Filmpremiere

Papstfilm in der Lichtburg: Privataudienz mit 1200 Besuchern

Filmgespräch vor der Lichtburgbühne: Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck (li.), Pater Michael Heinz, Regisseur Wim Wenders.

Foto: Socrates Tassos

Filmgespräch vor der Lichtburgbühne: Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck (li.), Pater Michael Heinz, Regisseur Wim Wenders. Foto: Socrates Tassos

Essen.   „Ein Mann seines Wortes“ trifft auf den Herrn der Bilder: Wim Wenders präsentiert Papst-Film in der Lichtburg. Applaus von Ruhrbischof Overbeck.

Wenn ein Mann seines Wortes auf den Herrn der Bilder trifft, dann kommt am Ende ein Film heraus, der den aus Köln angereisten BAP-Sänger Wolfgang Niedecken genauso begeistert wie den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Der war am Donnerstagabend in die Lichtburg gekommen, um mit 1250 weiteren Premierengästen rauschenden Applaus zu spenden für ein Kinowerk, das es so noch nicht gegeben hat: „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“ zeigt den Papst in Großaufnahme. Mal besorgt blickend, mal schelmisch lächelnd, schaut er den Zuschauer unmittelbar an, so als wären alle im Saal an diesem Abend Teil einer großen Privataudienz.

Wenn Regisseur Wim Wenders, der ja selber mal mit dem Priesteramt geliebäugelt hat, dann aber Großmeister des deutschen Autorenfilms wurde, nach dem Abspann über die Entstehung des Films erzählt, dann klingt immer noch die Hochachtung durch, die auch ein mehrfacher Oscar-Anwärter vor so einer Aufgabe hat. „Ihr macht jetzt bitte keinen einzigen Fehler. Wir werden nichts noch mal drehen“, hat er seine Mitarbeiter vorab angewiesen. Acht Stunden Interviewzeit gab es, um die großen Themen von Umweltzerstörung bis zu sozialer Ungleichheit zu besprechen. Bei den historisch anmutenden Film-Sequenzen, die den heiligen Franz von Assisi zeigen, hat eine alte Kamera geholfen. Passend zu dem nach Armut strebenden Papst sei eben auch der Film ein Low-Budget-Projekt. „Wir hatten nur Geld für drei Kutten.“ Die Tonsuren habe man selber geschnitten. Dazu gab es freien Zugriff auf das Bildarchiv des Vatikans. Dicht geschnitten hat Wenders daraus das Bild eines gütigen, menschenfreundlichen, aber vor allem eindringlich mahnenden Kirchenoberhaupts gezeichnet, der die Anklage über Konsumwahn und Kindesmissbrauch nicht scheut wie die Nähe zu den Gläubigen in aller Welt – von den Flüchtlingen auf Lesbos bis zu den Favela-Bewohnern von Rio.

„Das Sakrale des Films ist die radikale Alltäglichkeit einiger Szenen“

„Der Papst spricht durch die Menschen von Gott“, beschreibt Bischof Franz-Josef Overbeck nach der Premiere seinen Eindruck. Und ergänzt: „Das Sakrale des Films ist die radikale Alltäglichkeit einiger Szenen.“ Overbeck sieht in einer solchen Haltung „sympathische Züge, auch für die Kirche im Ruhrbistum“. Christen sollten „durch ihr alltägliches Leben“ erkennbar sein. Den Kinobesuch kann er deshalb nur empfehlen, am besten freilich „nach dem Kirchgang“ lächelt der Ruhrbischof. Auch Adveniat-Chef Pater Michael Heinz will bei nächster Gelegenheit für den Film werben. Und zwar beim Papst persönlich. Denn der, glaubt Wenders, habe den Film vermutlich gar nicht gesehen. Franziskus, das ist eben ein Mann seines Wortes – nicht der großen Bilder.

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