Crowd-Funding

Kunden retten Essener Buchhändlerin mit Spendenaktion

Der Sherlock-Holmes-Bär begleitet Buchhändlerin Susanne Böckler seit der Eröffnung ihres Ladens. Er wird seinen Platz im Regal wohl behalten.

Der Sherlock-Holmes-Bär begleitet Buchhändlerin Susanne Böckler seit der Eröffnung ihres Ladens. Er wird seinen Platz im Regal wohl behalten.

Essen-Rüttenscheid.  „Alex liest Agatha“ steht vor der Schließung. Da rät die Kundschaft der Besitzerin zu einer Sammelaktion. Nun sind 20 000 Euro zusammengekommen.

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Susanne Böckler macht es nicht so spannend wie die Krimiautoren, deren Bücher sie verkauft. „Es wird weitergehen“, sagt sie direkt. Ihr Laden an der Eduard-Lucas-Straße stand vor dem Aus, einen Monat ist das her. Geld fehlte, Schulden drückten, der Umzug von der Rüttenscheider Straße in die Nähe der Messe vergangenes Jahr sorgte für weniger Laufkundschaft. Als die Kunden von den Sorgen der Buchhändlerin erfuhren, kamen sie häufiger zum Einkauf – und sagten finanzielle Unterstützung zu. Am 20. Geburtstag ihres Ladens kann sie nun die Rettung verkünden.

„Ich habe schon Anfang des Jahres gemerkt, dass es mit der Liquidität hinten und vorne nicht reicht“, sagt Böckler. Sie suchte nach neuen Ideen, begann mit Veranstaltungen im Laden, sprach mit einem Experten von Senior Consult Ruhr – ein Verein, der Unternehmen begleitet und berät. „Und der Senior Consult steht auf dem Standpunkt, dass mein Konzept tragfähig ist“, sagt Böckler. Doch bei den finanziellen Problemen, die schon da waren, konnte ihr niemand helfen. Als die letzte Bank ihre Kreditanfrage ablehnte, stellte sich die Buchhändlerin auf die Insolvenz ein. „Ich hatte schon einen Termin beim Anwalt.“

Termin beim Insolvenzanwalt war schon vereinbart

Davon erzählte sie Anfang Juli dann auch den ersten Kunden. „Die brachten mir so viel Empathie und Solidarität entgegen.“ Sie rieten der 52-Jährigen zu einer Crowd-Funding-Aktion, einer Geldsammlung, wie sie auf verschiedenen Plattformen im Internet möglich ist. „Das dauert aber eine gewisse Zeit zwischen dem Einstellen der Anfrage und dem Abschluss“, sagt Böckler. Also schrieb sie einem ausgewählten Kreis eine E-Mail, Betreff: „SOS“. Dazu ein Text, in dem sie ihr finanzielles Problem schildert.

An rund 250 Empfänger ging die E-Mail, mehr als 100 meldeten sich bereits zurück und sicherten ihre Unterstützung zu. Anfang der Woche wurde die von Susanne Böckler zur Rettung gesetzte Grenze in Höhe von 20 000 Euro überschritten. Damit, ist sie sicher, kann sie den Laden wieder auf eine gesunde Basis stellen. Vorher habe sie kein Geld von den Kunden annehmen wollen. „Jetzt kann ich ihnen eine Kontonummer mitteilen.“

Mehr Veranstaltungen nach dem Neustart geplant

Dass sie nach diesem voraussichtlichen Happy-End das dramatische Kapitel nicht einfach schließen und fröhlich in die Zukunft schauen kann, ist Susanne Böckler allerdings klar. Sie sieht eine Chance zum Neustart, möchte weiter am Konzept ihres Ladens arbeiten. Es soll mehr Veranstaltungen geben, Kooperationen mit Kultureinrichtungen im Stadtteil.

„Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen. Aber ich merke, dass auch bei den Kunden in diesem Monat eine Sensibilisierung stattgefunden hat“, sagt Böckler. „Und es haben viele Leute überhaupt erst mitbekommen, dass es diesen Laden gibt. Und der Insolvenzanwalt ist wegen der Resonanz fast vom Stuhl gefallen.“

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