T. C. Boyle

Lichtburg: Starautor T.C. Boyle redet über Drogen und Trump

Gab Autogramme: T. C. Boyle am Donnerstagabend in der Lichtburg.

Gab Autogramme: T. C. Boyle am Donnerstagabend in der Lichtburg.

Foto: Arend

Essen.   „Das Licht“ in der Lichtburg: Kultautor T.C. Boyle präsentiert sein neues Buch über LSD-Apostel Timothy Leary in Essen

Der amerikanische Starautor T.C. Boyle glaubt an die Demokratie, aber weniger an Gott. Trotzdem sind in seinem neuen Buch eine Reihe von Leuten auf der Suche nach Erleuchtung - auch mittels LSD. „Das Licht“ heißt denn auch Boyles neuer Roman über den Psychologen und Acid-Apostel Timothy Leary, den der Autor am Donnerstagabend in der restlos ausverkauften Lichtburg vorstellte.

Gleich nach der Weltpremiere in Berlin war Essen die zweite Station auf seiner Lesereise. Die einzige NRW-Adresse zudem, wie Veranstalterin Beate Scherzer von der Buchhandlung Proust mit Stolz vermelden konnte. Und die 1100 Boyle-Fans erlebten nicht nur einen extrem entspannten und exzellent aufgelegten Schriftsteller, sondern durften sich als „beste Leser der Welt“ am Ende auch noch eine persönliche Widmung vom Kultautoren in die mitgebrachten Bücher schreiben lassen.

Tägliche Twitter gegen Trump

Dass der neue Roman zunächst in Deutschland erscheint und später erst in seiner amerikanischen Heimat, zeigt, wie beliebt der 70-jährige Boyle hierzulande ist. Amerika verlassen will der schlaksige Literatur-Rockstar mit den roten Turnschuhen und dem wild gemusterten Hemd trotzdem nicht, auch wenn er täglich gegen Trump twittert. „Ich will Teil der Bewegung sein, die ihn in die Knie zwingt“, hat Boyle sich vorgenommen.

Bis dahin schreibt er sehr erfolgreich Bücher über Menschen mit manchmal auch recht zweifelhaften Führungsrollen. Menschen wie Psychologieprofessor Timothy Leary, der Anfang der 1960er Jahre mit LSD die Psychologie revolutionieren will. Aus der Idee, mittels Drogen die Hierarchien zwischen Psychiater und Patient abzubauen, entwickelt sich später eine LSD-Kommune, Leary wird zum Missionar der psychedelischen Religion. Zu den Anhängern, die er um sich schart, gehören im Buch auch der Psychologiestudent Fitz und seine Frau Joanie, die dem charismatischen Wissenschaftler und seinem angeblichen „Wundermittel“ verfallen.

Erfahrungen liegen schon lange zurück

Ihm gehe es nicht um die möglichst farbenreiche Beschreibung von Drogen-Exzessen, sondern um die Mechanik von Verführbarkeit und die Frage, wie aus einem anerkannten Harvard-Professor ein mehrfach verurteilter Drogen-Guru werden konnte, betont Boyle, der in puncto Drogen nach eigenen Angaben zwar auch aus persönlichen Erfahrungen schöpfen kann. Doch die lägen schon lange zurück. „Das kann ich nicht mehr riskieren. Meine Drogen sind heute die Arbeit, Musik und die Natur“, versichert Boyle, der längst schon wieder an einem neuen Thema tüftelt. Diesmal geht es um Tierintelligenz. Und wenn er nicht gerade schreibt, schaut sich der Kinofan vielleicht seinen Lieblingsfilm an: „The Big Lebowski“. „Den hab ich schon tausend Mal gesehen“, grinst Boyle. Und auch da sorgt der ein oder andere Joint durchaus für Lichtblicke.

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