Krankenhäuser

Krankenhauslandschaft im Norden steht vor radikalem Umbruch

Das Marienhospital in Altenessen soll nach den Plänen der Contilia Gruppe in den nächsten Jahren abgerissen und neu gebaut werden.

Das Marienhospital in Altenessen soll nach den Plänen der Contilia Gruppe in den nächsten Jahren abgerissen und neu gebaut werden.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Das Marienhospital in Altenessen wird neu gebaut, Philippusstift und das St. Vincenz Krankenhaus werden zu „ambulanten Versorgungszentren“.

Die Krankenhauslandschaft im Essener Norden steht vor einer umfassenden Neuordnung: Dirk Albrecht, Vorstandssprecher der Contilia-Gruppe, bestätigte am Mittwoch Pläne für den Abriss und Neubau des Marienhospitals in Altenessen. Aus dem St. Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg und dem Philippusstift in Borbeck sollen hingegen „ambulante Versorgungszentren“ werden. Stationen mit Betten werden beide Häuser dann nicht mehr anbieten. Contilia betreibt alle drei Häuser unter der Bezeichnung Katholisches Klinikum Essen GmbH.

Im Laufe des kommenden Jahres will Contilia seine Pläne konkretisieren. Weder zum Zeitplan noch zur Höhe der Investitionen wollte Vorstandssprecher Dirk Albrecht nähere Angaben machen. Nur soviel: Es werde „noch Jahre dauern“, bis der Neubau in Altenessen steht. Alle andere Standort-Optionen seien damit hinfällig.

Nach Informationen dieser Zeitung hatte Contilia auch erwogen, im Krupp-Gürtel neu zu bauen, in unmittelbarer Nachbarschaft des geplanten Stadtquartiers Essen 51 zwischen Altendorf und der Innenstadt. Nun bleibt es bei den drei bestehenden Krankenhaus-Standorten, allerdings unter neuen Vorzeichen.

Unterm Strich steht ein deutlicher Abbau von Krankenhausbetten

Anlass für die geplante Neuordnung ist laut Contilia der Umstand, dass die Verweildauer in den Krankenhäuser zurückgeht. Statistisch verbringe ein Patient sechs bis sieben Tage in stationärer Behandlung. In einigen europäischen Ländern seien es nur drei Tage. Die Wege in Essen seien zudem kurz.

Die wirtschaftliche Auslastung der Häuser dürfte ein weiteres Motiv sein. Denn unterm Strich steht ein deutlicher Abbau von Krankenhausbetten. Das Philippusstift verfügt über rund 300 Betten, St. Vincenz über rund 200.

In Altenessen sorgen die Pläne des Krankenhausbetreibers für Unruhe

An beiden Standorten will Contilia gleichwohl investieren, jeweils zehn Millionen Euro bis 2020. Bereits ab März 2019 soll das Philipusstift zudem wieder eine eigene chirurgische Abteilung erhalten. Für die ambulante Behandlung werden beide Häuser jedoch weniger Platz benötigen. Was das bedeutet für die überwiegend älteren Gebäude und die Grundstücke, ist laut Contilia noch offen.

In Altenessen sorgen die Pläne des Krankenhausbetreibers für Unruhe. Die katholische Kirchengemeinde St. Johann Baptist will Contilia für den Neubau ein 4500 Quadratmeter großes Grundstück verkaufen.

Das neue Krankenhaus wird laut Contilia eine Fläche von 28.000 Quadratmetern einnehmen. Die Pfarrkirche St. Johann Baptist soll dafür abgerissen werden. Es gebe gegenüber Contilia eine Zusage „mit hoher Verbindlichkeit“, sagte der Pfarradministrator, Dompropst Thomas Zander. Der Kirchenvorstand habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Im Gegensatz zu vielen anderen Standorten, an denen Kirchen abgerissen werden, gebe es in Altenessen jedoch die Chance, „dass etwas Neues entsteht“.

Gemeindemitglieder setzen sich dennoch für den Erhalt der Pfarrkirche ein. Vor der Pfarrversammlung am Mittwochabend, auf der Vertreter von Contilia ihre Pläne vorstellen wollen, rufen sie zu einer Mahnwache auf und zu einer symbolischen Menschenkette, um ihr Gotteshaus vor dem Abriss zu schützen.

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