Gesundheitsbericht

Essener Stadtverwaltung hat auffallend viele Langzeitkranke

Bei der Stadtverwaltung Essen – hier ein Symbolbild – kämpfen auffallend viele Mitarbeiter mit Langzeiterkrankungen:

Bei der Stadtverwaltung Essen – hier ein Symbolbild – kämpfen auffallend viele Mitarbeiter mit Langzeiterkrankungen:

Foto: Franz Luthe

Essen.   Der Krankenstand im Essener Rathaus liegt mit 7,81 Prozent deutlich über dem Schnitt vergleichbarer Städte.  Die Gründe dafür sind unklar.

Die Zahl der Langzeitkranken unter den städtischen Mitarbeitern ist besorgniserregend hoch – und das auch im Vergleich mit anderen Städten ähnlicher Größe. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsbericht der Stadtverwaltung hervor, der sich ausführlich der Analyse und möglichen Prävention von Krankheiten der Rathaus-Bediensteten widmet.

Im Jahr 2017 waren demnach 2,9 Prozent aller Beschäftigten 43 Tage und länger krank – im Durchschnitt der Großstädte über 500.000 Einwohner waren es laut Zahlen des Städtetags nur 2,28 Prozent. Noch krasser war das Verhältnis im Jahr zuvor: In Essen waren 3,1 Prozent aller Mitarbeiter langzeitkrank gemeldet, im Bundesschnitt 2,24 Prozent.

Der Krankenstand aller deutschen Arbeitnehmer lang 2017 im Schnitt nur bei 4,1 Prozent

Da insgesamt fast die Hälfte aller Krankentage bei der Stadt auf Langzeitkranke entfallen, ist dies ein erheblicher Faktor. Während Essen 2017 einen Gesamt-Krankenstand von 7,81 Prozent verzeichnete, lag die Quote in anderen großen Stadtverwaltungen bei 7,29 Prozent.

„Dabei handelt es sich um die statistische Methode des Deutschen Städtetages auf Basis auch der Angaben der Krankenkassen“, betont die Leiterin der Gesundheits-Dienststelle im Rathaus, Nicole Mause. Nur diese Zahl mache letztlich Vergleiche möglich. Wie sehr Verwaltungen insgesamt stärker von Krankheitsmeldungen geplagt werden, zeigt der Krankenstand aller bundesdeutschen Arbeitnehmer, der 2017 im Schnitt bei 4,1, Prozent lag.

Für eine Analyse der Ursachen fehlen den Verantwortlichen konkrete Daten

Bei den Ursachen für die vielen Langzeitkranken stochern die Verantwortlichen im Nebel: „Wir können uns das zurzeit nicht erklären, weil dafür einfach die Daten fehlen“, sagt Personaldezernent Christian Kromberg. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wissen Arbeitgeber nicht, warum genau ein Mitarbeiter krankgeschrieben ist. Das weiter wachsende Durchschnittsalter der Beschäftigten allein könne nicht der Grund sein, das sei in anderen Städten schließlich ähnlich, so Kromberg.

Aus den Berichten der drei größten Krankenkassen AOK, Barmer und Techniker – mehr als zwei Drittel aller städtischen Mitarbeiter sind hier versichert – geht immerhin eines hervor: Neben Krankheiten des Atmungssystems und orthopädischen Problemen nimmt der Anteil an psychischen Störungen auffallend zu.

Für den Personalrat ist die Arbeitsverdichtung durch Einsparungen mitverantwortlich

Das passt durchaus zu einem Befund, der allerdings nicht ganz neu ist: „In Abteilungen mit vielen Kundenkontakten ist der Krankenstand auffällig höher als etwa im Kulturbereich.“ Immer wieder wird etwa im Jobcenter oder im Ausländeramt über maßlose verbale Aggressivität geklagt, die den Mitarbeitern schwer zusetzt.

Personalratschef Uwe Gaida bestätigt diese traurige Erkenntnis, lässt allerdings auch den Sparkurs der vergangenen Jahre nicht aus der Verantwortung. „Wir haben zuviel Personal abgebaut, die Belastungen sind parallel gestiegen – irgendwann spielt der Körper dann nicht mehr mit.“ Das gilt, obwohl auch Gaida einräumt, dass Krankheiten vielfach auch mit der persönlichen Lebensweise zu tun haben, auf die der Arbeitgeber wenig Einfluss hat.

Sicherer Arbeitsplatz - mehr krank feiern? Personaldezernent weist diese These zurück

Je sicherer der Arbeitsplatz, umso größer die Neigung, auch mal krank zu feiern – ist da nicht doch etwas dran, wenn man den Gesamt-Krankenstand in den Stadtverwaltungen betrachtet? „Für diese verbreitete These gibt es wissenschaftlich keinen Beleg“, sagt Personaldezernent Kromberg. Genauso könne man umgekehrt argumentieren, dass die städtischen Beschäftigten richtigerweise zu Hause blieben, wenn sie krank seien – und sich nicht etwa aus Angst vor Jobverlust zur Arbeit schleppten.

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