Prozess

Frau auf U-Bahn-Gleise geschubst: Mann muss ins Gefängnis

Der Angeklagte Prince A. und sein Anwalt.

Der Angeklagte Prince A. und sein Anwalt.

Foto: André Hirtz

Essen.   Das Schwurgericht hat einen 47-Jährigen verurteilt. Der Mann hat im U-Bahnhof Bamlerstraße eine Frau ins Gleisbett gestoßen.

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Der 47-Jährige, der am 22. Oktober 2017 im U-Bahnhof Bamlerstraße eine 58-jährige Frau ins Gleisbett gestoßen hatte, muss fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Essener Schwurgericht sah allerdings kein versuchtes Tötungsdelikt, sondern verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung.

Prince A., der Angeklagte, hatte von einem Gerangel gesprochen, nachdem es zu einem Streit mit der Frau gekommen sei. Das sah das Gericht aber als widerlegt an. Das Video der Überwachungskameras zeige, dass er die Frau mit beiden Händen ins Gleisbett geschubst hatte.

Weitere Fahrgäste hatten die Bewusstlose schnell auf den Bahnsteig gezogen. Objektiv hatte keine Gefahr bestanden, weil die U-Bahn erst zwei Minuten später einfahren sollte. Vor allem hatte die Leitstelle der Ruhrbahn die Tat über die Kameras gesehen und sofort alle Bahnen auf der Strecke gestoppt.

Video zeigt, wie Frau mit Schirm schlug

Ein nichtiger Anlass war es, der zu der Tat geführt hatte. Der Angeklagte hatte beim Betreten des Bahnsteigs einmal auf den Boden gespuckt. Darauf soll die im Bahnhof wartende Frau ihn scharf angesprochen haben: „Machst du das zu Hause auch so?“

Als Prince A. dann an ihr vorbeiging, fühlte sie sich laut Urteil wohl bedroht, obwohl der Angeklagte keine Aggressionen gezeigt hatte. Unvermittelt, so zeigt es das Video, stand sie auf und schlug mit ihrem Schirm auf ihn ein.

Angeklagter greife schnell zu Nazi-Beschimpfungen

Dass die Frau den Angeklagten, so hatte dieser es behauptet, als „Negersau“ beschimpft hatte, stellte das Gericht nicht fest. Dafür sah es keinen Beleg.

Dass er die 58-Jährige als „Nazi-Hure“ beleidigt hatte, entsprach nach Ansicht des Gerichtes der Wahrheit. Die Kammer hatte noch Zeugen gehört und so erfahren, dass der Angeklagte schnell zu Nazi-Beschimpfungen greift.

Staatsanwalt Thomas Holz war in seinem Plädoyer von einem versuchten Totschlag ausgegangen und hatte neun Jahre Haft gefordert. Verteidiger Torsten Dercar sah dagegen eine fahrlässige Körperverletzung, ohne ausdrücklich ein bestimmtes Strafmaß zu fordern.

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