Zombiewalk-Demo

Mini-Zombiewalk: Nur 100 Untote ziehen durch Essener City

Gruselig und viel schwarzer Humor: Die Blutige Baroness Alina (29) posiert mit dem Schlächter Dennis (28), beide aus Essen, auf dem Hirschlandplatz. Für sie ist es der dritte, für ihn der ersten Zombiewalk.

Gruselig und viel schwarzer Humor: Die Blutige Baroness Alina (29) posiert mit dem Schlächter Dennis (28), beide aus Essen, auf dem Hirschlandplatz. Für sie ist es der dritte, für ihn der ersten Zombiewalk.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Scherereien um den Essener Zombiewalk haben dem Ruf des Untoten-Spektakels geschadet. Zur Demo mit Zombiewalk kamen nur 100 Kostümierte.

Findet er statt? Oder nicht? Wenn ja, um welche Uhrzeit und auf welcher Route? Geschminkt oder doch eher nicht? Tagelang haben sie aufgeregt und bisweilen erbittert um den Zug der Untoten in Essen gerungen: die Polizei, die Essen Marketing Gesellschaft und ganz vorne Dirk Bußler, der Vater dieses Grusel-Spektakels. An diesem Donnerstag auf dem Hirschlandplatz steht der Macher des Zombiewalks eher im Hintergrund. Das Sagen haben dieses Mal keine Geister, sondern reale Oppositionspolitiker: die Grünen-Ratsfrau Elke Zeeb und Linken-Sprecher Daniel Kerekes. Sie veranstalten eine Demo („Die Stadt gehört uns allen“) und sind so gewissermaßen die Retter des Zombiewalks 2019.

„Wir setzen mit dieser Demo ein Zeichen für mehr Transparenz, Bürgerbeteiligung und Subkulturen“, sagt Kerekes bei Einbruch der Dämmerung, und fügt unter Beifall hinzu: „Wir haben lieber Untote in der City, als eine untote Innenstadt.“ Energisch tritt er denjenigen entgegen, die in der Demo eine listige Inszenierung sehen, einen billigen Trick, um daraus in Wirklichkeit einen Ersatz-Zombiewalk zu machen.

Wenn es eine solche Absicht gegeben haben sollte, ist sie grandios gescheitert. Es ist noch nicht lange her, da lockte der Essener Zombiewalk 2000 Untote in die Innenstadt und genoss den vibrierenden Ruf, der größte der Republik zu sein. In diesem Jahr ist nur ein Bruchteil gekommen. „Die Verwirrung im Vorfeld war einfach zu groß“, sagt Dirk Bußler. Auf dem Hirschlandplatz verlieren sich höchstens 250 Menschen, lediglich Hundert sind kostümiert – für den Zombiewalk XXS.

„Blutige Baroness“ Alina: „Ich liebe Halloween – es ist geil sich zu verkleiden“

Die Enttäuschung darüber, dass der Zombiewalk wegen des zeitgleich stattfindenden Essen Light Festivals an den Rand der Innenstadt abgedrängt wird, hingegen ist groß. „Gut dass die Demo stattfindet“, sagt Alina (29), die als „Blutige Baroness“ auftritt. „Ich liebe Karneval, ich liebe Halloween – es ist geil sich zu verkleiden.“ Die Erzieherin aus Kupferdreh hat fünf Stunden für ihr gruseliges Outfit gebraucht. „Die Zombies tun keinem was, Zombiewalk und Light Festival können nebeneinander stattfinden.“

Kitsune – ein japanischer Fuchsgeist – nennt sich eine andere Untote, neben ihr: zwei Schluffie-Zombies: Friseurin Nicole (39) aus Oberhausen und ihr Freund Floppy (45), der eigens aus Freiburg nach Essen gekommen ist. Im Breisgau kümmert sich der Sozialarbeiter um Flüchtlinge. „Der Streit über den Zombiewalk ist absolut Kindergarten“, sagt Nicole. Auch die Subkultur brauche ihren Platz in der Essener Innenstadt.

Der Helm, der Vogelkäfig mit dem Singvogel und viel Blut am Kittel: Wie ein echter Bergmann sieht Kumpel-Zombie Sina aus Essen-Mitte aus: „Mein fünfter Zombiewalk, früher war ich Piraten, Metzgerin, Ärztin.“ Die Kostüme hier seien voller Hingabe und echte Kunst, betont sie.

Sechs Wochen lang hat sie ein bis zwei Stunden an ihrem Kostüm gearbeitet. Und viel Pathos reingelegt. „Ich ehre zwei meiner Urgroßväter, die Bergleute waren, einer auf Langenbrahm.“ Die 56-Jährige bedauert, dass so wenige gekommen sind. „Ich habe den Verdacht, dass wir nicht mehr gewollt sind.“ Und ergänzt: „Der Zombiewalk ist ‘was Besonderes, er muss weiterleben.“

Die Ansagen gegen den Zombiewalk haben das Fass zum Überlaufen gebracht“

„Die Stadt gehört uns allen“ steht auf dem Spruchband der Demonstranten. Sie transportieren Zorn der sich aufgetürmt hat: auf die Essen Marketing Gesellschaft EMG und die Stadt. Die Demo sei auch ein Signal „gegen die Kommerzialisierung der Innenstadt“. Gute zehn Wochen sei die Innenstadt wegen Essen Light Festival, Lichterwochen und Weihnachtsmarkt quasi ein „gesperrter“ Ort. Der größte Teil der City stehe für politische und demokratische Aktionen nicht zur Verfügung, für kostenfreie Veranstaltungen scheine es keinen Platz mehr zu geben.

Der Linke tadelt die „Verdrängungspolitik der EMG“, die er auch für das Verschwinden des Obststandes, der Imbissbude und eines Blumenhändlers am Limbecker Platz verantwortlich macht. Man dürfe aus Essen keinen „billigen Düsseldorf-Abklatsch“ machen. „Die Ansagen gegen den Zombiewalk haben das Fass zum Überlaufen gebracht.“

Grünen-Politikerin: „Die EMG nutzt die Nordstadt als unmoralisches Angebot“

Es ist kurz nach halb sechs, als sich der kleine Demo-Untoten-Zug in Begleitung von viel Polizei in Bewegung setzt. Damit die Untoten den Ablauf des Essen Light Festivals in der Innenstadt nicht stören, ziehen sie dieses Mal – fernab der vollen Fußgängerzone – durch die nördliche Innenstadt. Zum Teil durch menschenleere Straßen. Erst am Limbecker Platz, vor dem Einkaufszentrum und dem Unperfekthaus, ziehen sie die Blicke auf sich.

Bei der Zwischenkundgebung am Pferdemarkt erinnert Grünen-Ratsfrau Elke Zeeb an das Turock-Open-Air. Dessen Verdrängung sei einer der traurigen Höhepunkte der letzten Jahre gewesen. Auch sie geht hart mit der Essener Marketing Gesellschaft ins Gericht. Ihr Vorwurf: „Die EMG nutzt die Nordstadt als unmoralisches Angebot, wohin alles abgeschoben wird, was in der City unerwünscht ist.“

Gegen 19 Uhr vermeldet die Polizei das Ende der Veranstaltung. „Alles war friedlich, keine Vorkommnisse“, so Sprecher Christoph Wickhorst.

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