Immobilen

Mix aus Büros und Wohnungen auf altem Siemens-Areal geplant

Das Foto zeigt die riesige, unbebaute ehemalige Siemens-Fläche an der Bundesstraße 224, die am Bildrand unten verläuft. Am linken Bildrand ist die Frohnhauser Straße zu sehen. Dort, auf dem Eckgrundstück oberhalb vom Toyota-Autohaus, entsteht das Bürohaus der Wiesbadener Entwickler CFI.

Das Foto zeigt die riesige, unbebaute ehemalige Siemens-Fläche an der Bundesstraße 224, die am Bildrand unten verläuft. Am linken Bildrand ist die Frohnhauser Straße zu sehen. Dort, auf dem Eckgrundstück oberhalb vom Toyota-Autohaus, entsteht das Bürohaus der Wiesbadener Entwickler CFI.

Foto: Blossey

Essen.   Schon viele Jahre liegt die riesige Fläche an der B224 brach. Nun hat der Eigentümer erstmals Pläne vorgelegt, wie sie bebaut werden soll.

Die aktuelle Büronot in Essen könnte sich schon in den nächsten Jahren wieder deutlich entspannen. Auf der Internationalen Immobilienmesse MIPIM in Cannes, die in der kommenden Woche beginnt, wird die städtische Wirtschaftsförderung unter anderem zwei neue Büroprojekte im Westviertel dem Publikum vorstellen.

In Essen selbst dürfte vor allem dieses Vorhaben für Aufmerksamkeit sorgen: Auf der ehemaligen Siemens-Fläche an der Hans-Böckler-Straße (B224), die seit Jahren im Dornröschen-Schlaf liegt, will die „Dr. Greve Bau- und Boden AG“ aus Hamburg einen Mix aus Hotel, Büros, Wohnungen und Nahversorgungseinrichtungen entwickeln. Das Quartier trägt den Namen Kontorhausviertel. Das zweite Büroprojekt ist ganz in der Nähe an der Frohnhauser Straße/Ecke Kurt-Jooss-Straße geplant.

Neues Quartier heißt Kontorhausviertel

Trotz der Gewerbe-Flächennot in Essen tat sich seit vielen Jahren auf dem riesigen Siemens-Areal nichts. Das Gelände hatte erst die landeseigene LEG von Siemens gekauft und dann an das Familienunternehmen „Dr. Greve Bau- und Boden AG“ weiter veräußert. Offenbar nach internen Veränderungen in dem Unternehmen kommt endlich Bewegung auf die Brache.

So hat die „Dr. Greve Bau- und Boden AG“ nun erstmals eine Visualisierung vorgelegt, wie das 34.000 Quadratmeter große Gelände vermarktet und anschließend bebaut werden könnte. Im ersten Bauabschnitt an der Schwanenkampstraße sollen demnach Büros und ca. 80 Stadtwohnungen entstehen. Baustart könnte schon im kommenden Jahr sein, hofft die Wirtschaftsförderung. In den nächsten Schritten sollen entlang der B224 weitere Bürogebäude und ein Hotel errichtet werden. Der Hotelbau wird ein architektonisches Ausrufezeichen an der Spitze des Quartiers setzen. Auch eine Kita ist geplant.

Viel Bewegung im Westviertel

Das zweite Projekt im Westviertel ist ein vier- bis fünfgeschossiges Bürogebäude an der Frohnhauser Straße, das der Wiesbadener Entwickler CFI in Angriff nehmen will. Baustart für das Bürohaus mit 7800 Quadratmeter Fläche könnte bereits im Januar 2020 sein. Auch bei dieser Fläche handelt es sich um eine ehemalige LEG-Liegenschaft. Die CFI will loslegen, ohne schon im Vorfeld zwingend Mietverträge abzuschließen. Das ist in Essen bislang eher die Ausnahme. „Das zeigt, dass der Investor erkannt hat, dass der Essener Büromarkt weitere Flächen dringend braucht“, betont Wirtschaftsförderer Andre Boschem.

