Innenstadt-Streit

Essens OB lässt Kündigung für City-Marktstände vorerst ruhen

Karem Lali, der Neffe von Markthändler Said Lali, vor dem Obststand auf der Kettwiger Straße.

Karem Lali, der Neffe von Markthändler Said Lali, vor dem Obststand auf der Kettwiger Straße.

Foto: Foto: Christof Köpsel

Essen.  Nach Protesten vieler Bürger soll die EMG ein Konzept erarbeiten, solange dürfen die Händler bleiben. Obsthändler startet Unterschriftensammlung.

Die breite Kritik an der Kündigung von drei Marktständen in der Essener Innenstadt durch die Stadtverwaltung zeigt offensichtlich Wirkung. Oberbürgermeister Thomas Kufen teilte gestern anlässlich der Eröffnung der Lichtwochen mit, er habe die Essen Marketing GmbH (EMG) beauftragt, ein Konzept für den Wochenmarkt und die Marktstände vorzulegen. Ziel ist es, dabei auch eine Lösung für die Markthändler und ihre Stände zu finden, die eigentlich zum Jahresende von der Kettwiger Straße verschwinden sollen. Diese dürfen sich nun Hoffnung auf einen Verbleib machen.

OB Kufen will ein verbessertes Wochenmarktangebot für die Innenstadt

Ein attraktiver Wochenmarkt sowie unterschiedliche Marktstände gehörten zur Innenstadt, betonte Kufen. Das Innenstadtkonzept sehe deshalb nicht nur eine verbesserte Aufenthaltsqualität vor, sondern auch ein verbessertes Wochenmarktangebot, so der OB.

Sollte das Wochenmarktkonzept, welches die EMG dem zuständigen Ratsausschuss am 11. Dezember präsentieren soll, nicht auf Anhieb überzeugen, soll die bereits ausgesprochene Kündigung erst einmal aufgeschoben werden. Für diesen Fall solle es eine Übergangsregelung für die bestehenden Stände geben, „auch über das Jahresende hinaus“, betonte Kufen.

Kündigungen stehen im Zusammenhang mit Neugestaltung der Innenstadt

Die Kündigung der als unschön empfundenen Marktstände steht in Zusammenhang mit einem geplanten und zumindest auf dem Papier recht umfassenden Umbau der Essener Innenstadt, die von EMG-Chef Richard Röhrhoff voran getrieben wird. Sie sieht unter anderem vor, die oftmals als kalt und unwirtlich empfundenen Stadtplätze, mit Grün und Sitzgelegenheiten baulich zu verändern. Die Marktstände wie auch der Imbiss vor dem Baedekerhaus galten dabei als ästhetisch wenig überzeugende Überbleibsel aus früheren Zeiten.

Auch weil ungewöhnlich viele Bürger im Netzwerk Facebook Unverständnis und Wut über die Kündigung äußerten, wurde der Fall in den vergangenen Tagen zu einem Politikum. SPD-OB-Kandidat Oliver Kern warf Kufen und Röhrhoff vor, die Veränderung der Innenstadt anzugehen, ohne die Wünsche der Essener zu berücksichtigen. Dies sei zum Scheitern verurteilt.

Obsthändler möchte gerne bleiben wo er ist und kein Ladenlokal anmieten

Derweil sammelt Said Lali, Betreiber des Obststandes auf der oberen Kettwiger Straße Unterschriften für den Verbleib seines Verkaufsstandes. Der Zuspruch seiner Kunden habe ihn dazu ermuntert. Am Samstag seien bereits 350 Unterschriften zusammengekommen. Auch mit einer Online-Petition wirbt der Markthändler um Unterstützung.

Lali zeigt sich enttäuscht, dass niemand von der EMG auf ihn zugekommen sei, um mit ihm über ein attraktiveres Erscheinungsbild seines Standes zu sprechen. Anlass für die Kündigung durch die Stadt bot der Umstand, dass die Standfläche zwei Mal eigenmächtig vergrößert worden war. Nun, da viele Bürger aufgebracht seien, habe die EMG angefragt, ob er nicht Interesse an einem Ladenlokal habe. Gesprächen will sich Said Lali nicht versperren. Er betont aber: „Wir leben von der Laufkundschaft. Deshalb möchten wir mit unserem Stand bleiben, wo wir sind.“

emg-pannen in der essener innenstadt werden zum politikum

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