Tag des offenen Denkmals

Fabrik-Attrappe von Krupp beim Denkmal-Tag zu besichtigen

An Tagen des offenen Denkmals war die Kruppsche Nachtscheinanlage in Velbert auch von Essenern ein gern besuchtes Ziel.

An Tagen des offenen Denkmals war die Kruppsche Nachtscheinanlage in Velbert auch von Essenern ein gern besuchtes Ziel.

Foto: Uwe Möller / WAZ FotoPool

Essen/Velbert.  Mit einer Scheinanlage in Velbert hielt Krupp mit Erfolg bis 1943 britische Bomber von der echten Fabrik ab. Anlage-Reste sind zu besichtigen.

Am Tag des offenen Denkmals am 8 September kann nach zweijähriger Pause erstmals wieder die so genannte Kruppsche Nachtscheinanlage besichtigt werden. Die mit einfachsten Mitteln realisierte Nachbildung der Kruppschen Gussstahlfabrik auf Velberter Gebiet knapp hinter der Essener Stadtgrenze sollte alliierte Bomberbesatzungen dazu verleiten, ihre der echten Fabrik zugedachten Bomben hier abzuladen. Den nur nachts angreifenden Piloten wurde suggeriert, dass sich hier die schlecht abgedunkelte und in Betrieb befindliche Fabrik befindet. So sollte die Attrappe Angriffe auf sich ziehen und von der rund zehn Kilometer entfernten tatsächlichen Fabrik abhalten, was von 1941 bis 1943 auch gelang. Danach verbesserte sich die Zielgenauigkeit durch Radarsysteme erheblich.

Die Anlage hat deutschlandweit ein gewisses Alleinstellungsmerkmal

Die Anlage war somit ein Scheinziel, eine Art riesige nächtliche Zielscheibe für die Flugzeuge – und eine permanente Gefahr für die inmitten der Anlage liegenden Bauernhöfe. Nach dem Krieg wurde die Anlage abgebaut und geriet in Vergessenheit. Nur der ehemalige Leitbunker der Scheinanlage blieb durch Zufälle unbeschädigt erhalten. Die Bunkeranlage in Velbert ist in Deutschland einer der ganz wenigen Überreste einer solchen Scheinanlage überhaupt und hat damit quasi deutschlandweit historisches Alleinstellungsmerkmal.

Das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk wird seit 2012 von einem Team der in Velbert und Umgebung aktiven ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger erhalten und erschlossen und anlässlich besonderer Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In den vergangenen Jahren fanden an Tagen des offenen Denkmals tausende geschichtsinteressierte Besucher ihren Weg auf den Rottberg. Die Kruppsche Nachtscheinanlage ist Gegenstand mehrerer übergeordneter wie auch lokaler Publikationen und zwischenzeitlich sogar von Filmbeiträgen geworden.

Vorträge werden geboten und neue Exponate erstmals präsentiert

Ehrenamtliche Mitarbeiter bieten von 10 bis 17 Uhr Vorträge zum Objekt und zur Geschichte der Nachtscheinanlage im historischen Kontext zum Luftkrieg des Zweiten Weltkrieges. Als neue Exponate präsentiert werden im Bunker die originalgetreue Rekonstruktion der elektrischen Schalttafel sowie eine weiter komplettierte technische Ausstattung, im Freigelände die Rekonstruktion von so genannten Täuschungsgeräten. Ferner gibt es einen Bücher- und Informationsstand. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, alles ist kostenlos.

Adresse: Asbachtal 2 - 6, Velbert, Zufahrt über Rottberger Straße, Einfahrt in Feldweg gegenüber dem Haus Rottberger Straße 64. Auf einer an den Bunker angrenzenden Wiese ist ein Parkplatz ausgeschildert. Besucher werden unbedingt gebeten, diesen zu nutzen, und nicht an der Rottberger Straße zu parken!

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