Brunnen in der Innenstadt

Essen will einen neuen Brunnen – das wurde aus den alten

„Die Große Badende“ auf dem Gildenplatz – heute Kennedyplatz – in den 1960er Jahren.

„Die Große Badende“ auf dem Gildenplatz – heute Kennedyplatz – in den 1960er Jahren.

Foto: Fotoarchiv Ruhrmuseum

Essen.   Die Stadt Essen möchte in der Innenstadt einen neuen Brunnen bauen. Andere wurden zu Wasserspielen umgestaltet oder verschwanden wieder.

Alles ist im Fluss, wenn es um einen neuen Brunnen in der Innenstadt geht: Die Stadt Essen möchte einen solchen gerne 2020 anlegen, denn dann sind zehn Jahre vergangenen, seit sich Essen Kulturhauptstadt Europas nennen durfte. Anlass genug, an dieses herausragende Ereignis mit einer Installation dauerhaft zu erinnern, finden die Verantwortlichen im Rathaus.

Ihnen schwebt ein Brunnen vor oder ein Wasserspiel. Ein Gestaltungswettbewerb soll konkrete Vorschläge hervorbringen, sobald ein geeigneter Standort gefunden ist.

Die Politik hat sich von dieser Idee bislang nicht mitreißen lassen. Zuletzt meldete die SPD-Fraktion im Bauausschuss des Stadtrates Beratungsbedarf an. Ob der Beschlussvorschlag der Verwaltung überhaupt noch einmal auftaucht? Mancher im Rat hat da so seine Zweifel.

Mit Brunnenbauwerken hat die Stadt schließlich so ihre Erfahrungen gemacht. Erinnern Sie sich noch an den „Wasserwald“ an der Kettwiger

Straße? Der Düsseldorfer Künstler Norbert Kricke legte ihn 1976 dort gleich hinter dem Handelshof an. 400.000 D-Mark ließ die Stadt sich das Kunstwerk kosten. Der Wasserwald bestand aus 22 durchsichtigen Acrylsäulen; innen wurde Wasser hochgepumpt, außen floss es ab. Das sah hübsch aus. Vor allem Kinder mit ihren Patschehändchen hatten ihren Spaß an dem Wasserwald.

Im Jahr 2004 wurden die letzten drei Wassersäulen eingemottet

Andere freuten sich diebisch, wenn sich dichte Schaumkronen über das Pflaster ergossen, weil wiedermal irgendein Spaßvogel Waschmittel in den Wasserkreislauf gegossen hatte. Nein, wirklich zu schätzen wussten die Essener das Kunstwerk nicht. So mancher schlug sich im Wasserwald sogar in die Büsche, weshalb aus den Kricke-Säulen bald im Volksmund die Pinkelsäulen wurden. Mit der Zeit lichtete sich der Wald. Vandalismus trug dazu bei. Es fehlte an Ersatzteilen. 2004 wurden die letzten drei Säulen abmontiert und im städtischen Bauhof Sessenberg eingemottet. Niemand beschwerte sich darüber. Der Künstler selbst war 1984 verstorben. Jahre später wurde der Bauhof abgerissen, die verbliebenen Säulen wurden gleich mitentsorgt.

Heute findet sich hinter dem Handelshof ein Wasserspielplatz. Gespeist wird er aus der Zisterne, aus der auch der Säulenwald sein Wasser schöpfte.

Kindheitserinnerungen dürften bei vielen Essener auch alte Bilder vom Kennedyplatz wecken. Der hieß bis 1963 noch Gildenplatz. Die Kinder planschten zu Füßen der Großen Badenden, 1914 geschaffen vom Bildhauer Georg Kolbe. An der Ostseite des Platzes erstreckte sich eine terrassenförmige Springbrunnenanlage, auch sie war in heißen Sommermonaten als Planschbecken sehr beliebt.

Die „Große Badende“ steht heute im Grugapark

1988 wurde unter dem Kennedyplatz eine Tiefgarage gebaut. Die Große Badende musste deshalb umziehen in den Grugapark, wo sie heute noch steht. Der Springbrunnen hingegen wurde abgetragen. So erging es auch den rechteckigen Wasserbecken auf dem Kurienplatz. Der wurde 1994 zum Kardinal-Hengsbach-Platz. Die Becken wichen einem künstlichen Bachlauf, der leider trocken liegt. In diesem Sommer soll das Wasser wieder fließen.

>>>> BRUNNEN IN DER INNENSTADT

  • In der Innenstadt sind nach Angaben der Stadtverwaltung ­aktuell folgende zwölf Brunnen funktionsfähig:
  • Hirschlandplatz (Schalenbrunnen), Spielplatz am Handelshof, Hauptbahnhof (Fontänen), Jahrhundertbrunnen vor der Altkath. Friedenskirche, Burgplatz, Dom, Kennedyplatz, Fontänengasse, Rheinischer Platz, Weberplatz, Rathaus, Geno-Bank.

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