Hilfsaktion

Odessa hilft: Essener bringen Lkw zur ukrainischen Front

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Die Ehrenamtlichen des Essener Vereins „Odessa wir helfen“, Daniel Reinhardt (r.) und Nathanael Preuß mit einer ukrainischen Bekannten.

Die Ehrenamtlichen des Essener Vereins „Odessa wir helfen“, Daniel Reinhardt (r.) und Nathanael Preuß mit einer ukrainischen Bekannten.

Foto: Daniel Reinhardt

Essen-Haarzopf.  Neunte Fahrt des Essener Vereins „Odessa wir helfen“ führt direkt ins Kriegsgebiet. Der Vorsitzende Daniel Reinhardt aus Haarzopf berichtet.

  • Der Verein „Odessa wir helfen“ hat sich aus einer Gruppe von Ehrenamtlichen gegründet.
  • Jetzt stand die neunte Fahrt der Helfer ins ukrainische Kriegsgebiet an.
  • Dabei wurden zwei Kranken-Transporter direkt an der Front übergeben.

Mitglieder des in Essen-Haarzopf gegründeten Vereins „Odessa wir helfen“ sind gerade von ihrer neunten Hilfstour ins ukrainische Kriegsgebiet zurückgekehrt. Zwei der Helfer waren sogar unmittelbar an der Front – kein ungefährliches Unterfangen.

Neun Helfer starteten dieses Mal Richtung Ukraine. Von Odessa aus ging es mit vier Fahrzeugen zu dem Kinderheim im Raum Cherson/Mykolajiw, für das der Verein die Patenschaft übernommen hat. Das berichtet der Haarzopfer Daniel Reinhardt, einer der Organisatoren und Vorsitzender des Vereins. In dem Heim leben nach seinen Angaben 200 Kinder, zu 90 Prozent Kriegswaisen aus Cherson. Für sie hatten die Ehrenamtlichen Freizeitartikel wie Trampoline, Roller, Fußballtore, aber auch Schulbedarf und Kleidung sowie eine komplette Großkücheneinrichtung mit allen nötigen Geräten dabei.

Helfer aus Essen bringen Krankentransporter direkt an die ukrainische Front

„Anschließend haben wir noch ein Krankenhaus in Cherson mit einer Kleinkinder- und Säuglingsstation besucht“, so Reinhardt. Dort habe man Babyhochstühle, Babynahrung, Windeln und Medikamente abgeliefert. Während sieben der Helfer dann wieder Richtung Essen starteten, folgte für Nathanael Preuß und Daniel Reinhardt der schwierigste und gefährlichste Teil der Hilfstour.

In Begleitung des ukrainischen Militärs ging es von Odessa aus an die Front nach Marianka/Wuhledar. „Dieser Frontabschnitt liegt im Bereich Donezk und hat neben Bachmut die heftigsten Kämpfe zu verzeichnen. Wir haben dort persönlich zwei Fahrzeuge übergeben: einen in Deutschland zu einer mobilen OP-Station umgebauten Lkw und einen VW-Bus, der auch zum Bergen von Verletzten aus der Frontreihe genutzt wird, damit sie in ein Krankenhaus gebracht werden können“, so Reinhardt.

Der Umbau des Lkw sei von Dr. Dennis Prokofiev, Oberarzt am Klinikum Dortmund und niedergelassener Urologe in Herdecke, der in der Ukraine geboren wurde, initiiert und zusammen mit dem Verein „Odessa wir helfen“ durchgeführt worden. Der Wagen sei direkt an eine Sanitätereinheit übergeben worden, der Bus ebenfalls an eine dort stationierte Einheit zusammen mit weiteren Hilfsgütern.

Eskortiert vom Militär – anders sei es aufgrund des dauerhaften Beschusses nicht möglich gewesen – hätten die Helfer den Frontbereich wieder verlassen und die Rückfahrt nach Essen angetreten. „Wir fahren die Hilfsgüter nicht einfach in die Westukraine und geben sie dort ab, weil es seit der Vereinsgründung unser Anliegen ist, dort zu helfen, wo die Hilfe am meisten gebraucht wird. Und das ist nun mal in den umkämpften Gebieten der Fall.“

Die Ehrenamtlichen orientieren sich an dem Verhalten der Einheimischen

So könne man allen, die sich im Rahmen von „Odessa wir helfen“ engagieren, zusichern, dass die Spenden tatsächlich dort ankämen, wo sie gebraucht würden. Angst dürfe man in solchen Situationen nicht haben, wohl aber Respekt, betont Reinhardt, selbst Ehemann und Familienvater. Die Helfer aus Deutschland orientierten sich vor Ort am Verhalten der Einheimischen, die schon mehr Erfahrung mit gefährlichen Situationen hätten. Die Planungen für die zehnte Fahrt, die wohl im Mai stattfinden werde, liefen bereits.

Der Verein „Odessa wir helfen“ ist aus einer Gruppe von Hilfswilligen hervorgegangen, die zu Beginn des Krieges von Haarzopf aus Lebensmittel in die Ukraine, damals vor allem nach Lwiw (Lemberg) brachten und auf der Rückfahrt Frauen und Kinder aus den Kriegsgebieten mitbrachten. Daniel Reinhardt und seine Familie beherbergten zum Beispiel drei Monate lang eine Mutter mit Kind aus Odessa. So entstand eine besondere Beziehung zu der Stadt an der Schwarzmeerküste und einer dortigen Hilfsorganisation.

Odessa sei von Essen aus gesehen noch einmal 800 Kilometer weiter als zum Beispiel Lwiw nahe der polnischen Grenze. Deshalb komme in Odessa weniger Hilfe an, erklärt Reinhardt das neue Hauptziel des Vereins, der sich inzwischen vor allem auf medizinische Hilfe spezialisiert hat.

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