Übergriff in Kettwig

Rätselraten nach Morddrohung gegen SPD-Kommunalpolitiker

Johannes Busley stellte sich im Februar 2018 im Interview mit der WAZ-Stadtteilredaktion in Essen-Kettwig als neuer SPD-Ortsvereinsvorsitzender vor.

Johannes Busley stellte sich im Februar 2018 im Interview mit der WAZ-Stadtteilredaktion in Essen-Kettwig als neuer SPD-Ortsvereinsvorsitzender vor.

Foto: Christof Köpsel

Essen.   Wer steckt hinter dem Übergriff auf den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Johannes Busley? „Essen stellt sich quer“ vermutet einen rechten Hintergrund.

Erst am vergangenen Donnerstag, beim Neujahrsempfang der SPD-Kettwig, hatte Ortsvereinsvorsitzender Johannes Busley bekannt gegeben, dass er bei der Kommunalwahl 2020 für den Stadtrat kandidieren will. Keine vier Tage danach ist diese Ankündigung bereits Makulatur. Dazwischen liegt ein Vorfall, der sprachlos macht: Wie der Kettwiger SPD-Vorstand gestern mitteilte, war Busley in der Nacht von Freitag auf Samstag an der Haustür seines Hauses von einem Unbekannten „verbal mit dem Leben bedroht“ worden – „mit Hinweis auf seine Kandidatur für den Rat der Stadt“. Der Vorstand habe daraufhin gemeinsam mit Busley entschieden, dass die Kandidatur für diese ehrenamtliche Aufgabe es nicht Wert sein könne, das eigene Leben und das der Familie einer Gefahr auszusetzen. Daher ziehe Busley seine Kandidatur zurück.

Kriminalpolizei und Staatsschutz ermitteln

Gegenüber der Redaktion wollte sich der 30-Jährige nicht weiter dazu äußern, was sich da genau vor seinem Haus abgespielt hat. Der Ortsvereinsvorstand ließ auf Nachfrage wissen, über die Mitteilung an die Presse hinaus kommentiere man den Vorfall nicht. Die Polizei bestätigte lediglich einen Einsatz in besagter Nacht um 1.05 Uhr. Kripo und Staatsschutz sollen ermitteln. Letzteres wäre insofern Routine, da es sich bei Busley um einen Politiker handelt und politische Motive nicht auszuschließen sind. Eben solche soll der unbekannte Täter mit Hinweis auf Busleys Kandidatur für den Stadtrat geäußert haben.

Ein Lokalpolitiker wird auf offener Straße mit dem Tode bedroht, weil er sich um ein öffentliches Mandat bewerben will. Im sonst so beschaulichen Kettwig klingt das nach einer Räuberpistole. Aber nicht nur die Polizei nimmt den Fall ernst. Essens SPD-Vorsitzender Thomas Kutschaty sprach in einer ersten Reaktion von einem „Angriff auf die Demokratie“ – auch wenn die Hintergründe noch völlig im Dunkeln liegen.

Johannes Busley, verheiratet, Vater eines Sohnes und Verleger von Sportliteratur, hat den Vorsitz des Ortsvereins Kettwig erst Anfang 2018 übernommen. Das Ehrenamt, so ist zu hören, übe er mit Engagement aus. Gleichwohl sei seine Kandidatur für den Rat der Stadt mit Überraschung aufgenommen worden. Beim Neujahrsempfang gab es freundlichen Applaus, im sozialen Netzwerk, auf Facebook, sind auch kritische Stimmen zu lesen. Nach dem Motto: Johannes Busley, wer ist das überhaupt?

Der innerparteiliche Wettkampf „fällt leider aus“

Erwartet worden war hingegen, dass Daniel Behmenburg seinen Hut in den Ring werfen würde. Der Sprecher der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung IX für Werden, Kettwig, Bredeney ist gebürtiger Kettwiger, wohnt dort und ist im Stadtteil quasi omnipräsent. Auch er war nach eigenen Worten auf dem Neujahrsempfang von Busleys Kandidatur überrascht worden. Tags drauf schob Behmenburg seine eigene in Form eines Briefes an den Ortsvereinsvorstand hinterher – und stellte sich, wie er sagt, auf einen „parteiinternen Wettkampf ein, der nun leider ausfällt“. Johannes Busley habe ihn gestern telefonisch über die Gründe informiert. Behmenburg zeigte sich schockiert, wohl wissend, dass er in den Augen misstrauischer Zeitgenossen als Profiteur dieser unappetitlichen Geschichte dastehen könnte.

Noch hat diesen Gedanken niemand ausgesprochen. Spekuliert wird in Kettwig derweil darüber, ob Busley sich am politisch rechten Rand unbeliebt gemacht haben könnte, weil er sich gegen Rechts positioniert habe. Im Gespräch mit der WAZ kurz nach seinem Amtsantritt nannte er Integration als einen Schwerpunkt seiner Arbeit. Einen Referenten von „Essen stellt sich quer“, dem Bündnis gegen Rechts, wolle er einladen. Dieses nahm gestern Stellung zu dem Übergriff auf den Lokalpolitiker und befürchtet einen rechten Hintergrund der Tat. Der Vorfall reihe sich ein in eine Folge von Ereignissen der vergangenen Monate. Zu nennen seien der Überfall auf einen Politiker der Linken in Borbeck und regelmäßige Einschüchterungsversuche gegen zivilgesellschaftlich engagierte Bürger in Steele.

Wer auch immer hinter der Attacke auf Busley steckt: Sein Ziel hat der Täter erreicht.

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