Vergewaltigung

Essener Polizei ging im Stadtwald-Fall sehr hohes Risiko ein

Ein Kommentar von Frank Stenglein, Redaktionsleiter der WAZ Essen.

Ein Kommentar von Frank Stenglein, Redaktionsleiter der WAZ Essen.

Foto: WAZ

Essen.  Indem sie zunächst eine Vergewaltigung verschwieg, hat die Essener Polizei fragwürdig gehandelt. Andere Frauen wogen sich in falscher Sicherheit.

In den Wohnquartieren rund um den Stadtwald ist die Verunsicherung groß und mittlerweile kommt auch Wut hinzu. Drei Mal hat ein Sexualstraftäter in den letzten Monaten zugeschlagen. Bereits Mitte Dezember passierte eine vollendete Vergewaltigung, die zwei anderen Fälle gingen für die betroffenen Frauen mit viel Glück und dank heftiger Gegenwehr glimpflich aus. Den ersten Fall hat die Polizei bewusst nicht kommunziert und damit große Verantwortung auf sich geladen.

Die Kenntnis des ersten Falles hätte mutmaßlich erhöhte Vorsicht ausgelöst

Denn hätte sie es getan, wären die beiden anderen Frauen vielleicht nicht in eine ähnliche Situation geraten, weil die Kenntnis des ersten Falles mutmaßlich erhöhte Vorsicht ausgelöst hätte. Das ist keine wilde Spekulation, sondern entspräche normalen menschlichem Verhalten. Ermittlungstaktische Gründe hätten gegen die Information gesprochen, zudem habe man nicht die Neugier der Öffentlichkeit befriedigen wollen, argumentiert die Polizei. Auch sei zunächst nicht sicher gewesen, dass es sich um einen Serientäter handele.

Auch wenn man einige dieser Argumente halbwegs nachvollziehen kann, so bleibt dieses Vorgehen eine Gratwanderung. Man muss in der Wortwahl nicht soweit gehen wie ein besorgter Vater, der mutmaßte, die Polizei habe Frauen „in die Falle laufen lassen“. Faktisch lief es aber leider eben doch darauf hinaus. Wie gesagt: Die Fälle zwei und drei gingen glimpflich ab, wobei die psychischen Folgen unabsehbar sind, selbst wenn es gelang, sich einem Verbrecher knapp zu entziehen. Wäre es aber anders gewesen, so hätte Essens Polizei jetzt einen handfesten Skandal zu bearbeiten.

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