Geschichte

Familienforschung in Essen jetzt am Bildschirm

Viele Urkunden des Stadtarchivs sind vom Gebrauch schon reichlich lädiert. Robert Pastoors, digitale Technik Stadtarchiv, Kulturdezernent Andreas Bomheuer und Archivleiter Klaus Wisotzky (v.li.) stellten das Digitalisierungsprojekt vor.

Viele Urkunden des Stadtarchivs sind vom Gebrauch schon reichlich lädiert. Robert Pastoors, digitale Technik Stadtarchiv, Kulturdezernent Andreas Bomheuer und Archivleiter Klaus Wisotzky (v.li.) stellten das Digitalisierungsprojekt vor.

Foto: FUNKE Foto Services

Essen.  Das Stadtarchiv digitalisiert mehrere Millionen Familienstands-Urkunden. Für die Nutzer ist das bequemer und für die bis zu 150 Jahre alten Papiere schonender.

Viele Menschen sind neugierig auf ihre Familiengeschichte, doch reichen die leicht verfügbaren, mündlich weitergegeben Kenntnisse meist nur bis zu den Großeltern. Familienforscher gehören deshalb zu den Hauptkunden in städtischen Archiven, wo die Personenstandsunterlagen nach Ablauf der gesetzlichen Datenschutzfrist von 30 Jahren aufbewahrt werden und frei einsehbar sind. Um die Forschungsarbeit zu erleichtern und gleichzeitig die unersetzlichen Archivalien vor übermäßiger Nutzung zu schützen, hat das Essener Stadtarchiv jetzt in einem ersten Rutsch 170.000 Urkunden einlesen und digitalisieren lassen. Weitere sollen nach und nach folgen, sodass in vermutlich zehn Jahren alle Daten am Computer-Bildschirm durchgeblättert und bei Bedarf gedruckt werden können.

Von Gesetz wegen frei zugänglich sind derzeit die Geburtenregister von 1874 bis 1905, die Heiratsregister von 1874 bis 1935 und die Sterberegister von 1874 bis 1985. Digitalisiert wurden bislang nur die Geburtsakten des Standesamtes Essen I (Altstadt) und Essen II (Altendorf) Die Heirats- und Sterbeurkunden sollen in einem nächsten Schritt ebenso folgen wie die vielen kleineren Standesämter in den Gemeinden, etwa des alten Landkreises Essen.

Auf heutigem Essener Stadtgebiet gab es einmal bis zu 28 Standesämter

„In der Spitze gab es im Gebiet der heutigen Stadt Essen einmal 28 Standesämter“, sagt Klaus Wisotzky, Leiter des Stadtarchivs. Nach den diversen Eingemeindungsrunden lieferten die heutigen Stadtteile ihre Personenstandsurkunden im Essener Rathaus ab, die Akten blieben aber selbstredend erhalten. Die beispielsweise 1890 in Rellinghausen oder Werden geborene Uroma ist aber deshalb eben noch nicht auf elektronischem Wege verewigt. Nach ihren Daten muss vorerst noch auf herkömmlichen Weg recherchiert werden, also durch Sichtung der Akten per Hand.

Gut ist das für die bis zu 150 Jahre alten Papiere nicht, weshalb viele Städte zwar Auskünfte erteilen, aber die Akten selbst nicht zur Einsicht herausgeben. „Durch die Benutzung und das viele Blättern entstehen zwangsläufig auf die Dauer Schäden“, sagt Wisotzky, „dennoch waren wir bisher großzügig“. Rund 1700 recherchierende Nutzer zählt das Stadtarchiv pro Jahr, neun von zehn davon sind Familienforscher. So manche Akte geht also durch viele Hände.

Neben Bürgern, die einen Stammbaum erstellen oder aus anderen Gründen wissen wollen, wann ihre Vorfahren lebten, gibt es auch Auftragsforscher, die in strittigen Erb-Fragen Nachkommen oder Seitenlinien ausfindig machen oder die für Auswandererfamilien in Übersee tätig werden. Auch für sie ist die Digitalisierung eine Erleichterung.

Familienstandsdaten vor dem Jahr 1874 gibt es nur in Kirchenbüchern

Wer übrigens Daten vor dem Jahr 1874 benötigt, kommt im Stadtarchiv generell nicht weiter. Erst zu diesem Zeitpunkt übernahm der Staat das Personenstandswesen. Vorher war die Registrierung von Geburten, Heiraten und Todesfällen jahrhundertelang eine Aufgabe des jeweiligen Pfarrers. Nur selten reichen die Kirchenbücher in Deutschland allerdings weiter zurück als bis ins frühe 17. Jahrhundert.

Für die Digitalisierung hat das Stadtarchiv einen Jahresetat von 25.000 Euro. Das reicht für rund 300.000 Urkunden. Rund drei Millionen Urkunden gibt es, und jährlich kommen neue freigegebene hinzu. Obwohl der Stadt Kosten entstehen, bleibt das Forschen kostenfrei. Nur wer sich eine Urkunde ausdrucken lässt, zahlt fünf Euro.

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