Spielplatz-Analyse

In 20 Essener Stadtteilen gibt es zu wenige Spielplätze

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Die Stadt Essen hat erstmals eine stadtteilscharfe Analyse über ihre Spielplätze vorgelegt.

Die Stadt Essen hat erstmals eine stadtteilscharfe Analyse über ihre Spielplätze vorgelegt.

Foto: Martin Horn / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Stadt Essen legt erstmals eine Analyse über die Versorgung mit Spielplätzen vor. In diesen Stadtteilen fehlt es an Spielmöglichkeiten.

Die Stadt Essen hat erstmals eine umfassende und stadteilscharfe Bestandsanalyse ihrer Spielplätze vorgelegt. Das Ergebnis ist aus Sicht der Kinder ernüchternd: In 20 der 50 Essener Stadtteile finden sie nicht genügend öffentliche Spielplätze. Und: Häufig sind Spielplätze in einem solch schlechten Zustand, dass sie runderneuert werden müssen.

Zwei Jahre lang hat Grün und Gruga die stadtweit 419 öffentlichen Spielplätze unter die Lupe genommen und auch dort genau hingeschaut, wo es an Spielmöglichkeiten fehlt. Der Deutsche Kinderschutzbund hat mitgeholfen, das Jugendamt und auch die Bezirksvertretungen. Herausgekommen ist ein 125 Seiten starker Abschlussbericht, der offenlegt, wo der Handlungsdruck für die Stadt besonders groß ist.

Das klassische Essener Nord-Süd-Gefälle bildet der Spielplatz-Bericht nicht ab

Eine Erkenntnis: Das klassische Nord-Südgefälle bildet der Bericht laut Grün und Gruga nicht ab. Aber eines fällt auf: In neun der 20 Stadtteile, in denen es nicht genügend Spielplätze gibt, sind Kinder besonders häufig von Armut betroffen.

Spielplätze fehlen vor allem in Rüttenscheid, Holsterhausen im Südviertel, in Kray, Freisenbruch und Kettwig, sowie im Südviertel, in Bredeney, Katernberg und Steele.

Die Stadt legt dabei folgenden Maßstab an: Der nächste kleinere Spielplatz (bis 400 Quadratmeter) für die Altersgruppe von 6 bis 13 Jahren darf nicht weiter als 500 Meter vom Wohnort entfernt sein, größere Spielplätze (bis 1500 Quadratmeter) mit Attraktionen für Kinder und Jugendliche jeden Alters nicht mehr als 1500 Meter.

In Essen-Borbeck ist der Sanierungsbedarf bei Spielplätzen besonders groß

Die Versorgung mit Spielplätzen sagt noch nichts über deren Qualität aus. So gibt es beispielsweise in Rüttenscheid zu wenige Spielplätze, diese sind jedoch überwiegend in einem guten Zustand. Der Großraum Borbeck (Stadtbezirk IV) hingegen ist – mit Ausnahme des Stadtteils Bergeborbeck – mit öffentlichen Spielplätzen rechnerisch überversorgt. Doch jeder zweite Spielplatz ist dort sanierungsbedürftig.

Besonders hohen Instandsetzungsbedarf sieht die Stadt in Borbeck, Bergeborbeck, Gerschede, Dellwig und Bedingrade, sowie in Schonnebeck und Karnap, aber auch in Kupferdreh und in den vergleichsweise dünn besiedelten Stadtteilen Fulerum und Fischlaken im Essener Süden.

Grün und Gruga belässt es nicht bei der Bestandsaufnahme. Der Bericht, den die Verwaltung am Dienstag dem zuständigen Fachausschuss des Stadtrates vorgestellt hat, legt der Politik nahe, wo investiert werden muss. Wobei die Verwaltung der Sanierung Vorrang einräumt, ohne den Neubau zu vernachlässigen, wie Umweltdezernentin Simone Raskob betont.

Ab 2024 soll die Stadt Essen jedes Jahr 3,9 Millionen Euro in Spielplätze investieren

2,9 Millionen Euro pro Jahr veranschlagt Grün und Gruga für die Instandsetzung von Spielplätzen, eine weitere Million für den Bau weiterer Spielplätze oder eine bessere Erschließung bestehender beispielsweise durch einen Radweg.

Im aktuellen städtischen Haushalt sind zwei Millionen Euro für Spielplätze festgeschrieben. Diese Summe soll bis 2024 nach und nach erhöht und dann für die folgenden Jahre festgeschrieben werden, so der Vorschlag der Verwaltung für die anstehenden Haushaltsberatungen.

Folgt der Rat der Stadt mehrheitlich diesem Vorschlag, wäre der Mangel an öffentlichen Spielmöglichkeiten 2029 ausgeglichen. Spätestens dann würde jeder der 50 Essener Stadtteile über eine ausreichende Zahl an Spielplätzen mit ansprechender Qualität verfügen. Rechnerisch muss ein Spielplatz alle 30 Jahre erneuert werden, ein Spielgerät alle 15 Jahre.

„Wir wollen dort beginnen, wo die Bebauung dicht ist und besonders viele Menschen wohnen“, sagt Johannes Bergknecht von Grün und Gruga und deutet an, dass dies in Stadtteilen, in denen es ohnehin an Freiflächen mangelt, nicht immer einfach sein dürfte. Für die Zukunft gelte es deshalb auch, über neue Konzepte nachzudenken, etwa über die Ausweisung von Spielstraßen.

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