Personalia

Neues Führungsduo auf dem Zollverein-Gelände

Neuer Vorstand der Stiftung Zollverein: Prof. Dr. Hans-Peter Noll (derzeit Geschäftsführer RAG Montan Immobilien, li.) und Heinrich Theodor Grütter (Direktor Ruhr Museum ) führen ab Juni 2018 das Zollverein-Gelände, Noll ist Vorsitzender. Schon ab 1. Oktober treten sie in den Vorstand ein.

Foto: Knut Vahlensieck

Neuer Vorstand der Stiftung Zollverein: Prof. Dr. Hans-Peter Noll (derzeit Geschäftsführer RAG Montan Immobilien, li.) und Heinrich Theodor Grütter (Direktor Ruhr Museum ) führen ab Juni 2018 das Zollverein-Gelände, Noll ist Vorsitzender. Schon ab 1. Oktober treten sie in den Vorstand ein. Foto: Knut Vahlensieck

Essen.  Hans-Peter Noll, Chef der RAG Montan Immobilien, und Ruhrmuseums-Chef Theo Grütter bilden ab Juni 2018 den Vorstand. Es gibt einige Erwartungen.

Das neue Führungsduo der Stiftung Zollverein hat einen klaren Auftrag: Hans-Peter Noll und Theo Grütter, Immobilien-Mann der eine, Museums-Profi der andere, sollen die Stiftung und das Ruhrmuseum als wichtigste Akteure auf dem Zollverein-Gelände stärker miteinander verzahnen und kostenintensive Doppelstrukturen abbauen. Dazu zählen etwa die Verwaltungsabteilungen und die Besucherdienste, und auch in der Außendarstellung ließe sich einiges harmonisieren. „Ich denke schon, dass sich da manches machen lässt“, sagt Grütter.

Auf Sicht sei sozialverträglicher Personalabbau nicht ausgeschlossen, heißt es aus Kreisen des Stiftungsrats. Entlassungen werde es aber nicht geben.

Stiftung Zollverein: Mehr Geld gebe es nicht

Dass die alten und die neuen Vorständler zunächst acht Monate zusammenarbeiten sollen, ist in diesem Zusammenhang kein Zufall. Der Stiftungsrat erwartet bis zum Jahresende 2017 Grundzüge eines Konzeptes zur Restrukturierung, das auch Vorschläge für Einsparungen enthalten soll.

„Trotz steigender Kosten müssen wir mit dem Geld auskommen, mehr gibt es nicht“, heißt es in der Stiftung. Rechtlich ist das Ruhrmuseum eine Art „Unterstiftung“ der Stiftung Zollverein, beide haben zusammen rund 100 Mitarbeiter und ein jährliches Gesamtbudget von knapp 30 Millionen Euro.

Auf Zollverein bestimmen die Baukräne weiter das Bild

In der Vergangenheit gab es hin und wieder auch Kritik an der allzu musealen Ausrichtung Zollvereins und der recht schleppenden Vermarktung des Geländes.

In den letzten Jahren hat sich einiges getan. Die vor einigen Jahren errichtete Zentrale der RAG Montan Immobilien – Geschäftsführer ist Hans-Peter Noll –, brachte auf der Kokerei-Seite neue Impulse. Durch die gerade entstehenden Neubauten, darunter ein Hotel, die Zentrale der RAG-Stiftung und die Folkwang-Universität der Künste, ist sichergestellt, dass auf Zollverein die Baukräne weiter das Bild bestimmen.

Es müsse eine Balance zwischen Bewahren und ökonomisch getriebener Weiterentwicklung geben

Werner Müller, Vorsitzender des Stiftungsrates und starker Mann auf Zollverein, ist diese Ausrichtung sehr wichtig. Mit der Berufung des altgedienten RAG-Immobilien-Experten Noll soll sichergestellt werden, dass auf Zollverein die bauliche Standortentwicklung und die Ansiedlung von Unternehmen weitergeht.