Mit diesen beiden Projekten gehört das Westviertel zu einem der Stadtquartiere, wo sich derzeit am meisten tut. So entstehen unter anderem im Stadtteil zwei Häuserkomplexe fürs Mikro-Wohnen – zum einen auf dem ehemaligen Kahage-Gelände und am ehemaligen Standort der AOK. Und ganz in der Nähe, an der Stadtteilgrenze, entwickelt die OFB das neue „Literaturquartier“ am einstigen Sitz der Funke Mediengruppe ebenfalls als Mix aus Hotel, Büros und Wohnen.

Guter Büroraum in Essen ist knapp

Angesichts der neuen Büropläne atmet die Wirtschaftsförderung auf. Denn derzeit kann sie Unternehmen, die in Essen kurzfristig neue Büroräume suchen, kaum weiterhelfen. Vor allem moderne, größere Büroflächen sind rar. „Wir haben ganz aktuell eine Anfrage von einem Unternehmen, das von außerhalb kommt und in Essen 3500 bis 4000 Quadratmeter sucht. Da wird es schon schwierig, etwas anzubieten“, sagte Andreas Hill, Prokurist bei der Wirtschaftsförderung.

Der wirtschaftliche Aufschwung in jüngster Zeit wird für Essen dabei zum Segen und Fluch zugleich. Denn im vergangenen Jahr erlebte der Büromarkt ein außerordentlich gutes Jahr. Es wurde soviel Fläche wie selten zuvor vermietet, weil viele Unternehmen sich vergrößern wollen oder in moderne Büros ziehen möchten. Die Kehrseite: Der Leerstand wird kleiner und damit auch das Angebot an Büroräumen. Das ist gut für die Immobilieneigentümer, schlecht aber für einen Wirtschaftsstandort, der in seinem Wachstum dadurch gebremst wird.

Rückschlag auf der ehemaligen VHS-Fläche 

Einen Rückschlag dagegen gab es für die Wirtschaftsförderung auf dem ehemaligen Gelände der Volkshochschule an der Hollestraße. Der Essener Projektentwickler Kölbl Kruse, der bereits einen Zuschlag für sein Büroprojekt dort hatte, ist wieder abgesprungen. 5,2 Millionen Euro wollte das Unternehmen für das rund 16.000 Quadratmeter große Areal am Rande der City zahlen. Nun steht die Entwicklung auf der schon lange brachliegenden Fläche wieder auf Anfang.

Das Areal gehört der Stadt und die Wirtschaftsförderung vermarktet es. „Wir sind dennoch weiter zuversichtlich, dass wir dort zu einer Büronutzung kommen“, sagte Wirtschaftsförderer Boschem. Im Verkaufsprozess waren vor einem Jahr zwei Interessenten übrig geblieben, den Zuschlag bekam damals Kölbl Kruse. Nun ist die Wirtschaftsförderung offenbar an den damaligen Konkurrenten herangetreten. Namen nannte sie nicht. Falls dieser noch Interesse zeigt, könnte er nun zum Zuge kommen.

Kölbl Kruse begründet Stopp mit hohen Baupreisen

Kölbl Kruse bestätigte am Freitag den Rückzug. „Wir haben es innerhalb der Optionszeit nicht geschafft, einen belastbaren Baupreis für den von uns geplanten Neubau zu bekommen. Deshalb haben wir das Grundstück wieder an die Stadt Essen zurück gegeben“, erklärte eine Sprecherin. Die gestiegenen Baupreise machten es deutlich schwieriger, Bauprojekte rentabel zu planen. „Obwohl die Mietpreise in Essen aktuell im Neubaubereich steigen, führt dies dazu, dass ein Engagement von uns aktuell wirtschaftlich nicht planbar gewesen wäre. Bauen wird teurer und langsamer – darauf müssen sich die Immobilienmärkte erst noch einstellen“, so Kölbl Kruse. Ähnlich hatte der Projektentwickler damals den Rückzieher für den Innogy-Campus an der Huyssenallee begründet.

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