Ausbildung

Junge Flüchtlinge finden Arbeit in Essener Krankenhaus

Der Syrer Abdulrahim Sakkal (l.) und Afghane Farhad Esmaily sind im Krankenhausalltag angekommen.

Der Syrer Abdulrahim Sakkal (l.) und Afghane Farhad Esmaily sind im Krankenhausalltag angekommen.

Foto: Stefan Arend

Essen.   An der Uniklinik Essen haben fünf junge Flüchtlinge eine Ausbildung begonnen. Sie absolvierten eine Qualifizierung, die viele andere abbrachen.

Fünf junge Flüchtlinge sind auf dem besten Weg, eine Festanstellung als Pfleger im Essener Universitätsklinikum zu bekommen. Sie gehören zu den ersten Absolventen eines im Ruhrgebiet wohl einzigartigen Förderprogramms, das vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. Es macht Flüchtlinge mit Sprach- und Praxiskursen fit für einen Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt. Nun zogen die Initiatoren eine erste Bilanz.

Der 26-jährige Syrer Abdulrahim Sakkal und der gleichaltrige Afghane Farhad Esmaily gehören zu den fünf von ursprünglich 24 jungen Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Eritrea, die den Sprung über das Qualifizierungsprogramm hinein in eine Ausbildung an der Uniklinik geschafft haben. Bei den anderen klappte es nicht – unter anderem seien Sprachprobleme und familiäre Verpflichtungen die Gründe gewesen.

Einige Dinge im deutschen Klinikalltag waren ungewohnt

Die, die durchhielten, können sich, wenn alles glatt weiterläuft, in zweieinhalb Jahren Gesundheits- und Krankenpfleger nennen. Während der eineinhalbjährigen Qualifikation vor Beginn der Ausbildung haben sie einen Intensiv-Sprachkurs bekommen und sind mit den Klinik-Abläufen vertraut gemacht worden. Das Förderprogramm haben Uniklinik, Bundesamt für Migration, Jobcenter und Diakonie gemeinsam gestartet.

„An einige Dinge im Klinikalltag musste ich mich erst gewöhnen“, sagt Farhad Esmaily in nicht perfektem, aber sehr gewähltem Deutsch. Aus Afghanistan habe er es nicht gekannt, dass Frauen auch von Männern gepflegt werden. „Uns wurde erklärt, dass das in Deutschland normal ist und nach kurzer Zeit hatte ich keine Probleme mehr damit.“

Im Flüchtlingsboot über das Mittelmeer gefahren

2009 ist er gemeinsam mit seinen Eltern aus Afghanistan geflohen, durch den Iran und die Türkei, im Flüchtlingsboot über das Mittelmeer, über Athen und Frankfurt bis nach Essen. „Ich habe sofort angefangen, die deutsche Sprache zu lernen“, sagt er. Eigentlich wollte er sein Abitur nachholen, doch dann bot sich das Förderprogramm an.

Sozialdezernent Peter Renzel bezeichnet das Programm als „ein Projekt mit Vorbildfunktion, das ist eine Erfolgsgeschichte“. Und Teil einer Entwicklung, die ihn zuversichtlich stimmt. Rund 1600 geflüchtete Menschen hätten in diesem Jahr in Essen Arbeit gefunden, im vergangenen Jahr seien es noch 935 gewesen. „Damit liegen wir in NRW auf dem zweiten Platz hinter Köln.“

Auch Andrea Schmidt-Rumposch findet lobende Worte. Die Pflegedirektorin der Uniklinik sagt: „Für uns ist das Integrationsprojekt ein Zugewinn, allein wegen des Fachkräftemangels.“ Die Chancen stünden sehr gut, die fünf Flüchtlinge nach der Ausbildung zu übernehmen. Bodo Kalveram vom Jobcenter und Projektleiter Ingo Neupert verkünden, dass schon bald ein Folgeprogramm starten soll. Dann sollen weitere Flüchtlinge die Möglichkeit erhalten, sich für eine Ausbildung zu qualifizieren – dieses Mal nach einer halbjährigen statt einer eineinhalbjährigen Vorbereitung. Die Hoffnung geht dahin, dass die Absprungquote dann geringer ist.

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