Kommunalwahlkampf

Essen: OB-Kandidat der FDP sieht Kufen auf Grünen-Kurs

Karlgeorg Krüger tritt für die FDP als OB-Kandidat in Essen an - hier sein Foto auf dem Wahlkampfbus.

Karlgeorg Krüger tritt für die FDP als OB-Kandidat in Essen an - hier sein Foto auf dem Wahlkampfbus.

Foto: Foto: WAZ

Essen.  Essens FDP-Kandidat Karlgeorg Krüger setzt auf seine Erfahrung als Betreiber einer Radiologie-Praxis. Die Verkehrswende sei viel zu radikal.

Die Provokation war kalkuliert und kam wie gewünscht an: FDP-OB-Kandidat Karlgeorg Krüger zählte jüngst im sozialen Netzwerk Facebook neben seiner eigenen beruflichen Vita die Qualifikation von vieren seiner Mitbewerber auf - darunter die des Amtsinhabers. Der Eindruck, der entstehen sollte, war offenkundig: Bürokaufmann Thomas Kufen (CDU), der abgebrochene Student Mehrdad Mostofizadeh oder der Erzieher und Awo-Geschäftsführer Oliver Kern könnten ihm, dem Radiologen mit langjähriger eigener Großpraxis, kaum das Wasser reichen, wenn es um die Eignung als Oberbürgermeister geht.

Den Angriff auf Facebook zur OB-Qualifizierung hat er mittlerweile gelöscht

Eine gewagte Behauptung, und die breite Empörung ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Dem 68-jährigen Mediziner wurden Arroganz und Schlimmeres attestiert, mittlerweile hat er den Beitrag gelöscht. In der Sache aber bleibt Krüger dabei: „Um eine Stadtverwaltung zu leiten, sollte man ökonomischen Sachverstand mitbringen.“ Und den besitze er, nach 35 Jahren an der Spitze einer Praxis mit derzeit 32 Angestellten, mehr als alle anderen Bewerber, meint er.

Aller Voraussicht nach wird Karlgeorg Krüger keine Gelegenheit erhalten, seine These mit Leben zu füllen – wie Vertreter anderer kleinerer Parteien, schaffen es auch FDP-Politiker bei Wahlen nur selten in die höchsten Ämter. Bleibt die Frage: Was treibt jemanden an, der ziemlich chancenlos in ein Rennen geht und dafür viel Zeit und Geld investiert? Mangel an Arbeit in seinem Beruf darf man bei Krüger wohl ausschließen.

Mit dem Radentscheid drohe endgültig eine autofeindliche Politik in Essen

„Ich mache mir Sorgen um die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Stadt Essen“, sagt er. Die Verkehrspolitik laufe auf eine Katastrophe hinaus, seit SPD und CDU dem Bürgerbegehren Radentscheid beigetreten sind, das den Radverkehr konsequent bevorzugen will. „Damit droht nun endgültig eine autofeindliche Politik“, glaubt Krüger, der die alte Forderung nach Weiterbau der A 52 in Tunnellage aufgewärmt hat, um auch dem Autoverkehr Entlastung zukommen zu lassen. Ein Vorhaben, über das in Essen allerdings seit nun über 30 Jahren ergebnislos diskutiert wird, was aber nicht so bleiben müsse. „In Bayern bauen sie eine Tunnelstrecke nach der anderen.“

Die Essener CDU und OB Thomas Kufen laufen für Krügers Geschmack zu willfährig dem hinterher, was er „grünen Zeitgeist“ nennt. Auf den Radentscheid folge wohl bald ein lokaler „Klima-Entscheid“, wenn der auch wieder durchgewunken werde, bekomme die Wirtschaft noch mehr Probleme. Um den Unternehmen in der Corona-Krise zu helfen, will Krüger die Gewerbesteuer radikal senken, gleichzeitig beklagt er eine wachsende finanzielle Schieflage der Stadt. Wie das zusammenpasst? „Wenn die Unternehmen in die Insolvenz gehen, dann belastet das den Haushalt noch viel mehr.“

Bei der Migration setzt der FDP-Kandidat auf mehr Leistungsorientierung

Auch die Integrationsfrage umtreibt Krüger, der sich rühmt, in seiner Praxis viele Mitarbeiter mit ganz unterschiedlichem Migrationshintergrund zu beschäftigen. „Ich bin sehr für Einwanderung, allerdings muss sie viel mehr leistungsbezogen sein.“ In Deutschland werde zu oft in die Sozialsysteme eingewandert, was diese überlaste. Die Städte, die mit den Problemen am Ende umgehen müssten, stünden in der Verantwortung, bei diesem Thema beim Bund entschiedener auf Änderungen zu drängen.

Neben Sachfragen, ist es wohl auch die schiere Leidenschaft für die Politik, die Karlgeorg Krüger zu umtreiben scheint. Seit 2008 sitzt er im Rat der Stadt, ursprünglich engagierte er sich beim Essener Bürgerbündnis EBB. Krüger unterstützte das Bündnis, aber auch den früheren Fraktionschef Udo Bayer persönlich, mit nennenswerten Summen. Seine gut gehende Großpraxis in Kupferdreh machte dies möglich – Radiologen gehören bekanntermaßen nicht zu den Ärmsten unter den Medizinern.

Der „Brustkrebsskandal“ setzte ihm zu - und es blieb ein Makel hängen

Der so genannte „Brustkrebsskandal“, eine Mischung aus fachlichem Streit und Arztkollegen-Intrige, setzte Krüger in den Jahren 2014 und 2015 sehr zu, doch war ihm am Ende keinerlei Fehlverhalten nachzuweisen. Durch die Wucht der überregionalen Berichterstattung, die sich als falsch herausstellte, blieb aber ein Makel. Die „soziale Bestrafung“ sei erheblich gewesen, so Krüger, der noch dazu wegen einer privaten Immobilien-Fehlinvestition in finanzielle Turbulenzen geriet. In den wüsten Kämpfen um die Bayer-Nachfolge zog Krüger, geschwächt durch den vermeintlichen Skandal, dann den kürzeren und wechselte 2017 im Streit zur FDP.

Seine liberal-konservative Grundhaltung musste er dafür nicht ändern. Mit dieser hofft er nun, sich gegenüber dem übermächtig erscheinenden OB als Alternative der rechten Mitte zu profilieren. Zumindest eines will er schaffen: „Kufen muss mehr unter Druck gesetzt werden.“

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