Bildung

Gymnasiasten aus dem Süden helfen Grundschule aus dem Norden

Fototermin in der Nordviertelschule in Essen: Shabnam Fahimi-Weber (r.) freut sich, dass sie die Goethe-Schüler für ihr Projekt „Sprache verbindet“ begeistert hat. Hannike (2.v.r.) vom Gymnasium Werden ist schon dabei.

Fototermin in der Nordviertelschule in Essen: Shabnam Fahimi-Weber (r.) freut sich, dass sie die Goethe-Schüler für ihr Projekt „Sprache verbindet“ begeistert hat. Hannike (2.v.r.) vom Gymnasium Werden ist schon dabei.

Foto: Kokoska

Essen.   Gymnasiasten aus Bredeney begleiten ein Jahr lang Kinder aus der Nordviertelschule. Beim Projekt „Sprache verbindet“ sind sie Freund und Vorbild.

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Das Hilfsprojekt „Sprache verbindet“ will eine Brücke bauen zwischen dem Essener Süden und dem Norden der Stadt – und darf sich nun über viele junge Brückenbauer freuen: Gut 30 Schüler der Goetheschule in Bredeney können sich vorstellen, ein Jahr als Paten einen Schüler der Nordviertelschule zu begleiten. Jetzt schauten die Gymnasiasten in der Grundschule an der Beisingstraße vorbei und ließen sich von Shabnam Fahimi-Weber über das Projekt informieren.

Viele wissen nicht, dass auch sie Abi machen können

Die HNO-Ärztin die abwechselnd in einer Praxis im Norden und einer im Süden der Stadt arbeitet, hat „Sprache verbindet“ angestoßen, weil sie sich eine Aktion wünscht, die nachhaltig wirkt und das Leben eines Kindes verändern kann. Dabei hat sie Grundschüler im Blick, die sich mit dem Schulstoff, vor allem aber mit der Sprache schwer tun. „Ich möchte, dass sie über ein Vorbild lernen können, und über etwas, das sie berührt.“ Neben Spracherwerb gehe es darum, dass viele der Kinder gar nicht wüssten, „dass auch sie Abi machen, studieren können“. Weil sie niemanden kennen, der eine akademische Laufbahn gewählt hat.

So eine Vorbildfunktion klingt nach einer eher anspruchsvollen Aufgabe, doch die 17-jährige Hannike Martens, die seit knapp einem halben Jahr ein neunjähriges Patenkind an der Nordviertelschule hat, erzählt schlicht vom Uno-Spielen oder davon, wie sie dem Mädchen die Uhr erklärt hat. Hannike besucht das Gymnasium Werden, das als erstes an dem Projekt teilgenommen hat, und sie sagt den Goethe-Schülern: „Ich hab’ nur gute Erfahrungen gemacht.“

Wartelisten mit Schülern, die sich Paten wünschen

Alle Paten und ihre Patenkinder können sich in den Räumen der Nordviertelschule treffen, aber Hannike ist auch im Zuhause des Mädchens willkommen: „Die Mutter freut sich, dass ihre Tochter so gefördert wird.“ Und weil Hannike und das Mädchen eine Leidenschaft fürs Tanzen teilen, haben sie immer ein Thema.

Eine Freundschaft über soziale Grenzen und den Altersunterschied hinweg – das sei, was im besten Falle entstehen könne, sagt Shabnam Fahimi-Weber. Auch ihr Sohn Luis, der einen Jungen an der Bodelschwinghschule betreut, erlebe die Neugier, Lernbereitschaft und das große Vertrauen des jüngeren Schülers. Kein Wunder also, dass sich „Sprache verbindet“ bei den beteiligten Grundschulen bald zum Erfolgsformat entwickelte, sich die Wartelisten füllten mit Kindern, die sich auch einen Paten wünschten. „Leider hatten wir oft Probleme, geeignete Oberstufenschüler zu finden.“ Umso glücklicher sei sie, dass nun das Goethe-Gymnasium ins Projekt einsteige.

„Die Grundschüler finden die älteren Paten cool“

Jannes (16) ist einer der Goetheschüler, die jetzt die Nordviertelschule besuchten, nachdem das Projekt im Deutschkurs vorgestellt worden war. Jannes spielt jeweils dreimal die Woche Tennis und Fußball, sozial habe er sich bislang noch nicht engagiert. „Aber eine Bescheinigung darüber könnte mir helfen, da ich Medizin studieren möchte.“ Ein Motiv, das Shabnam Fahimi-Weber keineswegs ehrenrührig findet, sie weist sogar eigens darauf hin, dass es ein Zertifikat für den einjährigen Einsatz gebe. Und Jannes ergänzt: „Ich habe zwei kleine Cousins und mache gern etwas mit kleineren Kindern.“

Jutta Zimmermann vom Offenen Ganztag der Nordviertelschule hat jedenfalls keinen Zweifel, dass Jannes und seine Mitschüler gut ankommen werden. Für die Kinder, die oft viele Geschwister und selten die ungeteilte Aufmerksamkeit haben, sei es beglückend, einen festen Partner zu bekommen: „Die finden es cool, wenn das jemand ist, der Fußball spielt und ihnen vom Alter so nah ist wie Ihr.“

>>> PROJEKT BILDET PATENSCHAFTEN AUF ZEIT

Im Projekt „Sprache verbindet Essen“ treffen Oberstufenschüler ein Jahr lang Grundschüler mit eingeschränkten Deutschkenntnissen. Einmal wöchentlich ein, zwei Stunden trainieren sie durch Spielen, Lesen oder Erzählen ihr Deutsch. Anders als in der Nachhilfe wird alltagsnah und am Vorbild gelernt.

Ehrenamtliche Koordinatoren betreuen die Patenschaften. Die Jugendlichen erhalten Fahrgeld, einen kleinen Obolus und ein Zertifikat über ihren ehrenamtlichen Einsatz. Info: www.sprache-verbindet-essen.de

Das Projekt unterstützt dieses Schuljahr fast 50 Grundschüler

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