Prozess

Essener Student pöbelte nach WM-Spiel Polizisten an

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Getrunken hatten sie, nach einem WM-Spiel lautstark gefeiert. Als die Polizei klingelte, zeigte sich einer der Studenten wenig einsichtig. Jetzt muss er zahlen.

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Studiert hat er, arbeitet an seiner Doktorarbeit. Doch der hohe Bildungsstand hinderte den 31 Jahre alten Essener nicht daran, einen Polizeibeamten zu beleidigen. 500 Euro Geldbuße muss er jetzt zahlen, entschied das Amtsgericht, dann wird das Strafverfahren gegen ihn eingestellt.

Schnell stimmte der aus Hamburg stammende Angeklagte dem Vorschlag von Richter Matthias Pohlkamp zu. Vorher hatte es in seiner langen Einlassung noch so geklungen, als ob ihm kein Vorwurf zu machen sei.

Der Fall laut Anklage war einfach: Als Polizisten am 19. Juni die Huttroper Wohnung aufsuchten, weil ein Nachbar sich über Ruhestörung beschwert hatte, soll er sie mit „Ihr A...“ und „Ihr Wi...“ beleidigt haben.

Das klingt in den Worten des Angeklagten anders: Mit Kommilitonen hatte er das Fußball-WM-Spiel „Spanien-Chile“ geguckt. „Wir waren laut, haben uns gefreut, weil Spanien rausflog“, gibt er zu. Als die Polizisten gegen Mitternacht kamen, seien sie gerade in Richtung Kneipe gegangen, um weiter zu feiern. Das hätte die Polizisten beruhigt.

Couchtisch ging zu Bruch

Drei Stunden später seien sie zurück in der Wohnung gewesen. Laut? Nein, sie hätten schlafen wollen. Allerdings sei ein Couchtisch aus Glas zu Bruch gegangen, als sie eine Schlafcouch aufklappten. Kann ja passieren. Sicherlich eine Viertelstunde dauert es, bis der Angeklagte an diesem Punkt ist. „Sie behalten die Anklage im Blick?“, bemerkt Richter Pohlkamp.

Jedenfalls kehrte um 4.30 Uhr auch die Polizei zurück, erneut vom Nachbarn alarmiert. Der Angeklagte, gar nicht Mieter der Wohnung, wollte nach eigenen Worten „nur vermitteln“. Er hätte mit den Beamten diskutiert, was leider nicht auf Gegenliebe stieß. Dann warfen andere Studenten noch kluge Bemerkungen wie „geht lieber Räuber fangen“ ein, und der Angeklagte begann damit, einen der Beamten zu fotografieren. „Im Nachhinein war das dumm“, sagt er.

Beleidigung war liebevoll gemeint

Darauf beschränkt sich die Einsicht. Denn die Anklagevorwürfe bestreitet der Student. Er hätte zwar „Ihr A...“ gesagt, damit aber seine Freunde gemeint: „Bei uns herrscht ein rauer Ton.“ Aber Wörter wie ,Ihr A...’ seien liebevoll gemeint. Und das zweite Wort will er gar nicht gesagt haben.

Der Polizist, 29 Jahre alt, macht ruhig seine Aussage. Ihm ist das arrogante Auftreten des Angeklagten, die belehrende Art, haften geblieben: „Er sagte, seine Schwester oder Cousine studiere Jura. Man könne das auch anders regeln.“ Penetrant sei der Student gewesen. Klar, die Beleidigungen seien gegen ihn als Polizisten ausgesprochen worden. Zweifelsfrei.

Weil sich im Saal eigentlich jeder in die Rolle eines Polizisten hineinversetzen konnte, der sich nachts um vier Uhr kluge Bemerkungen eines betrunkenen Studenten anhören muss, sprach vieles für die Schuld des Angeklagten. Deshalb empfahl Richter Pohlkamp, die Einstellung gegen eine Geldbuße.

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