Integrations-Projekt

Inklusions-Elf von Rot Weiss Essen spielte live im Fernsehen

Die RWE-Inklusionself RWE III spielte am Samstag an der Seumannstraße gegen SC Frintrop III.

Die RWE-Inklusionself RWE III spielte am Samstag an der Seumannstraße gegen SC Frintrop III.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Fußball bedeutet für die Kicker eine Chance. Das 7:2 der Inklusions-Mannschaft RWE III gegen SC Frintrop III geriet da fast zur Nebensache.

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Es ist ungefähr die 65. Minute, als Marcel Oostland beschließt, dass es jetzt an der Zeit sei, sich selbst ins Spiel zu bringen. Der vollschlanke junge Mann mit dem Spitznamen Teddy läuft sich gemächlich um den Ascheplatz warm, streift sein Trikot über und schon ist er mittendrin im Spiel zwischen RWE III und dem SC Frintrop III. „Marcel, mach‘ ein Tor“, rufen seine Freunde, die an diesem Samstag extra angereist sind und jetzt am Spielfeldrand an der Seumannstraße mitfiebern. Denn die Partie wird unter der Überschrift „Fußball als Chance“ live vom WDR Fernsehen übertragen.

Als Kommentator sitzt kein Geringerer als WDR-Sportchef Steffen Simon am Mikrofon. Kurz vor der Abreise zur WM in Russland hat er es sich nicht nehmen lassen, bei diesem Kreisligaspiel, das im RWE-Nachwuchsleistungszentrum angestoßen wird, dabei zu sein. „Das ist die Geschichte einer ganz besonderen Fußballmannschaft“, moderiert er die Partie an. Denn das Team III von Rot Weiss Essen wurde von dem Verein Essener Chancen ins Leben gerufen und hat in seinem Kader Spieler mit und ohne Einschränkungen. Darunter Suchtkranke, psychisch Kranke und ehemalige Straffällige.

Auf dem Spielfeld und beim Training lernen sie Verlässlichkeit, erfahren Struktur, werden wertgeschätzt und bekommen Teamgeist vermittelt. Das hilft ihnen im Alltag, gibt Halt und Selbstbewusstsein. „Die verbindende Kraft des Fußballs ist eben unglaublich“, meint Michael Welling. Der ehemalige RWE-Chef hat die Essener Chancen mitgegründet und war sofort dabei, als vor fünf Jahren die Idee der dritten inklusiven Mannschaft geboren wurde. Dieses Projekt, das gemeinsam mit dem Rot-Weißen-Traditionsverein realisiert wurde, ist bundesweit einzigartig.

Dank des Fußballs hat Marcel sich stabilisiert

Mittlerweile hat das Team einen guten Kader von 30 Spielern zwischen 18 und 27 Jahren. Darunter auch der Spieler mit der Zehn auf dem Trikot: Dominik Koch hat eine lange Suchtgeschichte, saß schon wegen eines Raubüberfalls im Knast. Seit drei Jahren spielt er bei den „Dritten“ und hat sein Leben in den Griff bekommen. „Der Fußball hat mir unglaublich geholfen. Wir sind ein Team“, sagt er.

Die Drogen sind dank einer Suchttherapie Vergangenheit, sein aufbrausendes Temperament, das anfänglich immer wieder zu Platzverweisen führte, kann er inzwischen gut zügeln, wie sein Trainer Benjamin De Biasi bestätigt, „Dominik hat sich super entwickelt und ist einer unserer Top-Spieler“. Wenn er nicht auf dem Platz steht, dann arbeitet De Biasi als Sozialpädagoge für die Eggers-Stiftung, die sich um psychisch kranke Menschen kümmert. Als solcher hat er das Projekt, das zunächst kritisch beäugt wurde, ins Leben gerufen: „Ich habe von Anfang an daran geglaubt, dass das klappt.“

„Das ist eine unglaubliche Entwicklung“

Das beste Beispiel dafür ist Marcel Oostland. Der 27-Jährige ist seit seiner Jugend schizophren, litt unter starken Ängsten, traute sich nicht vor die Tür. Dank des Fußballs hat er sich stabilisiert. „Er schafft es, alleine zum Training zu kommen, ist mit Begeisterung dabei. Das ist eine unglaubliche Entwicklung“, freut sich Prof. Christian Eggers. Der Jugendpsychiater ist Gründer der gleichnamigen Stiftung, die psychisch kranke Jugendliche und junge Erwachsene nach ihrem Klinikaufenthalt begleitet.

In einer Wohngemeinschaft der Eggers-Stiftung lebt auch Marcel Oostland, dort wird er von Benjamin De Biasi betreut. „Teddy ist einer der ersten Spieler, die die dritte Mannschaft hatte. Und er ist der einzige, der selbst bestimmen kann, wann er spielt. Das entscheidet er nach seinem eigenen Empfinden“, erklärt De Biasi eine der Besonderheiten seines Teams. Das hat das Spiel gegen Frintrop übrigens mit 7:2 gewonnen.

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