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Facebook gewährt einen kleinen Einblick in sein Löschzentrum

Ein Blick in das Löschzentrum von Facebook in der Paul-Klinger-Straße.

Ein Blick in das Löschzentrum von Facebook in der Paul-Klinger-Straße.

Foto: Thomas Gödde

Essen.   Das neue Löschzentrum für Hasskommentare ist am Start. Der Job ist nichts für sensible Gemüter. Deshalb arbeiten dort auch vier Psychologen.

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Den Schriftzug „Facebook“ sucht man am Eingang der Paul-Klinger-Straße 13 bis 15 vergeblich. Nur die drei Buchstaben CCC zeigen Eingeweihten, dass sie in dem grauen Klinkerbau richtig sind: Hier, im Westviertel, hat Facebook bereits vor gut einem Monat die Arbeit in seinem neuem Löschzentrum für Hasskommentare aufgenommen. Es ist nach Berlin das zweite in Deutschland. Allerdings betreibt Facebook das Löschzentrum nicht selbst, sondern hat damit den Call-Centerspezialisten CCC beauftragt.

Dass Facebook bereits nach so kurzer Zeit Journalisten einen Einblick gewährt, ist auffallend. Offensichtlich hat der Konzern aus den Vorfällen in Berlin gelernt. Erst nach öffentlichen Klagen von Mitarbeitern über die belastende Arbeit und die Arbeitsbedingungen hatte Facebook die Türen dort für ausgewählte Medien geöffnet. Aber auch in Essen hat die Offenheit schnell ihre Grenzen. Die Journalisten dürfen keinen Mitarbeiter befragen. Auf deren Bildschirmen sind während des Rundganges keine Posts zu sehen. Aus Datenschutzgründen, wie es heißt. Auch auf den Pressefotos darf später kein Beschäftigter zu erkennen sein. Zum Schutz der Mitarbeiter, die mit sensiblen Inhalten umgehen müssten, lautet die Begründung.

Mehrstufiges Auswahlverfahren der Mitarbeiter

Was die Mitarbeiter auf ihren Bildschirmen täglich zu sehen und zu lesen bekommen, wird in dem Gespräch nur angedeutet. Der größte Teil der Arbeit sei das Löschen von Spam-Inhalten oder Fakeaccounts. Die „intensiven Themen“ seien in der Minderheit. Was Facebook mit „intensiven Themen“ meint, sind Gewaltszenen oder Kinderpornografie beispielsweise. Wer das mental nicht aushält, kann sich professionelle Hilfe suchen. Vier Psychologen in Vollzeit beschäftigt CCC im Essener Löschzentrum.

Psychologen waren auch bereits beim Einstellungsprozess der bisher 400 Mitarbeiter dabei. Denn wer für Facebook arbeiten will, muss einen mehrstufigen Prozess durchlaufen, bei dem vor allem geprüft wird, wie stressresistent und belastbar der jeweilige Bewerber ist.

Wie viele Inhalte, die Nutzer gemeldet haben, in Essen täglich bearbeitet werden, auch dazu nennt Facebook keine Zahl. Bundesweit löscht der Konzern nach eigenen Angaben jeden Monat 15 000 Hasskommentare. Die Kriterien dafür legt Facebook in so genannten Gemeinschaftsstandards fest, in denen die Mitarbeiter geschult werden und deren Anwendung regelmäßig einer Qualitätskontrolle unterzogen werde. All zuviel Einblick, wer und wie die Standards definiert werden, gibt es allerdings nicht.

Einstiegsgehalt liegt bei über 10 Euro

Dem möglichen Eindruck, die Mitarbeiter würden hier in Essen im Akkord Hassmails oder andere verbotene Inhalte löschen, tritt der zuständige Manager von CCC, Ulf Herbrechter, vehement entgegen. Jeder könne während seiner Arbeitszeit Pausen machen, so viel und so lange er wolle. Vorgaben, wie viele Löschmeldungen ein Mitarbeiter zu bearbeiten hat, gebe es nicht. Das sei auch nicht möglich, weil dies je nach Aufgabe sehr unterschiedlich sei. Allerdings wird im Gespräch durchaus angedeutet, dass Facebook sehr wohl qualitative und quantitative Vorgaben macht, die CCC umzusetzen hat. Schließlich schreibt der Gesetzgeber ab Januar vor, dass verbotene Inhalte binnen 24 Stunden gelöscht werden müssen.

Bis Ende des Jahres will CCC noch rund 100 Mitarbeiter in Essen einstellen, und ein weiteres Wachstum ist sehr wahrscheinlich. Beim kurzen Rundgang durch die Räume wird schnell klar: Um die Jobs haben sich längst nicht nur junge Leute, wie man vermuten könnte, beworben. „Wir haben auch viele ältere Mitarbeiter“, bekräftigt Herbrechter. Die Spanne der Qualifikationen reiche vom Berufsanfänger bis zum Akademiker. Einzige formale Voraussetzung sind gute Sprachkenntnisse in Deutsch und Englisch. Darüberhinaus gibt es in Essen Mitarbeiter, die arabisch, türkisch und kurdisch sprechen. Holländisch komme demnächst hinzu.

Auch bisherige Meldungen, die Mitarbeiter würden im Niedriglohnbereich arbeiten, will CCC so nicht stehen lassen. Anfänger steigen mit 10,65 Euro brutto Stundenlohn ein, erhielten aber für Wochenenddienste und Nachtarbeit großzügige Zuschläge. Je nach Dauer der Zugehörigkeit und der Aufgabe könnten es weit über 15 Euro sein.

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