Ende des Bergbaus

Essen und Bottrop entwerfen Visionen für die Emscherzone

Die Kohlerserveflächen zu beiden Seiten des Rhein-Herne-Kanals werden in wenigen Jahren für eine neue Entwicklung frei.

Die Kohlerserveflächen zu beiden Seiten des Rhein-Herne-Kanals werden in wenigen Jahren für eine neue Entwicklung frei.

Foto: Hans Blossey

Essen.   Mit dem Rückzug des Bergbaus Ende 2018 werden am Rhein-Herne-Kanal riesige Flächen frei. Essen und Bottrop wollen sie gemeinsam entwickeln.

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Einen griffigen „Slogan“ haben sie schon gefunden und gleich auf ein Ortschild gedruckt: „Freiheit Emscher“ steht darauf zu lesen. Oberbürgermeister Thomas Kufen hielt es am Donnerstag gemeinsam mit seinem Bottroper Amtskollegen Bernd Tischler und Markus Masuth, dem Chef der RAG Montan Immobilien GmbH, in die Kameras der Pressefotografen. Denn gemeinsam haben die drei in den kommenden Jahren viel vor.

Platz für Arbeit, Gewerbe und Freizeit

Auch der Ort des Fototermins war mit der Schachtanlage Prosper II in Bottrop bewusst gewählt. Ende des Jahres ist auch dort Schicht im Schacht, dann ist der Bergbau im Ruhrgebiet nur noch was für die Geschichtsbücher. Doch was geschieht mit den riesigen Flächen, die der Bergbau noch zu beiden Seiten des Rhein-Herne-Kanals nutzt? Essen und Bottrop tun heute schon so, als würde es die Stadtgrenze, die in der Mitte der Wasserstraße verläuft, gar nicht geben, wie es Bottrops OB formulierte. Beide Städte wollen die zukünftigen Industriebrachen gemeinsam entwickeln und diese „einmalige Chance“ nutzen, die sich ihnen mit dem Rückzug des Bergbaus bietet. Das Ziel heißt: neues, zukunftsweisendes Gewerbe, neue Arbeitsplätze, aber auch Grün und Freiraum. Auch das.

150 Hektar wird der RAG Konzern schon in absehbarer Zeit freimachen. Auf Prosper II, in der Welheimer Mark in Bottrop, am Sturmshof und auf den Kohlereserveflächen von Emil-Emscher auf Essener Gebiet. 40 Hektar gilt es allein hier zu erschließen und zu nutzen. Schon ab 2020 soll soweit sein. Das bietet viel Raum, auch für Fantasie.

Drei mit einer Machbarkeitsstudie beauftragte Planungsbüros denken weit darüber hinaus. Sie betrachten ein 1700 Hektar großes Gebiet vom Bottroper Süden bis in den Essener Norden. Ein Gebiet, das ganze Stadtteile wie Vogelheim umfasst. Alexa Waldow-Stahm referiert über „eine Perlenschnur von Attraktionen entlang des Kanals und der renaturierten Emscher“. Klingt gut, aber noch sind es Visionen auf bunten Skizzen.

Eine davon ist eine „Umwelttrasse“ von der Essener City bis in die Bottroper Innenstadt. Eine Trasse für Radfahrer und Fußgänger, für den öffentlichen Nahverkehr, auf der aber auch Autos und sogar Schwerlaster fahren sollen – nicht überall, aber abschnittsweise, wo kein Weg daran vorbei geht. Dass der Entwurf über die Lärm und Lkw geplagte Hafenstraße führt, muss also kein Widerspruch sein, wie Waldow-Stahm unterstreicht, macht aber deutlich, dass bei der Detailplanung noch viel Arbeit wartet.

Konkreter klingt da, was sich die Planer zum lang ersehnten neuen Autobahnanschluss an der A 42 zwischen Bottrop-Süd und Essen-Nord haben einfallen lassen. Eine Anbindung an die künftige A 52 auf Bottroper Gebiet soll den Verkehrswert einer weiteren Auf- und Abfahrt erhöhen und das Land als Bauherrn überzeugen.

Eine Umwelttrasse und ein neuer Autobahnanschluss

Die Erschließung sei das A und O, betont OB Kufen und meint nicht nur den Autobahnanschluss.

Zum Schwur dürfte es kommen, wenn die ersten Investoren auf der Matte stehen. Kirchtürme, sagte Kufen in Anspielung auf Denkmuster, die sich im Ruhrgebiet hartnäckig halten, habe er nicht gesehen. Das ist ja schon mal was.

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