stauwehr in Werden macht aus der Ruhr erst den Baldeneysee, zwei Turbinen produzieren hier Strom. Das Wehr dient dem Baldeneysteig als Übergang von einer Seeseite zur anderen. Dieselbe Funktion hat die Kampmann-Eisenbahnbrücke, der östliche Brückenkopf des Steigs.

  • Bauerschaft Alt-Fischlaken

Nur noch wenige Vollerwerbslandwirte gibt es in Essen, einige davon in Alt-Fischlaken. Es bietet sich das Bild einer uralten Höfe-Gruppe, deren Gebäude heute teils als Reitställe genutzt werden.

  • Denkmäler Zeche Carl Funke

Das Fördergerüst Carl Funke I gehört zu den wenigen baulichen Relikten der Zeche, die bis 1973 in Betrieb war. Es ist das auffälligste Monument der Industriegeschichte im Essener Ruhrtal. Sehenswert ist auch die alte Bergarbeitersiedlung Carl Funke in unmittelbarer Nähe.

  • Wildgatter Heissiwald

Unterhalten von einem Förderverein, leben in dem eingezäunten Wildgatter im Heissiwald Rotwild und Wildschweine frei in einem sechs Hektar großen Gelände.

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