Familiendrama

Essen: Vater verschleppt seine fünf Kinder in die Türkei

Ein Essener hat seine fünf Kinder offenbar in die Türkei verschleppt. Seine Frau macht sich große Sorgen.

Ein Essener hat seine fünf Kinder offenbar in die Türkei verschleppt. Seine Frau macht sich große Sorgen.

Foto: Friso Gentsch / picture alliance/dpa

Essen.  Ein Mann aus Essen hat seine fünf Kinder in die Türkei verschleppt und bedroht ihre Mutter massiv. Die Polizei ermittelt wegen der Entführung.

Im Dezember wandte sich die Essenerin Zeynep K. verzweifelt an die Polizei und erstattete Anzeige gegen ihren Mann. Die 33-Jährige berichtete den Beamten, dass ihre fünf Kinder von ihrem Ehemann in die Türkei verschleppt wurden. Die Behörden sprechen in solchen Fällen von „Entziehung“, nicht von Entführung. Für die Mutter ist es ein Martyrium, das schon Jahre zuvor begann.

Der Bild-Zeitung (Bezahlinhalt) berichtete Zeynep K. jetzt, dass sie schon seit drei schmerzlichen Monaten um ihre drei Jungen (13, 15, 16) und zwei Mädchen (4, 7) bangt. Seit jenem Tag, an dem Ali K. die Kinder aus Essen in die Türkei mitnahm. Er soll es nicht ertragen haben, dass sie sich nach 16 Jahren Ehe von ihm getrennt habe. Wobei es sich bei der Beziehung der K.s schon lange eher um Gefangenschaft als um Liebe gehandelt habe.

Junge Frau aus Essen wurde in arrangierte Ehe gedrängt

Als Kind sei sie mit ihren Eltern aus der Türkei gekommen, berichtet Zeynep . Mit 17 Jahren habe sie den elf Jahre älteren Ali K. – einem Verwandten ihrer Mutter – heiraten müssen. Einem Reporter berichtet die verzweifelte Frau, dass sie bis zur Hochzeit einen offenen, westlichen Lebensstil gepflegt habe. Sie habe sich wie ihre Freundinnen geschminkt und auch mal kurze Röcke getragen.

Ihr konservativer Mann habe dem jedoch schnell ein Ende bereitet. „Ich durfte nicht mehr ausgehen, musste auf einmal ein Kopftuch tragen, ihm völlig zu Diensten sein. Gehorchte ich nicht, schlug er mich“, berichtet Zeynep K. der Bild.

Mann drohte seiner Ehefrau, sie zu töten

Der Zeitung gibt sie auch ein Foto, das Ali K. ihr jüngst gesendet habe. Es zeigt ihre fünf Kinder, die alle jeweils eine Waffe in der Hand halten. Es handelt sich wohl nur um Attrappen, aber die 33-Jährige versetzt das Bild dennoch in Sorge. Sie fragt sich, was Ali K. ihren Kindern beibringt. Die Essener Polizei erfährt erst durch die Medien von diesem Bild. Dabei könne es für die Ermittlungen wichtig sein, erklärt Polizeisprecher Peter Elke im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Sorgen der Essenerin haben eine Geschichte: Nachdem er die Kinder weggebracht habe, habe Ali K. seiner Frau am Telefon mit dem Tod gedroht, falls sie nicht zu ihrer Familie in die Türkei nachreise.essenerin seit mai vermisst- ehemann geht durch die hölle

Mann ist der Polizei Essen als gewalttätig bekannt

Ali K. ist bereits als Gewalttäter polizeibekannt. 2013 überfuhr er nach einem Streit seine Schwägerin und verletzte sie schwer. Dafür wurde er zu fast drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er im Oktober 2017 antrat. Im Mai 2019 wurde K. auf Bewährung entlassen, wie die Essener Polizei bestätigt. Danach sei alles noch viel schlimmer geworden, ehe die verzweifelte Frau und Mutter die Flucht zu ihren Eltern gewagt habe.

Ihre beiden vier- und siebenjährigen Töchter habe sie dorthin mitgenommen. Doch eines Tages holte der Kindesvater die Mädchen heimlich von Kita und Schule ab. Seither sind sie in der Türkei und getrennt von ihrer Mutter. Inzwischen haben die deutschen Behörden die Ermittlungen aufgenommen.

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