Umweltverbrechen

Quecksilber illegal entsorgt – Haftstrafe für Unternehmer

Richter Jörg Schmitt, Vorsitzender der XV. Wirtschaftsstrafkammer, sprach im Urteil von Delikten “schwerster Umweltkriminalität”.

Foto: Ulrcih von Born

Richter Jörg Schmitt, Vorsitzender der XV. Wirtschaftsstrafkammer, sprach im Urteil von Delikten “schwerster Umweltkriminalität”. Foto: Ulrcih von Born

Essen.  Zwei Essener haben illegal Quecksilber entsorgt. Sie müssen mehrere Jahre ins Gefängnis. Der Richter spricht von “schwerster Umweltkriminalität”.

Die illegale Entsorgung von Quecksilber bringt zwei angesehene Unternehmer laut Urteil des Essener Landgerichtes für mehrere Jahre ins Gefängnis. Jörg Schmitt, Vorsitzender der XV. Wirtschaftsstrafkammer, sprach im Urteil von Delikten “schwerster Umweltkriminalität”.

Der 57 Jahre alte Christian B. aus dem vornehmen Essener Stadtteil Bredeney soll für drei Jahre und neun Monate in Haft, sein ehemaliger Mitgeschäftsführer Jost K. (52) aus dem westfälischen Löhne für drei Jahre und sechs Monate. Das Gericht bescheinigte beiden “eine kriminelle Energie, die erheblich ist”.

Illegale Geschäft mit dem giftigen Metall hatte satte Gewinne beschert

Das illegale Geschäft mit dem giftigen Metall hatte den beiden Managern zwischen 2011 und 2014 satte Gewinne beschert. Bei Christian B. errechneten die Richter einen Erlös von rund 11,5 Millionen Euro, bei Jost K. von rund 10,5 Millionen Euro. Der Bredeneyer B. hatte das Geld vor allem in Immobilien auf Sylt angelegt, sein Mitangeklagter hatte dagegen versucht, damit kränkelnde Firmen aus dem Familienbesitz zu retten.

Quecksilber darf seit einigen Jahren nicht mehr gehandelt werden, es muss zwingend auf Deponien entsorgt werden. Dafür sollte die Firma der Angeklagten sorgen: die 1989 in Essen-Karnap gegründete “Dela” mit Sitz in Essen, Dorsten und Bad Oeynhausen. Sie sammelte das Metall bei Firmen ein, laut Urteil insgesamt 887 Tonnen, für deren Entsorgung die Firmen 1,7 Millionen Euro an die “Dela” zahlen mussten.

Quecksilber über Umwege nach Asien verkauft

Statt das Quecksilber offiziell und kostenpflichtig zu entsorgen, verkauften die Angeklagten den Stoff aber über die Schweiz, Niederlande und Griechenland in den asiatischen Raum. Auf der Deponie in Deutschland gaben sie dagegen Behälter mit Glassplittern und roter Sportplatzasche ab, um so die Entsorgung bescheinigt zu bekommen.

Richter Schmitt sprach in der Urteilsbegründung von “einer Vielzahl an Manipulationen” bis hin zur Komplettfälschung des Betriebsbuches der Firma “Dela”. Die Angeklagten hätten auch Mitarbeiter in ihre Machenschaften verwickelt.

Angeklagten entstammen laut Richter “recht wohlhabenden Kaufmannsfamilien”

Es sei ein “ganz außergewöhnliches Strafverfahren” gewesen, betonte Schmitt, weil das Gericht in der Umweltkriminalität mit Quecksilber Neuland betreten habe. Insgesamt hatte die Kammer 30 Tage lang verhandelt.

Beide Angeklagten entstammen laut Schmitt “recht wohlhabenden Kaufmannsfamilien”. Im Frühjahr 2014 brach die Fassade der beiden Geschäftsführer zusammen, als sie für rund drei Wochen in Untersuchungshaft kamen. Sie erlangten ihre Freiheit zurück, nachdem sie Geständnisse abgelegt hatten. Schmitt lobte das “außergewöhnliche Nachtatverhalten” mit Schadenswiedergutmachung und Aufklärungshilfe.

“Jetzt lebt er in einer kleinen Wohnung, er hat letztlich alles verloren”

Am Beispiel des Bredeneyers Christian B. machte er deutlich, wie tief der Manager gefallen sei. Er habe seinen Immobilienbesitz in Bredeney und auf Sylt verkauft: “Jetzt lebt er in einer kleinen Wohnung, er hat letztlich alles verloren.”

Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre und neun Monate Haft gefordert. Das sei auch durchaus vertretbar, sagte Richter Schmitt. Die Kammer habe aber das Verhalten nach der Tat mit einer Strafmilderung deutlich honorieren wollen.

Bewährungsstrafe kam für Kammer nicht in Frage

Eine Bewährungsstrafe, wie Verteidiger Wolfgang Küpper-Fahrenberg sie beantragt hatte, sei für die Kammer nicht denkbar gewesen. Das Urteil lasse den Angeklagten aber eine Perspektive, glaubt Richter Schmitt. So können sie auf offenen Vollzug und Entlassung nach der Hälfte der Strafe hoffen.

Wolfgang Küpper-Fahrenberg kündigte für seinen Mandanten Revision an. Jost K. will sich dagegen erst noch mit seinem Verteidiger Hans-Joachim Regul beraten, ob sie die Strafe akzeptieren wollen.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik