Essener Stadtteile (6)

Frohnhausen ist Essens „Jugendstil-Stadtteil schlechthin“

Jugendstil-Front am kleinen dreieckigen Platz an der Ecke Bentheimer Straße/Clausthaler Straße.

Jugendstil-Front am kleinen dreieckigen Platz an der Ecke Bentheimer Straße/Clausthaler Straße.

Foto: Funke Foto Services

Essen.  Frohnhausen hat nicht unbedingt den Ruf, besonders sehenswert zu sein. Robert Welzel zeigt uns das Gegenteil – in Folge 6 der Stadtteil-Serie „60 Minuten in...“.

Dicht besiedelt, aber unscheinbar - Frohnhausen hat in Essen nicht unbedingt den Ruf, besonders sehenswert zu sein. Robert Welzel ist da anderer Meinung: „Für mich ist Frohnhausen neben Kray der Jugendstil-Stadtteil schlechthin.“ Das hört sich vermessen an, klingt wie typische Schwärmerei eines Heimatverliebten. Aber Welzel sagt es nicht einfach dahin, er hat es akribisch erforscht. Rund 500 historische Hausfassaden aus der Zeit um 1900 seien im Stadtteil von bemerkenswerter Qualität und gut erhalten, was sich bei einem Spaziergang mit Welzel durch die Straßen erschließt. Es gilt das alte Reise-Motto: Man sieht nur, was man weiß.

Los geht’s an der Apostelkirche, wegen ihrer zentralen Kreuzungs-Lage und dem markantem Turm so etwas ist wie der Frohnhauser Dom. Das graue Gotteshaus mag auf Anhieb nicht jedermanns Sache sein, aber Welzel erläutert, dass man hier nicht etwa vor einem wilhelminischen Trutzbau steht, sondern ein frühes Beispiel einer Reformarchitektur vor sich hat, die sich an Vorbildern aus der Renaissance orientiert. Das fast vier Meter hohe, weithin sichtbare Uhrblatt, damals die größte Uhr in Essen, hatte eine Funktion: „Nicht jeder Frohnhauser konnte sich damals eine Taschenuhr leisten.“ Sie funktioniert noch heute, nur das Schlagen der vollen Stunde wurde irgendwann aufgegeben. Zu laut.

Der dritte große Krupp-Stadtteil

Frohnhausen war neben Holsterhausen und Altendorf der dritte große Krupp-Stadtteil in Essen, hat aber den Bombenkrieg und auch die Umbauwut der Nachkriegsjahrzehnte etwas besser überstanden. Den Wohnungsbau-Aktivitäten des Unternehmens hat Frohnhausen viel zu verdanken. Als Paradebeispiel, mittlerweile sogar von Touristen entdeckt, gilt der Luisenhof I am Westpark. Der massige Wohnblock ist nach außen abweisend, nach innen aber selten anheimelnd, besitzt schöne alte Bäume und ist spürbar auf gute Nachbarschaft angelegt.

„Die Stadt wollte in Frohnhausen die Fehler vermeiden, die etwa im Segeroth nördlich der Altstadt zu besichtigen waren“, betont Welzel. Dort war ohne planerische Vorgaben ein ziemlich finsteres Mietskasernenviertel entstanden.

Frohnhausen hingegen sollte Parks, Straßenbäume, kleine Plätze und begrünte Innenhöfe bekommen. Häuser und Wohnungen mussten für die Arbeiter bezahlbar sein, sollten aber doch mehr Qualität haben als sonst üblich. Möglich war das damals nur, wenn die Stadt den Grund und Boden besaß, der so der Spekulation entzogen war. Straßenzuschnitt und Freiflächen konnten dann zentral festgelegt, den privaten Bauherrn auch einige architektonische Standards auferlegt werden.

Monotonie des Rasterstraßennetzes aufbrechen

Um 1907 konnte die Stadt den uralten Pollerbergshof mit zehn Hektar Feldern und Wiesen kaufen. Robert Schmidt, Leiter des Stadterweiterungsamtes, später Gründer des heutigen Regionalverbands Ruhr, realisierte dann in Frohnhausen sein erstes Reformprojekt, dem kurz darauf das Haumannhofviertel und das Moltkeviertel folgten. „Man sieht das noch heute an den besonders ambitionierten Hausfassaden am Marktplatz oder an den dreieckigen Plätzen, von denen es hier einige gibt“, sagt Welzel. Schmidt wollte so die Monotonie des Rasterstraßennetzes aufbrechen.