Clan-Kriminalität

Essener Behörden gelingt neuer Schlag gegen Clankriminalität

Erneut war das „Chocolate“ an der Kastanienallee in Essen Ziel behördlicher Maßnahmen.

Erneut war das „Chocolate“ an der Kastanienallee in Essen Ziel behördlicher Maßnahmen.

Foto: Justin Brosch / ANC-NEWS

Essen.  Ermittler durchsuchten Wohnungen und eine Shisha-Bar: Es geht um den Verdacht der Hehlerei, des Leistungsbetrugs und der Insolvenzverschleppung.

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Die Essener Clan-Größe Jamal R. sitzt seit einigen Tagen in Haft, da haben die Behörden am Dienstagmorgen zu einem weiteren konzertierten Schlag gegen weitere mutmaßlich kriminelle Mitglieder der arabisch-libanesischen Familie ausgeholt: Wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Hehlerei, des Sozialleistungsbetruges und der Insolvenzverschleppung durchkämmten Polizei, Zoll und Stadt Essen mit mehreren Durchsuchungsbeschlüssen des Amtsgerichts sechs Objekte in Essen und eins in Duisburg.

Die Beamten nahmen die Wohnungen der Beschuldigten im Alter von 20, 45 und 42 genau so ins Visier wie ein Bankschließfach und das „Chocolate“, eine Shisha-Bar an der Kastanienallee, die bekanntlich von der Familie R. betrieben wird. Dort stellten die Ermittler 13 Kilogramm unversteuerten Tabak sicher. Zudem wurden eine fünfstellige Summe Bargeld, ein hochwertiger BMW, zwei Dolche, Schmuck, diverse Geschäftsunterlagen als auch Speichermedien einkassiert.

20-Jähriger ging auf die Beamten los und kam ins Gewahrsam

Einer der Beschuldigten, bei dem es sich um einen 20 Jahre alten Sohn des inhaftierten Jamal R. handeln soll, ist während des Einsatzes, bei dem zivile Kräfte von einer Hundertschaft unterstützt wurden, auf die Beamten losgegangen, berichtete die Polizei. Wie deren Sprecherin Sandra Steinbrock sagte, sei der junge Mann für die Dauer der Durchsuchungen in Gewahrsam genommen worden. Nähere Details gaben die beteiligten Behörden zunächst nicht bekannt.

Mit der Aktion am Dienstag können die Behörden womöglich einen weiteren Erfolg beim Kampf gegen die Clan-Kriminalität in Essen verbuchen. Vor dem ersten Advent hatten die Ermittler nach vielen Verfahren gegen „gewöhnliche Intensivtäter“ aus dem Milieu erstmals einen mutmaßlich Kriminellen abgefischt, „der eine Klasse höher spielt“, wie es heißt: Jamal R. (45), Inhaber der Shisha-Bar „Chocolate“ an der Kastanienallee und angeblich einflussreiches Mitglied eines Clans mit guten Kontakten nach Berlin, sitzt seitdem unter dem Verdacht des schweren Raubes und der gefährlichen Körperverletzung in Untersuchungshaft.

Gewaltorgie gegen den Sohn auf einem Spielplatz gefilmt

Dem Zugriff waren monatelange Ermittlungen vorausgegangen. Jamal R. wird vorgeworfen, dass er sich persönlich an jenen Schlägern rächen wollte, die seinen 18 Jahre alten Sohn im Sommer auf einem Schulhof in Altendorf übel zugerichtet und die Gewaltorgie auch noch gefilmt und ins Netz gestellt hatten. Der junge Mann aus dem Clan R. soll sich für eine junge Frau aus einer anderen arabisch-libanesischen Familie interessiert haben. Den acht Tatverdächtigen wird zurzeit der Prozess vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Essen gemacht.

Die durch diesen Konflikt geschürte Fehde verfeindeter Familien sollte durch einen Friedensrichter, der Anfang Juli mit einem ganzen Tross aus Berlin nach Essen reiste, aus der Welt geschafft werden. Doch die Polizei war schneller und unterband das Treffen, das im „Chocolate“ stattfinden sollte, eben jener Bar, die jetzt erneut Ziel behördlicher Aktionen war.

Damals wurden mehrere Clan-Größen kontrolliert und mehr als zwei Dutzend Platzverweise gegen Störer erteilt, die die behördlichen Maßnahmen zu verhindern versuchten. Zudem gab es eine Strafanzeige nach einem Widerstand. Nach der Sicherstellung von mehreren hundert Euro wird seitdem aber auch gegen einen Sozialhilfeempfänger ermittelt – ebenfalls wegen des Verdachts des Leistungsbetrugs. Daraus könnten sich durchaus Hinweise ergeben haben, die letztlich zu den jüngsten Durchsuchungsbeschlüssen führten.

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