Klimawandel

Essener Wälder: Förster sehen keinen Grund zur Panik

Förster Armin Wuttke (re.) und Roland Haering, Abteilungsleiter Waldungen und Baumpflege von Grün und Gruga, beim Rundgang durch den Essener Forst.

Förster Armin Wuttke (re.) und Roland Haering, Abteilungsleiter Waldungen und Baumpflege von Grün und Gruga, beim Rundgang durch den Essener Forst.

Foto: Foto: Socrates Tassos

Essen.  Baumschäden durch Trockenheit und durch Stürme sind auch in Essen sichtbar, man habe sich aber früh auf die Folgen des Klimawandels eingestellt.

Der Klimawandel hat auch Essens Wälder erreicht. Während andernorts Förster bereits vom Waldsterben reden, sieht der Leiter des städtischen Forstbetriebes, Roland Haering, jedoch keinen Anlass, um in Panik zu verfallen. „Ich finde schon dramatisch, was passiert“, sagt Haering in Anspielung auf Stürme, Hitze und Trockenheit, unter der Bäume in der jüngsten Vergangenheit haben leiden müssen. Anders als andere Städte habe Essen jedoch frühzeitig Vorsorge getroffen, damit sich der Wald auch davon erholen sollte.

Dennoch: Auch im hiesigen Forst sind Schäden nicht zu übersehen. Buchen leiden unter Hitzestress und werfen ihre Blätter ab, um sich vor den Folgen zu schützen. Den Eschen setzt das Eschentriebsterben zu. „Wir versuchen die Bäume so lange wie möglich zu halten“, sagt Haering beim Rundgang durch den Forst und blickt hinauf zu nackten Baumkronen. „Vielleicht erweisen sich einige als resistent.“ Auch Buchen, die ihre Rinde bereits verloren haben, lassen die Förster stehen. Und sei es nur, damit sterbende Bäume anderen für ein paar Stunden am Tag Schatten spenden.

Die Spuren, die Pfingststurm „Ela“ 2014 hinterlassen hat, sind nicht zu übersehen

Die Folgen des Klimawandels ließen sich schon seit Jahren beobachten. Die immer dichtere Aufeinanderfolge von Stürmen sei ein sicheres Zeichen. Die Spuren, die Pfingststurm „Ela“ 2014 hinterlassen hat, sind bis heute deutlich sichtbar. Hinzu kommt der Befall von Schädlingen, begünstigt durch die milden Winter der vergangenen Jahre. „Es gibt kaum einen Baum, der nichts hat“, sagt Roland Haering.

Dass Essens Förster dennoch nicht in tiefe Depressionen verfallen, hat Gründe. „Wir setzen konsequent auf Naturverjüngung“, betont Haering. Auch das ist nicht zu übersehen: Überall schießen junge Bäume gen Himmel. Hätten Bürger nicht darauf bestanden, dass Bäume nachgepflanzt werden, wo „Ela“ den Wald besonders hart getroffen hat, in Heisingen und in Stadtwald, und hätten sie nicht dafür gespendet – die Stadt hätte wohl darauf verzichtet.

Den Wald komplett sich selbst zu überlassen, wie einige fordern – davon hält Roland Haering nichts. Das Ziel sei eine Durchmischung verschiedener Arten und Altersklassen. Aus Sicht des Experten erhöht dies die Chance, dass der Wald sich gesund und dauerhaft entwickeln kann. Bäume zu fällen sei kein Widerspruch, sondern notwendig.

Das Ziel der Waldbewirtschaftung sei nicht die Gewinnmaximierung

Mit einem offensichtlichen Missverständnis räumt Haering gerne auf: Wenn der Forstbetrieb dem wirtschaftlichen Arbeiten verpflichtet ist, bedeutet dies nicht, dass man nach Gewinnmaximierung strebt. „Die Stadt Essen hat ihren Wald schon 1904 zum Zwecke der Erholung angeschafft.“ Dabei ist es geblieben. Das Geld zum Fenster rauswerfen darf ein städtischer Betrieb aber nicht. Das verbietet schon die Gemeindeordnung.wiederaufforstung will geplant sein

Kommunen und private Waldbesitzer, die ihren Wald als Wirtschaftsgut betrachten, seien es, die der Klimawandel und seine Folgen viel härter trifft. Zu beobachten im Sauerland, wo der Borkenkäfer ganze Fichtenbestände dahinrafft.

Auf 1,4 Prozent der Fläche wird die Stadt versuchsweise Weißtannen anpflanzen

Riesige Flächen, die mühsam wieder aufgeforstet werden müssten, gebe es in Essen, betont Haering. Und doch bedeutet der naturnahe Umgang mit dem städtischen Wald nicht, dass die Förster auf jede Frage, die sich im Zeichen des Klimawandels stellt, eine Antwort haben. „Wir wissen nicht, wie sich Laubbäume entwickeln“, räumt Roland Haering an. Auch deshalb wird die Stadt testweise Weißtannen pflanzen – auf maximal 1,4 Prozent der Fläche. „Es kommt darauf an, einen Baum zu haben, der in einem Jahr sehr tief wurzelt und der Schatten gut ertragen kann, um zu wachsen.“

Handlungsbedarf sieht Haering auch und vor allem im Essener Norden. Vor drei Jahrzehnten hatte sich die Stadt die Begründung der nördlichen Stadtteile auf die Fahne geschrieben. Mit Erfolg. Am Hallo oder im Hangetal stünden stattliche Bäume aber heute so dicht an dicht, dass sie jungen Bäumen Licht und Platz nehmen, um nachzuwachsen. „In den nächsten zehn Jahren müssen wir Bäume entnehmen“, sagt Haering und ergänzt mit Blick auf den Klimawandel: „Wir sind nicht gelassen. Wir beobachten, was passiert.“ Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus Essen

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