Klimaziele

Klimaschutz-Initiativen fordern mehr Tempo

Schon im vergangenen Jahr gingen Klimaschützer auf die Straße.

Schon im vergangenen Jahr gingen Klimaschützer auf die Straße.

Foto: Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Essen.  Im Jahr 2050 will Essen „klimaneutral“ sein. Um der Erderwärmung zu begegnen, wäre es dann schon zu spät, warnen Klimaschutz-Initiativen.

Lokale Klimaschutzinitiativen fordern die Stadt Essen auf, schneller auf den Klimawandel zu reagieren. „Die Zeit drängt“, warnte Petra Boesing, Mitinitiatorin des „Klimaentscheids Essen“ am Dienstag vor dem Umweltausschuss des Stadtrates.

Im Jahr 2050 will Essen „klimaneutral“ sein. Dann soll in der Stadt nicht mehr Kohlendioxid ausgestoßen werden, als auch gebunden werden kann. So sieht es das „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ vor, das die Verwaltung jetzt vorgelegt hat. Das formulierte Ziel, das sich am Klimaschutzgesetz der Bundesregierung orientiere, sei ambitioniert, aber realistisch, sagt Umweltdezernentin Simone Raskob und räumt dabei offen ein: „Man kann immer mehr tun.“

Die Stadt Essen muss zur globalen Herausforderung ihren Beitrag leisten

Eben darauf drängen Initiativen wie „Parents for Future“ und der „Klimaentscheid Essen“, der die Stadt mit Hilfe eines Bürgerbegehrens dazu bewegen will, mehr für den Klimaschutz zu tun. Die Stadt müsse das Tempo deutlich erhöhen. Andernfalls sei es unmöglich, das selbstgesteckte Ziel zu erreichen, das da lautet, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu beschränken.

Die Dringlichkeit sei den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung jedoch offenbar nicht bewusst, so Petra Boesing. 2050 sei es längst zu spät. Dann habe sich die Erde laut Klimaberechnungen bereits um zwei Grad erhitzt. Was das bedeutet? „Ich als Ärztin vergleiche es mit einem Multiorganversagen“, sagte Boesing. Ziel müsse es deshalb sein, die Klimaneutralität bereits 2030 zu erreichen.

Tatsächlich hatte die Stadt jüngst einräumen müssen, dass sie hinter den eigenen Ansprüchen zurückgeblieben ist. Der Ausstoß an Treibhausgasen sollte bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zurückgehen. Erreicht wurde eine Reduktion um 32,9 Prozent, so die aktuellen Zahlen aus 2017. Alles deute daraufhin, dass das für dieses Jahr formulierte Ziel, zwar in greifbare Nähe rücke, aber doch nicht erreicht werde, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Bemerkenswert: Seit 2011 sei kein signifikanter Rückgang mehr zu beobachten. Die Stadt führt dies auf das Anwachsenden des Autoverkehrs zurück.

Allen voran beim Straßenverkehr, der für knapp 30 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich gemacht, sieht die Stadt Handlungsbedarf. Gleiches gilt für die energetische Sanierung von Gebäuden. Auch beim persönlichen Konsumverhalten könne jeder mehr tun für den Klimaschutz. Zur Enttäuschung der Klimaschutzinitiativen lässt die Verwaltung konkrete Schritte in ihrem Aktionsplan vermissen.

Was aber würde es für das Leben in Essen bedeuten, sollte die Stadt ein höheres Tempo anschlagen? Was hieße das für das soziale Miteinander? Es war die Linke, die diese Frage aufwarf. In einer öffentlichen Erklärung geben die Initiativen darauf selbst eine, wenn auch nebulöse Antwort: „Uns ist bewusst, dass damit weitreichende Strukturveränderungen verbunden sind, die das Stadtleben und den Alltag aller Essener nachhaltig beeinflussen werden.“ Und fast schon beschwörend heißt es: Der Wandel bringe nicht nur Einschnitte mit sich, sondern auch „einen Gewinn an Lebensqualität“.

Geht die Politik diesen Weg mit, und verschärft das Tempo? Der Umweltausschuss überließ die Entscheidung dem Rat der Stadt, wenn er am 26. August zusammenkommt.

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