Poetry Slams

Essener Poetry Slammer absolviert Tour durch 20 Länder

Wo die Auftritte aber so richtig Spaß machen: Der Essener „Poetry Slammer“ Frank Klötgen besuchte auf seiner  Abschieds-Welt-Tournee auch den legendären Strand von Waikiki in Honolulu auf Hawaii und trat dort in einem Club auf.

Wo die Auftritte aber so richtig Spaß machen: Der Essener „Poetry Slammer“ Frank Klötgen besuchte auf seiner Abschieds-Welt-Tournee auch den legendären Strand von Waikiki in Honolulu auf Hawaii und trat dort in einem Club auf.

Essen.  Der Essener Poetry Slammer Frank Klötgen absolviert eine ungewöhnliche Reise um die Erde.

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In zwei Jahren könnte Frank Klötgen sein 20-jähriges Jubiläum als Poetry Slammer feiern. Könnte – denn der gebürtige Essener geht bereits im nächsten Jahr in Slammer-Rente. Doch ein Szene-Urgestein wie er geht nicht einfach: Sein letztes aktives Jahr verbringt er mit einer beeindruckenden Welttournee. 200 Auftritte will er bis Dezember in 20 Ländern absolviert haben.

Wo könnte man so eine Tour besser beginnen als in dem Club, in dem vor 30 Jahren der Poetry Slam seine Geburtsstunde feierte? Natürlich nirgends sonst, und so stand Frank Klötgen am 3. Januar in Chicago auf der Bühne des Clubs Green Mill. „Der hat einst Al Capone gehört“, schwärmt Klötgen, der noch einen weiteren Grund für seine Schwärmerei preisgibt: „Der Slam dort wird immer noch von Marc Kelly Smith moderiert.“ Der hatte den Dichter-Wettstreit 1986 erfunden und damit der Poesie neue Coolness verliehen. Klötgen war an diesem Abend Ehrengast. Gut, dass viele seiner Werke vom Goethe-Institut ins Englische übersetzt worden sind. „Ein Gedicht habe ich aber auch auf Deutsch vorgetragen. Das musste doch sein.“

Entwicklung kritisch sehen

Eindruck hat auch der Pariser Slam hinterlassen: „Da sind an einem Abend 51 Slammer aufgetreten“, berichtet Klötgen, „eine unglaubliche Masse“. Ein solcher Slam-Abend sei in Deutschland undenkbar, zumal sich bei den deutschen Veranstaltungen eine ganz eigene Struktur entwickelt habe, die es sonst nirgends auf der Welt gebe. So stehe in Deutschland viel mehr der Slammer im Mittelpunkt: „Nirgendwo sonst gibt es so viele Slam-Stars wie hier – und nirgendwo ist es so einfach, mit dem Slammen Geld zu verdienen“, stellt der 47-Jährige fest. Dafür habe man hierzulande die Struktur angepasst: „Alles, was einem kommerziellen Erfolg entgegensteht, wurde weggeräumt.“ Gedichte und experimentelle Verse seien in den Hintergrund getreten, pointierte Prosa habe Überhand gewonnen.

„Heute sind lustige Texte mit einem stark moralisierendem Schluss erfolgreich.“ Eine Entwicklung, die Klötgen nicht schmeckt, ist er doch der traditionellen Versform mit musikalisch-rhythmischem Einschlag treu geblieben. Bei Wettbewerben habe er immer öfter das Nachsehen gegenüber jüngeren Teilnehmern – auch, weil anders als in anderen Ländern das deutsche Publikum fast nur aus jungen Menschen bestehe. „In den USA sitzen auch ältere Persönlichkeiten im Publikum, die Spaß an ungewöhnlicher Lyrik haben“, so Klötgen.

Tour-Erlebnisse als Buch

Der Spaß an Slams in Deutschland ist ihm vergangen – daher auch der Schlussstrich. Bis zum Ende stehen aber noch einige Orte für seine Welttournee auf dem Programm: Stationen wie Seattle, Vancouver, Honolulu hat er absolviert, auch in Wien, Sardinien oder Davos gastierte er. Bis Ende des Jahres folgen z.B. Slams auf den Seychellen, in Abu Dhabi, Madagaskar und in Argentinien. Wer seine Welttournee mitverfolgen will, kann dies im Internet tun: Unter www.klötgen.de veröffentlicht er Gedichte und Bilder.

In Rente geht Klötgen aber danach nicht, nur mit dem Slammen ist Schluss: „Aus meinen Erlebnissen in diesem Jahr soll ein Buch entstehen“, verrät er. Auch macht Klötgen weiter mit seinen Lesebühnen in Berlin und München, wo er mittlerweile lebt. Und Essen bleibt er als Moderator des Grend Slams im Steeler Kulturzentrum erhalten – überall dort kann er seine Kunst ganz ohne Wettbewerbsdruck zum Besten geben.

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