Jugendkriminalität

Polizei Essen zählt weniger junge Kriminelle auf den Straßen

Jugendliche Intensivtäter machen den Essener Behörden jede Menge Arbeit. 104 von ihnen wurden im vergangenen Jahr im „Haus des Jugendrechts“ an der Alfredstraße betreut.

Jugendliche Intensivtäter machen den Essener Behörden jede Menge Arbeit. 104 von ihnen wurden im vergangenen Jahr im „Haus des Jugendrechts“ an der Alfredstraße betreut.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Essen.  Zahl tatverdächtiger Kinder und Jugendlicher ging um fast zehn Prozent zurück. Was auch ein Verdienst der Arbeit im Haus des Jugendrechts ist.

Wer die nachwachsenden Intensivtäter einer Stadt in den Griff bekommt, reduziert die Straßenkriminalität merklich und sorgt für ein entspannteres Sicherheitsgefühl. Denn die rund hundertköpfige Schar, die Jahr für Jahr bis zu einem Alter von in der Regel 21 Jahren unter besonderer behördlicher Betreuung steht, begeht etwa 70 bis 80 Prozent aller Straftaten in ihrer Altersgruppe in Essen. Dass die Zahlen der tatverdächtigen Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden zuletzt um fast zehn Prozent zurückgingen und damit deren Diebstähle, Raubüberfälle und Körperverletzungen, ist auch ein Verdienst der Anstrengungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Stadt im „Haus des Jugendrechts“. Die im März 2018 gegründete Einrichtung an der Alfredstraße zieht jetzt erstmals Bilanz.

Ihr bislang wohl größter Erfolg: 19 der dort zum Ende des Jahres betreuten 71 Intensivtäter blieben straffrei. Ob sie allerdings dauerhaft von der schiefen Bahn geholt werden konnten, wird sich noch zeigen müssen, heißt es. Insgesamt wurden 41 junge Menschen in das Programm aufgenommen und 33 entlassen, eben weil sie keine krummen Sachen mehr drehten, den Wohnort wechselten oder aber auch für längere Zeit in Haft wanderten, wie es für fünf Unbelehrbare bereits der Fall war.

Ermittlungsverfahren durch kurze Wege deutlich beschleunigen

„Die Jugendlichen merken, dass die Strafe auf dem Fuße folgt“, ist Polizeipräsident Frank Richter überzeugt, der maßgeblich dafür verantwortlich zeichnet, dass das Haus des Jugendrechts in Essen etabliert werden konnte – mit dem Ziel, Ermittlungsverfahren durch kurze Wege und den schnellen Austausch zwischen drei Behörden unter einem Dach deutlich zu beschleunigen.

Für die Beteiligten ist neben dem schnellen Vollzug des Strafrechts in den schweren Fällen jedoch genauso das Ziel, den jungen Menschen, die delinquent geworden sind, möglichst passende Hilfen zu vermitteln und auch deren Familien zu unterstützen, um kriminelle Karrieren zu verhindern. Seit dem Start für das Haus des Jugendrechts „werden die jugendlichen Intensivtäter noch stärker in den Focus genommen. Der einzelne Jugendliche erfährt eine höhere Aufmerksamkeit“, heißt es in dem Bericht, mit dem sich in dieser Woche der Jugendhilfeausschuss der Stadt Essen befassen wird.

Binnen eines Jahres ging die Zahl der jungen Täter um rund zehn Prozent zurück

Rund 500 Nicht erwähnt in dem Papier sind Zahlen der Polizei, die verdeutlichen, in welchem Maße die Zahl der unter 21 Jahre alten mutmaßlichen Täter gesunken ist: Ende 2018 waren es fast 500 weniger als im Jahr zuvor, als die Essener Statistik noch 5770 Verdächtige erfasste. Darunter waren nicht nur Heranwachsende (2517) und Jugendliche (2160), sondern auch 611 Kinder. Um die Jüngsten kümmert sich die Landesinitiative „Kurve kriegen“, die ebenfalls ein wichtiger Teil der Arbeit an der Alfredstraße ist. Das Programm nimmt auffällige Acht- bis 15-Jährige in den Blick und versucht sie abzufangen, bevor sie als Intensivtäter die Straße unsicher machen. Eine Gewalttat und drei Eigentumsdelikte sind die sichere Eintrittskarte.

„Kurve kriegen“ hat binnen zwei Jahren 41 Kinder und Jugendliche erreicht. Im Schnitt sind sie kaum älter als zwölf Jahre, 85 Prozent davon sind Jungs. Bei neun Teilnehmern haben die erzieherischen Maßnahmen gefruchtet, acht brachen die Betreuung ab, die auf Freiwilligkeit und Zustimmung der Erziehungsberechtigten fußt,und drei der „Kleinkriminellen“ zeigten sich gänzlich unbelehrbar. Sie sind nun Kandidaten für das verschärfte Intensivtäterprogramm im „Haus des Jugendrechts“.

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