Urteil

Essener Rentnerin gewinnt Klage gegen die Postbank

Foto: Elena Boroda

Essen.   Die heute 70-Jährige hatte auf Anraten eines Postbank-Beraters in einen Solarfonds investiert. Doch dieser entpuppte sich als spekulative Anlage.

Eine Essener Rentnerin hat wegen falscher Anlageberatung erfolgreich gegen die Postbank geklagt. Die Postbank Finanzberatung musste der heute 70-Jährigen nach einem Urteil des Landgerichtes Hannover über 10 000 Euro Schadensersatz zahlen.

Die Frau hatte im Jahr 2010 auf Empfehlung eines Anlageberaters der Bank in den geschlossenen Solarfonds SolEs 22 GmbH & Co. KG investiert. „Meiner Mandantin wurde diese Finanzanlage als Altersvorsorge angedient, die absolut sicher sei“, sagt Helge Petersen, Anwalt bei der Kieler Kanzlei Helge Petersen & Collegen. Das besonders Dreiste: Die Rentnerin ist schwerbehindert, deshalb war es ihr wichtig, für Notfälle jederzeit Zugriff auf ihr Geld zu haben. Diesen Punkt schien der Berater völlig ausgeblendet zu haben.

Rendite-Versprechen von acht Prozent

Der von ihm verkaufte Fonds sollte jährlich eine Rendite von acht Prozent abwerfen. Doch er entpuppte sich schnell als Fehlinvestition: Schon nach der ersten Ausschüttung blieben weitere aus. 2015 ging die Frau schließlich zum Anwalt.

Helge Petersen wirft der Postbank Finanzberatung vor, der Essenerin eine spekulative Anlage verkauft zu haben, die sie gar nicht wollte. Im Beratungsgespräch sei nicht auf die Risiken hingewiesen worden – die bis zum Totalausfall hätten reichen können. Schließlich investierte die Frau mit dem Geld vornehmlich in eine Solaranlage in Spanien, wurde mit ihren Anteilen quasi sogar zu einer Unternehmerin. Die Laufzeit sollte zudem 25 Jahre betragen, dann wäre die Frau 88 Jahre alt gewesen.

Spanische Regierung kürzte Einspeisevergütung

Der Fonds hatte aber schon zur damaligen Zeit ein Problem: Die versprochene Rendite war stark von der Einspeisevergütung abhängig, die die spanische Regierung festsetzt. Da Spanien diese im Zuge der Finanzkrise zurückfuhr, stimmten folglich die Umsatzprognosen nicht mehr. Der Fonds-Prospekt soll diese veränderten Rahmenbedingen aber nicht abgebildet haben, behauptet Petersen, der zu einem eindeutigen Urteil kommt: „Für meine Mandantin war dies eine unbrauchbare Anlage.“

Die Postbank wollte sich auf Anfrage nicht zum konkreten Fall äußern. Allgemein erklärte ein Sprecher: „Es gab Risikohinweise auf mögliche negative Folgen von Gesetzesänderungen sowohl im Hauptprospekt als auch auf dem Beraterbogen. Ob der Fonds für den jeweiligen Kunden zum Zeitpunkt der Zeichnung geeignet war, hängt von der jeweiligen Situation des Kunden ab.“

Nach Angaben der Kanzlei Helge Petersen & Collegen vertritt sie hunderte Anleger, die in den Fonds investiert haben – hauptsächlich über die Postbank und ihrer Tochter. „In über 90 Prozent entscheiden die Gerichte positiv“, so Petersen.

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