Essen verwöhnt

Gastromeile „Essen verwöhnt“ kämpft mit Problemen

Die Mutter aller Essener Gastromeilen, „Essen verwöhnt“, ist immer noch beliebt. Sie leidet aber unter den gesellschaftlichen Veränderungen.

Foto: Stefan Arend

Die Mutter aller Essener Gastromeilen, „Essen verwöhnt“, ist immer noch beliebt. Sie leidet aber unter den gesellschaftlichen Veränderungen.

Essen.   Der hohe Sicherheitsaufwand, aber auch Belästigung durch ungebetene Gäste machen den Organisatoren der Gastromeile „Essen verwöhnt“ Sorgen.

Die Gastromeile „Essen verwöhnt“ hat in diesem Sommer wieder Tausende Gäste satt und die meisten auch glücklich gemacht. Doch hinter den Kulissen gab und gibt es viel Redebedarf. Es geht um die Sicherheit und es geht um ungebetene Besucher. Die in diesem Jahr geforderte strengere Terrorismusabwehr habe ihn sogar darüber nachdenken lassen, sich als Organisator zurückzuziehen, sagt Rainer Bierwirth.

„So etwas darf man nicht auf den Veranstalter abwälzen“, sagt Bierwirth, der im Vorstand des Vereins „Essen genießen“ sitzt. Seit 20 Jahren schon trommelt er führende Gastronomen aus der Stadt für das mehrtägige Genussspektakel in der Fußgängerzone zusammen. „Aber wenn es um die Terrorismusbekämpfung geht, kann ich nicht der Verantwortliche sein. Wenn ich dafür mit meinem Namen unterschreiben soll, werde ich nicht weitermachen“, sagt Bierwirth. Ein so komplexes Thema sei Sache von Polizei, Staat und Stadt.

Dieses Mal habe man für die Veranstaltung, die vom 17. bis 22. Juli lief, noch eine Lösung gefunden. Stadt, Stadtmarketing-Gesellschaft EMG, OB Kufen und „Essen genießen“ hätten es am Ende gemeinsam gestemmt. Bierwirth wünscht sich künftig eine Lösung, die besser vorbereitet ist und von Polizei und Stadt umgesetzt wird. Um die Zukunft von „Essen verwöhnt“ nicht zu gefährden, müssten schnellstens alle Beteiligten an einen Tisch. „Man darf diese Veranstaltung nicht kaputtreden“, sagt Bierwirth.

Unterstützung erhält er dabei von EMG-Geschäftsführer Dieter Groppe: „Man kann nicht einem Veranstalter zumuten, sich um die Terrorabwehr zu kümmern.“ Das habe auch die Stadt so gesehen und die Kosten für drei Straßensperren übernommen. Das alles sei ein sehr komplexes Thema, das nicht nur „Essen verwöhnt“ betreffe. „Beim NRW-Tag vom 31. August bis 2. September reden wir über 29 Sperren“, so Groppe.

Es gibt aber noch etwas, das die Veranstalter mit Sorge beobachten: die zunehmende Zahl ungebetener Gäste und damit einen negativen Wandel der Atmosphäre und des subjektiven Sicherheitsgefühls. „Die Einkaufstraße hat sich verändert. Das bekommen wir auch bei ,Essen verwöhnt’ zu spüren“, sagt Bierwirth. In der Innenstadt prallen in steigendem Maße Welten aufeinander: Menschen, die sich bei gutem Essen und Wein einen schönen Abend machen wollen und jene, die erkennbar nicht auf der Sonnenseite des Lebens wandeln.

Schon beim Aufbau der Stände sei zu erleben, dass einige auf Taschendiebstähle aus sind, so Bierwirth. Und dann gebe es da noch die vielen Bettler und Obdachlosen. „Wir reden mit ihnen und erklären, dass wir für die Tafel sammeln und sie also selbst etwas von der Veranstaltung haben“, sagt Bierwirth. „Das verstehen die meisten.“ – aber eben nicht alle. Deshalb habe er die Security aufgestockt. Doch er wünsche sich, so Bierwirth, dass auch Polizei und Ordnungsamt mehr Präsenz zeigen.

EMG-Mann Groppe gibt ihm recht: „Das teils organisierte Betteln hat zugenommen. Das sehen wir auch so und es ist für die Besucher der Innenstadt grundsätzlich nicht schön.“ Hier etwas zu ändern, dürfte allerdings noch schwerer sein als beim Thema Terrorabwehr.

Rainer Bierwirth könnte sich durchaus einen neuen Standort für das Gourmetfest vorstellen – wenn sich einer anböte. „Ein passender Platz ist in Essen schwer zu finden.“

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