Kulturhauptstadt

Essen: Ruhr Museum feiert Jubiläum mit Stoppok und der Maus

Leuchtende Erinnerung: Festlich illuminiert wie in 2010 soll das Ruhr Museum auch zum Jubiläum auf die Besucher warten.

Leuchtende Erinnerung: Festlich illuminiert wie in 2010 soll das Ruhr Museum auch zum Jubiläum auf die Besucher warten.

Foto: [Rainer Rothenberg / Ruhr Museum

Essen.  Ruhr Museum: Besucherzahlen haben sich auf Zollverein verfünffacht. Zum 10. Geburtstag kommt der 2,5 Millionste Gast. Familienfest mit Stoppok.

Klirrende Kälte, ein vereister Hubschrauber, der die Anreise des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler am Morgen noch auszuschließen schien, und ein als Jahrhundert-Schneesturm angekündigtes Sturmtief namens Daisy waren alles andere als gute Vorzeichen: Theodor Grütter, damals stellvertretender Leiter und seit 2012 Direktor des Ruhr Museums, erinnert sich bis heute an die widrigen Umstände rund um die Eröffnung der Kulturhauptstadt Ruhr.2010, die damals mit der Eröffnung des Ruhr Museums einher ging: „Ich war mit den Nerven runter.“

Zehn Jahre später stehen die Zeichen nicht nur klimatisch auf Entspannung, wenn Kulturhauptstadt und Ruhr Museum am kommenden Wochenende, 11./12. Januar, Geburtstag feiern. Gehört das Ruhr Museum auf der Welterbezeche Zollverein mit seinen jährlich rund 250.000 Besuchern doch zu den nachhaltigsten und erfolgreichsten Projekten aus dem Kulturhauptstadtjahr.

„Zollverein ist für Essen ein ganz wichtiger Ort“, sagt Oberbürgermeister Thomas Kufen; keine „abgehobene Kiste“, so Kufen, sondern gewissermaßen ein Haus mit eingebauter Heimatbindung, das Gedächtnis „und Aushängeschild für die Region“.

Dass sich die Besucherzahlen im Vergleich zum alten Standort des früheren Ruhrlandmuseums an der Goethestraße verfünffacht haben, davon sind beim Umzug aufs Welterbe offenbar nicht einmal die größten Optimisten ausgegangen. Kalkuliert worden war zunächst mit jährlich 100.000 Gästen. Dass es weit mehr wurden, hat dem Museum auch finanziell mehr Spielraum beschert.

Pünktlich zum 10. Geburtstag wird am Wochenende der 2,5 Millionste Besucher erwartet. Auf den Glücklichen oder die Glückliche wartet eine große Sause. Zwei Tage lang wird auf dem Welterbe-Gelände gefeiert. Mit Songwriter Stoppok, der Fernseh-Maus und einer großen Geburtstagstorte. Bei freiem Eintritt und mit viel Programm soll jeder Besucher auf seine Kosten kommen. Denn für Theodor Grütter gibt es guten Grund zu feiern: „Die Region hat sich ein Museum ihrer eigenen Geschichte geschenkt!“

Ein Museum für alle, das ist ein Anspruch, den das Haus in den vergangenen zehn Jahren mit verschiedenen Ausstellungsprojekten vom „Rock und Pop im Pott“ bis zur „Kohle global“ eingelöst hat. „Wir sind kein klassisches Industriemuseum, sondern ein thematisch breit aufgestelltes Regionalmuseum“, sagt Grütter. Die damit verbundene Freiheit, sich „quer durch Themen und Zeiten bewegen zu können“, sei eines der wesentlichen Erfolgsrezepte des Ruhr Museum, zeigt sich der Direktor überzeugt.

Als Glücksfall bezeichnet der Ruhr-Museum-Chef außerdem die breite Unterstützung durch die Stadt Essen, das Land NRW und den Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Träger der Stiftung Ruhr Museum. Angesichts der 2021 auslaufenden Verträge plädiert Theodor Grütter dafür, frühzeitig über eine Verlängerung zu verhandeln.

Inzwischen werden aber auch Stimmen laut, die eine finanzielle Beteiligung durch den Bund fordern. So haben die beiden Chefs der Kulturhauptstadt Ruhr.2010, Oliver Scheytt und Fritz Pleitgen, gerade erst in einem Interview darauf hingewiesen, dass der Bund für den Erhalt der Schlösser in Thüringen und Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren dreistellige Millionenbeträge in Aussicht gestellt hat. Das Ruhrgebiet mit Zollverein als Weltkulturerbe gerate dagegen aus dem Blick. Dabei, mahnt nicht nur OB Thomas Kufen, „sind wir auf Zollverein noch längst nicht fertig“.

Mit welchem finanziellen Aufwand die Pflege des industriekulturellen Erbes in Zukunft zu bewerkstelligen sei, darüber müsse gesprochen werden, sagt auch Milena Karabaic vom Landschaftsverband Rheinland. Nicht nur im Hinblick auf den nächsten Strukturwandel, den das Land NRW mit dem Aus fürs Rheinische Braunkohlerevier zu schultern habe. Auch beim Thema Denkmalschutz müssten Konzepte her. „Wir müssen jetzt schon die Stellschrauben drehen, in welche Richtung es gehen soll“, sagt Karabaic. Denn für die Kulturdezernentin des LVR ist klar: „Die DNA in NRW wird auch weiterhin durch die Industriekultur geprägt.“

Und so wird auf dem Welterbe Zollverein am kommenden Wochenende Vergangenheit und Zukunft gefeiert. „Zehn nach Zehn“ wird der Auftakt zu einem Jubiläumsjahr sein, von dem man noch nicht so recht weiß, ob es nur eitel Sonnenschein oder auch ein paar Kapriolen bescheren wird. Die Wetteraussichten jedenfalls sind diesmal milde. Sieben Grad, kein Schneesturm in Sicht. Man will schließlich keine Kopie der Kulturhauptstadt-Eröffnung 2010 feiern.

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