Schulweg

Grundschüler in Rüttenscheid werden bald für Fußweg belohnt

An der Odastraße gilt ein zeitlich befristetes Halteverbot – das jedoch nicht alle Autofahrer beachten. Die Schüler auf dem Foto aber verhalten sich vorbildlich: Sie bewältigen ihren Schulweg eigenständig und zu Fuß.

Foto: Ulrich von Born

An der Odastraße gilt ein zeitlich befristetes Halteverbot – das jedoch nicht alle Autofahrer beachten. Die Schüler auf dem Foto aber verhalten sich vorbildlich: Sie bewältigen ihren Schulweg eigenständig und zu Fuß. Foto: Ulrich von Born

Essen-Rüttenscheid.   An der Essener Andreas-Grundschule startet im Juni ein Pilotprojekt. Dabei sollen Elternhaltestellen den Verkehr vor dem Schultor reduzieren.

Die Ergebnisse der Elternbefragung an der Andreas-Grundschule überraschten: Obwohl ein Großteil der 260 Kinder in fußläufiger Entfernung wohnt, werden selbst in den Sommermonaten im Schnitt 30 Prozent der Schüler mit dem Auto gebracht.

„Wir würden diesen Anteil gern verringern und Kinder und Eltern dazu motivieren, zu Fuß zu gehen“, sagt Schulleiterin Stephanie Kassing. Am 19. Juni fällt der Startschuss für das groß angelegte Schulwegprojekt, das von der Klimaagentur begleitet wird.

Bezirksvertretung hat Elternhaltestellen verabschiedet

Die kürzlich von der Bezirksvertretung II einstimmig verabschiedeten Elternhaltestellen sind dabei nur ein Baustein im Gesamtkonzept: „Mit den beiden Haltestellen am Schwimmzentrum und an der Isenbergstraße soll der Verkehr direkt vor dem Schultor entzerrt werden“, sagt Stephanie Kassing.

Dort spielten sich vor allem in den zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn brandgefährliche Szenen ab, wie die Schulleiterin aus eigener Beobachtung weiß: „Mitunter wird in der Feuerwehrzufahrt geparkt oder blockieren Eltern die Garagen der Nachbarn. Das ist seit Jahren Thema in der Schulpflegschaft, eine echte Lösung des Problems haben wir bislang nicht gefunden.“ Auch persönliche Ansprachen und der verstärkte Einsatz von Ordnungsamt und Polizei hätten wenig gebracht.

Statt des erhobenen Zeigefingers sollen nun die Kinder selbst helfen: So werden Sternchen für alle Schüler verteilt, die zu Fuß kommen oder die Elternhaltestelle nutzen. Ab einer gewissen Anzahl gesammelter Sternchen wird immer die ganze Klasse belohnt – etwa in Form von längeren Spielpausen.

Schulweg wird nachgebessert

Ein pädagogischer Ansatz, der in anderen Städten bereits erste Erfolge zeige, weiß Ute Zeise von der Klimaagentur: „Wir lassen die Eltern schließlich nicht allein: Vorher wurde abgefragt, welche Verbesserungen am Schulweg gewünscht sind und wo die Eltern Gefahrenstellen sehen.“

Auch rings um die Andreas-Grundschule wird nachgebessert: etwa durch Heckenschnitt an schwer einsehbaren Kreuzungen und eine bessere Beleuchtung. „Grundsätzlich ist das kein Problem der Andreas-Grundschule, sondern betrifft nahezu jede Schule der Stadt“, weiß die Schulweg-Expertin, die schon in Kindergärten Tipps rund um die Verkehrserziehung gibt. Der eigenständige Schulweg sei vor allem Übungssache, ist Zeise überzeugt: „Natürlich müssen Eltern den Weg mit Kindern trainieren. Damit legen sie gleichzeitig den Grundstein für späteres Mobilitätsverhalten.“

Sie kritisiert, dass viele Kinder heute nur noch „von Insel zu Insel gefahren werden“. Darunter leide nicht nur das Risikobewusstsein der Kinder im Straßenverkehr, sondern auch ihre Sinneswahrnehmung: „Kinder verhalten sich anders, wenn ihre Eltern nicht dabei sind, sie entdecken ihre Umgebung eigenständig.“ Genau das wolle man auch durch das Pilotprojekt erreichen, wirbt Zeise: „Wir wollen wieder Schulweggeschichten schreiben lassen.“

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