Kindesmissbrauch

Essener (29) missbraucht Kinder aus katholischem Kirchenchor

Sein Engagement in einem Kirchenchor, hier ein Symbolfoto, nutzte der Angeklagte, um Opfer zu finden.

Foto: dpa/ Philippe Lissac

Sein Engagement in einem Kirchenchor, hier ein Symbolfoto, nutzte der Angeklagte, um Opfer zu finden. Foto: dpa/ Philippe Lissac

Essen.   Ein 29-Jähriger lockte Kinder aus einem katholischen Essener Kirchenchor zu sich. Er drehte Videos seiner Taten und bot sie im Darknet an.

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Das Ausmaß an sexuellem Missbrauch und an Vertrauensbruch übersteigt fast schon die Vorstellungskraft. Über Jahre hat ein 29 Jahre alter Essener seine Kontakte in einem hochrangigen katholischen Kirchenchor* genutzt, um Opfer für die Befriedigung seiner pädophilen Neigung zu finden. Am Mittwoch verurteilte ihn das Landgericht Essen zu acht Jahren Gefängnis, verhängte zusätzlich die anschließende Sicherungsverwahrung.

Fast teilnahmslos nimmt der bieder wirkende Mann das Urteil der Strafkammer auf. Zumindest wirkt er nach außen so, als Richter Markus Dörlemann die Entscheidung der Kammer verkündet. Für den Angeklagten wird es ein weiter Weg sein, bis er wieder in Freiheit kommt.

Ein Mann mit zwei Gesichtern. Da gab es den engagierten Sänger, Fotografen und Orgelspieler. Auf ihn konnte man sich verlassen. Mit den Kindern unternahm er Ferienfreizeiten, gerne fotografierte er sie auch und präsentierte die Bilder bei Facebook.

Täter missbrauchte sieben Kinder aus dem Chor

Aber da war auch die dunkle Seite in seinem Leben. Richter Markus Dörlemann: „Durch geschicktes Verhalten lockte er die Kinder aus dem Chor zu sich. Er gab Privatunterricht, schuf eine interessante Umgebung.“

Insgesamt sieben Kinder, so wurde in den Ermittlungen bekannt, missbrauchte der Chorsänger. Hatte er sie erst einmal in seiner privaten Umgebung, begann er mit sexuellen Annäherungen, steigerte die Intensität. Fotos und Videos fertigte er von den Jungen, die zum Teil erst neun Jahre alt waren, und bot die Bilder im Darknet, einem anonymen und für die Polizei kaum zu kontrollierenden Bereich des Internets, zum Tausch an.

Sein Hauptopfer war ein zu Beginn der Taten neun Jahre alter Junge aus dem Kirchenchor. Als die sexuellen Kontakte immer intensiver wurden, offenbarte sich der Junge 2011 seiner Mutter, die dem Angeklagten jeden Kontakt untersagte.

Hilfe bekamen die Ermittler von einem Pädophilen

Doch ihm gelang es, die Taten im Gespräch mit der Mutter herunterzuspielen. Er fing auch ein Verhältnis mit ihr an. Schließlich wurde ihm der Kontakt mit dem Jungen erneut erlaubt. Er fuhr mit ihm in die Ferien, selbst nach Spanien. Und immer kam es laut Urteil zu sexuellen Kontakten. Der Kirchenchor hatte ihn zu diesem Zeitpunkt schon aus seinen Reihen ausgeschlossen.

2013 bat der Junge erneut seine Mutter um Hilfe. Diesmal wurden Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Doch unerwartete Hilfe bekamen die Ermittler von einem rechtskräftig verurteilten Pädophilen. Er hatte im Darknet Kontakt zum Angeklagten. Dieser habe ihm Fotos zugespielt und geprahlt, dass keines der Kinder älter als 14 Jahre sei.

Die Ermittlungen wurden intensiver. Der Missbrauch weitete sich aus. Der Essener hatte im Darknet auch Kontakt zu einem Aachener, der mit ihm nicht nur kinderpornografisches Material austauschte. Tatsächlich hatte der Mann dem Essener auch seinen eigenen Sohn, sechs Jahre alt, zum Sex angeboten. Für diese Taten wurde er mittlerweile vom Landgericht Aachen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Ohne Therapie sieht ihn das Gericht weiter als gefährlich an

Staatsanwältin Sabine Vollmer hatte zehn Jahre Haft beantragt und dies als vergleichsweise niedrig bezeichnet. Aber der geständige Angeklagte bekäme ja als „gefährlicher Hangtäter“ zusätzlich die Sicherungsverwahrung. Dass diese Maßnahme nötig ist, daran ließ auch das Gericht keinen Zweifel. Der Angeklagte habe „sein ganzes Leben so organisiert, dass es zu seiner sexuellen Befriedigung kam“. Ohne Therapie, so Richter Dörlemann, sei er weiter gefährlich.

*Anm.: Der Chor wird nicht genannt, um die Opfer zu schützen.

>> Das Darknet als Plattform für Verbrechen

Im Darknet surfen Nutzer anonym. Daher ist es immer wieder Plattform für illegale Geschäfte und den Austausch verbrecherischer Bilder.

Der bekannteste aktuelle Fall ist der des Marcel H., der in Herne zwei Menschen tötete und Bilder seiner Opfer unter anderem im Darknet verbreitete.

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