Als Weltkulturerbe habe auf dem Gelände zwar auch das Museale einen selbstverständlichen Platz, doch müsse es zwischen dem Bewahren und der ökonomisch getriebenen Weiterentwicklung stets eine Balance geben, heißt es aus dem Stiftungsrat. „Mit musealen und kulturellen Inhalten allein ist die Zukunft nicht zu meistern.“

Neuer Vorstand wird billiger

Im scheidenden Vorstand steht Hermann Marth mit 64 Jahren kurz vor der Altersgrenze, Jolanta Nölle mit 58 allerdings nicht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Nölle gerne weitergemacht hätte, jedoch ihre Leistungen als Verantwortliche für Kultur- und Veranstaltungsmanagement nicht unumstritten sind. Werner Müller wollte schon vor einigen Jahren einen personellen Neuanfang, der sich damals nicht durchsetzen ließ. 2018 soll nun endgültig Schluss sein. Von Theo Grütter wird erwartet, den Veranstaltungs- und Kulturbereich neu aufzustellen.

Der neue Vorstand wird übrigens billiger sein als der alte. Grütter erhält zwar einen Zuschlag auf sein Direktorengehalt. In der Höhe entspricht das aber nur einem Bruchteil dessen, was Nölle erhielt. Ihre Stelle fällt praktisch weg.

Das Land NRW gibt mit Abstand das meiste Geld 

Die Stiftung Zollverein finanziert sich aus verschiedenen Quellen, die aber fast alle zum nordrhein-westfälischen Landesetat führen.

Basis ist ein vom Land bereitgestelltes Stiftungskapital von 15 Millionen Euro, dessen Zinserträge allerdings bei weitem nicht ausreichen, um den laufenden Betrieb mit immerhin 60 Mitarbeitern zu finanzieren. Hinzu kommt eine so genannte „institutionelle Förderung“ des Landes von rund 4,5 Millionen Euro pro Jahr.

Die Vermietung von Hallen und Räumen auf dem Gelände an Veranstalter, Gastronomen oder beispielsweise das Designzentrum NRW bringen der Stiftung auch beachtliche Einnahmen von allerdings schwankendem Volumen. Insgesamt beläuft sich das Betriebsbudget jedenfalls auf rund zwölf Millionen Euro jährlich.

Davon zu trennen ist das Budget für bauliche Investitionen, das sich pro Jahr zwischen acht und zwölf Millionen Euro einpendelte. Auch hier spielen Projektzuschüsse des Landes eine bedeutende Rolle.

Betriebsetat des Ruhrmuseums betägt rund sieben Millionen Euro

Das Ruhrmuseum mit seinen rund 40 Mitarbeitern finanziert sich deutlich breiter. Der Betriebsetat betrug zuletzt rund sieben Millionen Euro pro Jahr, wovon die Stadt Essen drei Millionen Euro bezahlt. Als das alte, im Museumskomplex an der Bismarckstraße beheimatete Ruhrlandmuseum zum Ruhrmuseum wurde, verpflichtete sich die Stadt Essen, ihren damaligen Deckungsbetrag fortzuführen und jährlich gemäß der Kostensteigerung fürs Personal anzupassen.

Für das größere Ruhrmuseum mit seinen deutlich erweiterten regionalen Aufgaben ist das aber nur ein Basisbetrag. Der Landschaftsverband Rheinland zahlt pro Jahr weitere rund zwei Millionen Euro, eine Million kommt vom Land Nordrhein-Westfalen. „Der Rest sind Einnahmen“, sagt Direktor Theo Grütter.

Konstant hohen Besucherzahl für das Ruhrmuseum

Da das Ruhrmuseum sich sowohl in der Dauerausstellung als auch bei den Sonderausstellungen einer konstant hohen Besucherzahl erfreut, erreichen diese Einnahmen durchaus einen siebenstellige Höhe.

Auch wenn künftig mehr Zusammenarbeit gefordert ist, soll es schon wegen der weiterhin unterschiedlichen Finanzierungswege bei getrennten Rechnungskreisläufen bleiben. Stiftung Zollverein und Ruhrmuseum sollen vor allem personelle Synergieeffekte heben, nicht aber verschmelzen.

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