Ausstellungsprogramm

Essener Museum Folkwang zeigt Keith Haring und Kippenberger

Teamarbeit: (v. li.) Hans Jürgen Lechtreck (stellv. Museumsdirektor), die Kuratoren Tobias Burg,  Peter Daners, Isabel Hufschmidt und René Grohnert (Leiter Deutsches Plakat Museum), Folkwang-Direktor Peter Gorschlüter, Kuratorin Anna Fricke und Foto-Chef Thomas Seelig blicken auf 2020.

Teamarbeit: (v. li.) Hans Jürgen Lechtreck (stellv. Museumsdirektor), die Kuratoren Tobias Burg, Peter Daners, Isabel Hufschmidt und René Grohnert (Leiter Deutsches Plakat Museum), Folkwang-Direktor Peter Gorschlüter, Kuratorin Anna Fricke und Foto-Chef Thomas Seelig blicken auf 2020.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Plakate gegen Aids und Karikaturen von Fellini: Museum Folkwang setzt auf Vielfalt und würdigt mit Martin Kippenberger einen Künstler aus Essen.

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2020 wird für Essen ein Jubiläumsjahr: 10 Jahre Kulturhauptstadt, 10 Jahre Ruhr Museum. Auch der noble Chipperfield-Neubau fürs Museum Folkwang wurde 2010 eröffnet. Auf die große Geburtstagsfeier kann man aber getrost verzichten, weil in den folgenden Jahren noch viel größere Gedenktage anstehen. 2021 gilt es, an den 100. Todestag von Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus zu erinnern. 2022 wird das Museum Folkwang in Essen dann 100 Jahre alt. Das Versprechen steht, im Jubiläumsjahr noch stärker in die Stadt hineinzuwirken. Als Vorgeschmack zeigt das Museum Folkwang im kommenden Jahr mit Keith Haring schon einmal einen Künstler, der die Brücke zwischen Straße und Kunstwelt so selbstverständlich geschlagen hat wie kein anderer. Die große Retrospektive des US-amerikanischen Künstlers im Mai 2020 ist ein Höhepunkt des neuen Ausstellungsjahres.

Schnelle Bilder in einer schnellen Welt: Wie Keith Haring in weniger als zwei Jahrzehnten ein Weltstar wurde, dessen ikonografische Zeichensprache bis heute jedem geläufig ist, soll ein Thema der Ausstellung sein. „Haring war nicht nur ein großer Zeichner, sondern auch ein Netzwerker und Performer“, sagt Kurator Jürgen Lechtreck. Mit seinen bellenden Hunden, fliegenden Untertassen und tanzenden Strichmännchen setzte der Street-Art-Künstler öffentliche Zeichen gegen Rassismus, Homophobie und für Aids-Aufklärung.

Internationale Plakate gegen Aids

Beispiele seiner „Subway Drawings“ aus New Yorker U-Bahnhöfen sind in Essen ebenso zu sehen wie Gemälde, Plakate, Schallplattencover und Videos über frühere Performances und Ausstellungen. Vieles davon sind Leihgaben der Keith Haring Foundation. Energieversorger Eon, in früheren Jahren stets Partner der großen Folkwang-Sonderschauen, konnte 2020 zudem wieder als Hauptsponsor gewonnen werden. Begleitet wird die große Schau über Haring, der 1990 mit nur 31 Jahren an Aids verstarb, von der Plakatausstellung „Rettet die Liebe“. Zu sehen sind rund 300 Plakate aus aller Welt, die sich mit Aids-Aufklärung im jeweiligen kulturellen Kontext der Länder beschäftigen. Damit werde ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, um das es zuletzt allzu still geworden sei, sagt Museumsdirektor Peter Gorschlüter.

Kunstinstallation ist so groß wie ein Fußballfeld

So wie Keith Haring mit seinen markanten Zeichen und Botschaften auf Plattformen wie Facebook und Instagram heute vermutlich einer der meistverbreiteten Künstler wäre, dürfte auch einer wie Martin Kippenberger mit seinen lakonischen Sprüchen („Heute denken, morgen fertig“) im Kürzel-Kosmos von Twitter zu einigem Ruhm gelangt sein. Der in Essen aufgewachsene und bereits mit 44 Jahren gestorbene Protestkünstler erlebte seinen großen musealen Durchbruch aber erst postum. Nachdem ihm die Bonner Bundeskunsthalle derzeit eine große Retrospektive „Bitteschön Dankeschön“ widmet, bereitet ihm ab November 2020 auch das Museum Folkwang die große Bühne. Kippenbergers Fußballfeld-große Installation „The Happy End of Franz Kafka’s ,Amerika’“ wird erstmals seit vielen Jahren wieder vollständig in Deutschland aufgebaut. Der gewaltige Kunstspielplatz mit den 50 Tisch- und Sitzgruppen soll an ein aberwitziges Aufnahme-Camp für Migranten und Jobsuchende erinnern, so das Museum. Gewürdigt werde damit „der bedeutendste Nachkriegskünstler der Stadt“.

Foto, Film und Video sind weitere Schwerpunkte des kommenden Ausstellungsjahres. So knüpft der Dresdener Künstler Mario Pfeifer mit seiner in Essen neu produzierten Videoinstallation zum Thema Cyberkriminalität an die Tradition des Videostudios an, mit dem das Museum Folkwang Ende der 1960er Jahren bereits eine Vorreiterrolle in der deutschen Museumslandschaft bekleidete.

Auch die herausragende Fotografische Sammlung des Hauses soll mehr Entfaltungsraum bekommen. Im Untergeschoss des Museums, viele Jahre lang Stammplatz ausgewählter Foto-Ausstellungen, soll es künftig wieder ständige Präsentationen der eigenen Sammlung in Kombination mit Gegenwartspositionen geben. „Über Tage“ kann das Publikum ab dem 21. Februar die Fotoarbeiten von Aenne Biermann entdecken. Unter dem Titel „Vertrautheit der Dinge“ wird die Autodidaktin und bekannte Vertreterin der deutschen Avantgardefotografie mit rund 130 Arbeiten gezeigt. Eigene Bestände werden durch Leihgaben der Stiftung Ann und Jürgen Wilde ergänzt.

Filmszenen und Zeichnungen von Fellini

„La Dolce Vita“ bringt schließlich eine Ausstellung ins Museum, die sich mit Filmemacher Federico Fellini als Zeichner beschäftigt. Karikaturen waren nicht nur seine erste Einnahmequelle, sagt Kurator Tobias Burg. Auch beim Entwurf von Szenen und Figuren bediente er sich immer wieder der schnellen Skizze. So erlebt man ab dem 23. Oktober Filmstills, Aufnahmen vom Set und Filmausschnitte in Kombination mit Fellinis zeichnerischem Werk.

Vom Entwurf zum architektonischen Leuchtturm: Unter dem Titel „Und so etwas steht in Gelsenkirchen . . . “ gewährt das Museum Folkwang erstmals einen Blick in die Bestände des Baukunstarchivs NRW. Ab dem 11. September werden einige der wichtigsten Kulturbauten des Ruhrgebiets zwischen 1950 bis 2020 vom Aalto-Theater bis zum Bottroper Josef Albers Museum vorgestellt.

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